So ist das also hier…

Dienstag, 20. März 2018

Fast hätten wir das folgende Bild nicht an den Anfang unseres heutigen Blogbeitrages gestellt. Bis auf die Erdkrümmung ist fast nichts zu sehen oder?

Als Suchbild für alle, die unsere letzten Eindrücke aus dem Beitrag „…wir gehn jetzt erst mal schwimmen“ in Erinnerung haben und für diejenigen, die unsere Fahrt von Del Rio zum Seminole Canyon Historic State Park nicht gelesen haben, finden wir es interessant:

Das Foto entstand nur eine Minute später, nachdem der mit 130 Sachen uns überholende, mit einem Riesenfass in Überbreite beladene Truck mit Trailer an uns vorbeigerauscht war.
Ansonsten wird, glaub ich, durch das Bild ziemlich klar: Es liegt hier außer des heißen Flimmerns nichts in der Luft oder sonst wo.

Wenn’de also in unmittelbarer Nähe der Grenze zu Mexico auf der US-Seite fahrend weiter nach Westen willst, musste sehn, dass’de nich einschläfst und nich die unscheinbare Stelle verpasst, wo der Hwy 285 nach Norden abbiegt und ein Hinweisschild darauf aufmerksam macht, dass eine gute Stunde nach unserer, immer späten, Frühstückspause die Stadt Fort Stockton vor uns liegen soll.

Eine mehr oder weniger verkommene Ansiedlung von vielen leerstehenden Retailer Shops in Historic Downtown und hinlänglich bekannten Franchisegebern von Mc– über Hot-, Star-, Kentucky- bis -Chicken und anderen, zusammen mit Tankstellen und Werkstätten jeglicher Art an der Businessschleife der Interstate aneinandergereiht.

Hier das herausragende, kräftig beworbene, aber letztlich wohl eher hilflose Kennzeichen dieser „Stadt“: Paisano Pete, der größte Roadrunner Nordamerikas!

Roadrunner RV Park, Fort Stockton TX

Zu dieser Ansammlung von Trostlosigkeit passt das nächste Bild – unseres Übernachtungsplatzes. Eine Dauerbleibe für 90% der dortigen BewohnerInnen. Die restlichen kommen nachmittags oder abends und fahren am nächsten Morgen wieder ab.

Dagegen ist ein Fußballplatz mit rotem Aschebelag irgendwo in einem deutschen Dorf ein luxuriös anmutendes Gelände.

Des Nachts, kurz vor dem Schlafengehen, wenn wir nur den Himmel betrachten, sehen wir doch noch etwas GROSSES!

Fort Stockton
Der Namensgeber dieser Stadt liegt heutzutage eher verlassen am Rand, das Gelände zu diesem vernachlässigten Ort passend…

Die I(nterstate) 10 W(est)b(ound)  bringt uns ausnahmsweise auf dem interessantesten Weg nach Van Horn TX

Mittwoch, 21. März 2018        Desert Willows RV Park, Van Horn TX

Das ist mal ein liebevoll hergerichteter Platz. Superdusche, wirklich saubere Toiletten und klasse Wifi, so macht Übernachten und Boulespielen Spaß!

Schräg gegenüber nehmen wir die Möglichkeit in Anspruch, unsere Propangasflaschen aufzufüllen. 6 Gallons sollten reichen, wir brauchen für die weitere Reise ja keine Heizung mehr, dann müssen wir am Ende in Halifax nicht mehr so viel Gas abheizen…

Während der weiteren Fahrt mutet es immer mehr so an, dass wir wirklich im Westen angekommen sind, zumindest haben wir die vorletzte Zeitzone vor dem Pacific die „Mountain Time Zone„, minus 9 Stunden gegenüber Deutschland, in Hudspeth Country TX, erreicht.

