Wie geht’s hier nach America?

11. – 14. September 2017 Rayport Campground

Zur Orientierung: Wir befinden uns weiter, tief durchatmend, aber voller Freude über den gelungenen Start, auf dem Weg in den Südosten Nova Scotias und kommen dabei nach 90 Kilometern nicht an dem uns auf unserer ersten Nordamerika-Reise lieb gewordenen Camping Rayport bei Mahone Bay vorbei. Direkt am Ufer des klar und ruhig dahinströmenden, von vielen Enten bevorzugten Martin River stehend bedeutet, es ist ganz  einfach uns wie sie der Müßiggang fördernden Atmosphäre dieses Ortes zu überlassen.

Durch ungewöhnliche angenehme spätsommerliche Temperaturen fällt es uns sehr leicht unsere geplante Aufenthaltsdauer auf diesem Platz zu verlängern, zumal um festzustellen: Es fehlt uns aber auch (fast) an nichts!
Einschränkung:
Das einzige, was die innere Ruhe stört, ist die Unsicherheit, welche Aufenthaltsdauer sollen wir uns für die USA eigentlich wünschen?
Unsere Gedanken fliegen ungefähr so:
Es ist September, ein halbes Jahr bedeutet, wir müssten die Staaten spätestens im März 2018 wieder verlassen. Nach Mexico wollen wir nicht und nach Canada zurück heißt, dass noch kein Campground wegen der anzunehmenden winterlichen Kälte, eventuell auch wegen Schnees, geöffnet hätte. Um erst Ende April wieder nach Canada zurückzugehen, müssten wir jetzt noch bis Ende Oktober hier bleiben usw.
Alles in Allem spricht nach vielem Hin und Her am meisten für den Versuch, wieder 12 Monate zu bekommen…

15. – 16. September, Digby und Digby Campground

Ohne länger darüber zu reden, verlassen wir wohl wegen der uns vertrauten Umgebung ziemlich schweren Herzens die östliche, relativ dicht besiedelte Küste und überqueren die Halbinsel durch tiefe Wälder mit hügeligen, langen einsamen Wegstrecken, vorbei am State Park Kejimkujik nach Westen in Richtung Bay of Fundy mit ihrer Fähre nach Saint John in New Brunswick: Dort wollen wir hin!

Digby? „Hier waren wir noch nicht!“ – „Ganz sicher?“ – „Kommt mir aber irgendwie bekannt vor, Du hast damals gesagt, als wir dort an der Wasserkante entlang gegangen sind, dass die untergetauchte Ente auch nach 10 Minuten noch nicht wieder aufgetaucht sei!“
Immer weiter nach Downtown rein, an der Wasserkante entlang sind wir übereinstimmend einer Meinung, hier waren wir schon einmal. Es sieht im Moment nur etwas verändert aus, möglicherweise weil die vorangeschrittende Tide des Atlantikwassers uns ein verändertes Hafenbild wiedergibt. Vielleicht aber auch, weil wir bei diesen vielen Bildern unserer Reisen, die unsere Köpfe schon abgespeichert haben, wir inzwischen offensichtlich das eine oder andere Mal „Zuordnungsprobleme“ haben.

Unzweifelhaft: Vero’s zweiter (unvermeidlicher) Quiltshop auf dieser Reise!

Die ersten fabrics landen in ihrer Tasche und in unseren Staufächern…
Auf Digby CG für zwei Übernachtungen angekommen, haben wir sofort Hunger und sind dafür mit Vorfreude auf den eben gekauften kanadischem Lachs versorgt: Der muss gleich dran glauben! Aus frischen Zwiebeln werden geröstete, so dass der Lachs auf ihnen in der Pfanne bald Gelegenheit hat, seine Farbe zu ändern und sein Brataroma ohne zu verbrennen zu entfalten. Der dazu gedachte grüne Salat liegt schon auf den Tellern und muss nur noch mit Dressings angereichert werden. Bevor hier erste Fragen kommen: Ja, das erste Glas Weißwein ist schon im Koch…