Wir sind von der I 10 runter auf die Business Loop 10 in Sierra Blanca, ein Kurzzeit-Auftankort für Mensch und Maschine…

biegen ab auf die Ranch Road 1111 Richtung Hwy 62, dazwischen außer Kakteen, ein paar durch Zäune und Tore zu vermutende Ranches, Hügel rauf und runter, Dips, das sind die tiefsten Stellen der Straße, an denen davor gewarnt wird, dass wenn dort Wasser steht, man nicht hinein fahren sollte und sonst sieht es für die nächsten 60 km wirklich so aus…

Auf dem Hwy 62, inzwischen sind wir weitere 20 km durch die Einsamkeit getourt, finden wir, so wollten wir das noch einmal, das einsamste Café dieser letzten texanischen Ecke vor El Paso und New Mexico.

Wir sitzen zur Lunchtime am Jeans- und Cowboystiefel bekleideten Tisch und warten auf unsere individuellen Burger mit home made French Fries. Es ist immer noch dieses völlig verschrobene, ein unvorstellbares Durcheinander ausstrahlende, völlig einsame May’s Café, von dem wir geträumt haben und in dem wir uns unbedingt noch einmal vollstopfen wollten.

Es hat geklappt:

Im westlichsten Zipfel von Texas, etwa 50 km nord-östlich von El Paso werden wir für heute Nacht unser Lager aufschlagen.

Donnerstag, 22. März 2018    Hueco Tanks State Park & Historical Site

Wir haben es nicht vermutet, welche Besonderheiten uns in dieser kargen, entrückten und trotzdem so außergewöhnlichen Felsenlandschaft erwarten. Hier kommt niemand so „ohne weiteres“ rein.

Geschafft bedeutet,
1. wir haben eine von nur 20 Water/Electric Sites erwischt: #20 ist unsere
und
2. den Einführungsvideovortrag mit Verhaltenskodex für diese historisch besonders wertvolle Landschaft haben wir „bestanden“! (keine Haustiere – nicht mehr als 70 Personen pro Tag auf den Trails etc. – keine Lagerfeuer)

Zwischen zwei anderen Gebirgszügen fast versteckt, es gibt nur eine einzige, 12 km lange Dead End Road dorthinist diese Gegend schon seit mindestens 1000 Jahren von verschiedenen Stämmen und Gruppen der Ureinwohner bewohnt und wirtschaftlich zum Überleben genutzt worden.
An den Bergwänden finden sich noch heute besonders wertvolle Zeichnungen der ersten EinwohnerInnen.
Wir haben sie dort gelassen in den verwinkelten, engen Steigungen, die jungen Kletterern ohne Hilfsmittel eine Herausforderung sind. (Vorsichtshalber haben sie doch kleine matratzenähnliche Matten dabei)

Für uns ist das Farbenspiel durch die Reflektion des Lichtes der Sonne mit dem Himmel, den Bergen und den Pflanzen umwerfend.

Kurz nachdem die Sonne sich vom Acker gemacht hat, kommt eine ungewöhnlich ruhige, fast schon unheimliche Nacht unter sternenklarem Himmel in absoluter Dunkelheit.

Ohne Wanderung geht’s am nächsten Morgen dann doch nicht.
Diese Bilder haben wir mitgebracht:

Soon the spirits of the night will come: Have a good one!

2 Gedanken zu “So ist das also hier…

  1. Ja, die kommen wirklich hier rein, aber eher als Truck Driver, denn als Cowboys oder für „Gerechtigkeit Kämpfende“ – Wir bekommen sehr häufig den Wunsch „safe travel“ zu hören, aber bewaffnen müssen wir uns deshalb nicht – Es meint eher das, was Du uns auch wünscht: „Gute Reise“
    Liebe Grüße
    V&R

  2. World famous burger in einer ziemlich urigen Umgebung , wartet man nicht darauf , dass gleich Bill Jenkins oder Tom soundso um die Ecke geritten kommt mit einem toten Desperado quer auf dem Pferd vor sich ? Habt ihr euch eigentlich schon bewaffnet oder ist das für Ausländer nicht möglich ?
    Wenn es nicht möglich ist würde mich das überraschen , denn wenn man auch Ausländern das erlauben würde , gäbe das ja der amerikanischen Waffenindustrie nochmal einen Kick.
    Wie dem auch sei , ein unglaubliches Land mit einem unglaublichen Präsidenten.
    Weiterhin alles Gute für euch und wieder danke für eueren blog.
    Ich habe übrigens am Mittwoch einen Herzschrittmacher bekommen , geht mir gut.

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