17.09. Ferry nach Saint John, New Brunswick

Wir kennen das natürlich inzwischen schon: Für Fahrzeuge über 7 Fuß Höhe gibt es keine Möglichkeit der Platzreservierung und es heißt, früh genug, nämlich um 10 am im Hafen zu sein um mitzukommen. Es klappt. So richtig begeistert sind wir allerdings nicht: Denn mit einem Preis von 240 Canadian $ (163 €) für eine 2 1/4 stündige Seefahrt haben wir nicht gerechnet. Aber ein Kaffee unterwegs muss trotzdem sein! Dafür genießen wir kostenlos die irische Musik im Mitteldeck.

17. – 18.09. Ocean View Campground, Pocologan, NB; Canada
Unser Vorhaben, heute noch aus Saint John herauszufahren, es ist Sonntag, wird durch den Wunsch, noch Lebensmittel einzukaufen nicht behindert:

Von wegen Ocean View. Der Nebel liegt, Literaten würden schreiben, bleiern über der Atlantic Bay. Es ist aber andererseits durchaus heimelig. Die vom Nebel behinderte Weitsicht oder positiv ausgedrückt, verstärkt mögliche Kurzsicht, lässt uns gelassen, eben ohne ablenkende Fernsicht die innigen Bewegungen des so geliebten Campfires wahrnehmen.

Jetzt treffe ich Frank…
Der hauptsächlich handwerklich Wohnmöbel bauende Campingplatzbesitzer lässt sich zu einem Boulespiel, „never done“, überreden.
Er erklärt mir neben dem Öl-Hydrauliksystem für den Schneeschieber seines Trucks gern auch die Welt aus seiner für mich überraschend aufgeklärten Sicht. Karl Marx ist ihm, wie er es formuliert, nicht unsympatisch.
Ein sehr freundlicher und hilfsbereiter Typ, der besonders liebevoll von seinen zwei Kindern erzählt.

An dieser Stelle bietet sich die Gelegenheit, die sanitären – und Müllanlagen mancher nordamerikanischen Campgrounds einmal beispielhaft zu zeigen:

Neben der garbagebox, die Tiere sollen sich erst gar nicht an gehaltvolle Essensreste der Gäste gewöhnen, geht der Weg in die Dusche…
Sehr großzügig ist der Raum zum Umziehen bemessen. Mit durchaus gefälliger Beleuchtung versehen, erwarte ich auf den ersten Blick von der Duschdüse allerdings nicht den kräftigsten und wärmsten Wasserstrahl.

Aber es lohnt sich, die zwischenzeitlich aufkommenden Vorurteile vor dem Vorhang zu lassen, denn sowohl die Temperatur als auch die Kraft des Nasses lassen sich durchaus spüren. Der Regen kommt, wie in der Natur auch, nicht einfach von oben, sondern weil der Duschkopf schräg angebracht ist, eben mehr von der Seite. So trifft mich der Strahl eben wirklich erst dann, wenn die ersten Liter kalten Wassers schon im Abfluss verschwunden sind.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: So viel, wie wir heute kochen/braten, gibt es bei uns nicht jeden Abend.
Aber das Motto lautet heute: …alles Frische aufessen für den morgigen Grenzübertritt!

Dienstag, 19.09. wellcome USA

Dieses „Routenbild“ symbolisiert für uns am besten die Geschichte unseres Grenzübertritts, weil auf ihr einerseits unsere Reise 2015/2016 nachzuvollziehen ist, andererseits auch, wo wir noch nicht gewesen sind und gern noch hin möchten.
Ansonsten haben wir für Fotos keine Zeit und es ist auch nicht erlaubt.
Sondern wurden wir eher selbst detailliert und von allen Seiten, mit und ohne Auto, vier Finger der rechten Hand, der Daumen, vier Finger der linken Hand, der Daumen und dann, Brille ab, mit den Augen geradeaus in die Kamera schauend, fotografiert.
Wenn wir nur sechs Monate in die USA einreisen wollten, wäre es das gewesen, sicher!
Aber wir möchten zwölf!!
Der Officer im Front-Office des US-Grenzübergangs kann das nach vielen beantworteten Fragen nicht entscheiden. Er sieht auch das Routenfoto und kann durch Vero’s Erklärung nachvollziehen, welche Staaten wir noch besuchen wollen. Dass es nach sechs Monaten, es wäre dann März 2018, hier an der canadisch-amerikanischen Grenze noch sehr kalt ist und das in New Brunswick und Nova Scotia dann noch keine Campingplätze aufhaben, kann er durchaus auch nachvollziehen.
„But sorry, only six months!“

Dass Vero ihn bittet, sich doch im Backoffice-Gespräch mit seinem Supervisor für unsere „zwölf Monate“ einzusetzen, ist ihm wahrscheinlich auch noch geläufig, aber es bringt nicht die von uns erhoffte längere Aufenthaltserlaubnis.
Als ich deshalb gerade nach einigen tiefen, ich glaube auch ziemlich verstörten und deprimierten Atemzügen den Rückzug antreten will, höre ich von nebenan in astreinem English: „Can we please talk to your Supervisor?“
Ich glaub, ich spinne…: Vero hat es tatsächlich geschafft, dass er seinen Vorgesetzten, einen eher hutzeligen, auf „Mecki“ getrimmten, besonders ernst blickenden Offizier zum Gespräch mit uns bringt.

Er kommt aus seinem Büro.
Weitere Fragen, Nachfragen, Nachnachfragen: „Andere Leuten schaffen diese Reise doch auch in sechs Monaten, wieso brauchen sie dafür zwölf?“ „Sie können doch wieder nach Deutschland zurückfliegen und dann noch einmal sechs Monate beantragen.“
Schließlich: „Setzen sie sich dort drüben hin, ich muss noch einmal in meinem Büro telefonieren.“
Nach weiteren zehn Minuten: You know, that you have to leave the US on September 18th, 2018? Not one day longer! Then your Visum is gone!

„Yes Sir!“

„Ok, you’ll get it!“

Drin!

8 Gedanken zu “Wie geht’s hier nach America?

  1. Hallo ihr beiden , ich komme erst heute dazu eueren Bericht zu lesen ( bin heute erst aus dem Westerwald zurückgekommen ) Hoch interessant für mich : was stört die Grenzer daran , dass ein deutsches Paar , unbescholten und nicht muslimisch , 12 Monate Amerika bereisen möchte? Könnt ihr mir das erklären ? Aber toll , dass ihr es geschafft habt , eueren Traum 12 Monate weiter zu leben .
    Alles Gute dazu und Good Luck .

    • Lieber Alfred, everything ok.
      Der Potomac River liegt gleich nebenan. Ich schätze mal, dreimal die Rheinbreite bei Köln, beeindruckend.
      Ganz liebe Grüße Vero & ich

  2. Gut gemacht😀👍😀endlich geht es wieder los mit Eurem Block. Freue mich😀😀Viel Spaß und eine erlebnisreiche Zeit in 🇺🇸 liebe Grüße aus Vlotho

    • Liebe Irmgard, danke und ganz liebe Grüße inzwischen aus Brunswick Md (Maryland). Es wird immer wärmer, die kurze Hose kommt wieder “in Mode”
      Vero & Reiner

    • Liebe Ulrike, lieber Werner,
      danke für das Kompliment. Wir sind echt mal wieder im Abenteuer-Modus. Unterm Strich sehr dankbar und voller Lebenslust:
      Oder wie Vero sagen würde: “Ist alles nur Geld” (Sie meint damit, solange es “nur” Geld kostet, ist es nicht so schlimm)
      Liebe Grüße nach OWL
      Vero & Reiner

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