…weit draußen

1. April 2018, Ostersonntag und 2. April 2018, hier kein Feiertag
Interstate 10 WB New Mexico, gleichzeitig US Hwy 70 WB     …immer noch auf dem Weg nach Westen.

Wir sind mit allen Informationen zur Strecke versorgt wie man sieht!

Sprachlos, überrascht und gleichzeitig dankbar, dass kein Sandsturm in Sicht ist, genießen wir lächelnd ein Schild nach dem anderen – bis:

Wie jetzt???             Nee! ne?

Ach du meine Fresse – Fuck, fuck, fuck – was macht der denn – doch nicht alle Informationen zur Strecke bekommen?

Ruhig bleiben, Brauner!!! – lässt sich alles aufklären:
Auf ’nem Video könnte man jetzt erkennen, dass uns dieser Truck eben grade überholt hat: also, nicht nur der, der zu sehen ist, sondern auch der, der den, den man sehen kann, auf seine Hinterachse rückwärts drauf genommen hat.

Und mit 130 Sachen, ist er gleich, zack, weg.

Es ist kein Aprilscherz, dass hier heftige Sandstürme über die Interstate 10 hinwegfegen können, aber die Erklärungen, die im Falle eines solchen darauf hinweisen, dass man nicht auf den Fahrstreifen anhalten, den Motor ausschalten und die Handbremse anziehen sollte, könnten durchaus als einer gelten:
Uns beschleicht das Gefühl, wir wissen jetzt endlich mehr über die möglichen Ursprünge amerikanischer Bildergeschichten, auch Comics genannt…

Was uns jetzt noch bleibt, es wüstet mal wieder sehr, sind
– unendliche Landschaft,
– menschenleere Landschaft,
– diverse Bergketten,
– Himmelszeichnungen und
…Güterzüge.
Dieser hier sieht für deutsche Augen noch völlig normal aus, hat nur 2 Diesellokomotiven vorn, dann ca. 100 Waggons und 2 Diesellokomototiven hinten. Der Rekord, den wir zwar mit eigenen Augen gesehen und abgezählt haben, aber leider (bisher) nicht fotografieren konnten, liegt im Moment bei sieben! Zugmaschinen vorn und 3 Schiebern hinten…

Sonntag, 1. und Montag, 2. April 2018     Fort Willcox RV Park, Willcox AZ

Da ist er: Der Moment spätnachmittags, in dem wir, ok weiteratmen nicht vergessen, Glück, Glück, Glück empfinden.
Ob hier ein RV Park liegt oder nicht, würde wahrscheinlich kaum jemandem auffallen, er liegt sowas von weg, draußen, für uns immer noch eine Faszination, diese Einsamkeit, wo der Horizont, auch wenn’de dich zwei mal um die eigen Achse drehst, keinen Anfang und kein Ende hat. Auf dem Smarthone heißt die Einstellung „Panoramafoto“.

03.  – 04. April 2018

Diese Tage, an denen wir nicht fahren, fliegen einfach so an uns vorbei. Es geht nicht hektisch zu, mit viel Arbeit oder schwierigen Entscheidungen, aber es ist, eher wir es uns versehen, eben schon wieder so weit:

Wir bereiten uns auf unsere Weiterfahrt vor. Bei diesem Wetter, wann hat es eigentlich zum letzten Mal geregnet, könnten wir auch ruhig noch etwas länger bleiben, haben uns aber anders entschieden.

Vielleicht bin ich auf diesem Platz einer Antwort auf die Frage:
Womit verdienen sich die Menschen hier eigentlich ihr Geld, etwas näher gekommen:

Wie es so passiert: „Howdy!“ – „How’re you doin’ today?“ Fine, thank you – and you? Not so bad…
Der Nachbar, er lebt zusammen mit seiner Frau in einem Trailer fast neben uns und fährt einen alten Lincoln (ohne Motorraumabdeckung!) steigt aus seinem Auto und wir sind im Gespräch. Wo kommen sie her? – Germany – 12 Monate USA – Was kostet denn so ein Autotransport? – Wow – Komme gerade von der Arbeit – Was machen sie denn so?

Er ist selbständiger mobiler Fensterputzer und wie er mir erklärt, Spezialist für das Geschäft des Naturalien- und Fähigkeitenaustausches. Also z.B. putzt er Fenster gegen die Reparatur seines Autos usw.
Demnächst ziehen sie nach Minnesota um, er hat dort Land geerbt…

I’m Ken, nice to meet you. Oh, I’m Reiner. – Riener? – No. Reiner: R-e-i-n-e-r. – HaHa…
Nice to meet you too. Have a good one!

Was denn nun, Interstate 10 W oder Hwy 191 S, ganz einfach: beides.
Wenn es nur eine Straße gibt, wie in diesem Fall, wird die I 10 für ein kurzes Stück auch zu dem von Norden kommenden Hwy 191, der dann ungefähr 20 km weiter westlich, Richtung Süden abbiegt und so seine Selbstständigkeit wieder aufnimmt.

Wie so manches Mal, wenn Vero’s Einkaufszettel vollgeschrieben ist: Wir müssen auf dem Weg nach Tucson Arizona noch einkaufen…

Sind zwar zu diesem Fotozeitpunkt nicht mehr in Texas, aber Arizona ist mindestens genau so weitläufig und ein Hubschrauber überwindet auch hier so manche Entfernung schneller, als ein Auto auf staubiger Ranch Road fahren kann.
Soviel zur rationalen Erklärung der folgenden Bilder.

Sagen wir mal, wir sind angekommen in Tucson AZ USA. Jedenfalls in der äußeren südöstlichen Ecke, nahe des internationalen Flughafens. Diese Stadt muss eine riesige Fläche haben, weil die „Blocks“ hier unheimlich groß erscheinen.

03. – 04. April       Mission View RV Park & Resort, Tucson AZ

Wir bestaunen als erstes diese „Muskelprotz-Trucks“, sie sind nur die Zugfahrzeuge für 5th Wheeler, die die eigentliche Wohnung darstellen. Immer wieder Hingucker.

In diesen Bildern zeigt sich die hiesige Bedeutung des Autos als Sinnbild für ein erfolgreiches Leben: Chrom, Lampen, Hupen, Auspuffrohre, alles Details einer Symbolik der besonderen „Wa(h)ren-Verliebtheit“

Wir spüren „hautnah“ die südliche Lage, denn es ist, obwohl erst Anfang April, unfassbar heiß. Unser Klimaanlagenersatz, Ventilator genannt, läuft „durch“…

Bei diesen Temperaturen fast unabdingbar: Der Riesenpool stellt für uns, wir sind immer allein in ihm, eine herrliche Abkühlung dar.

Es wird sehr schnell dunkel und mittels dieser Recherche in unserer Sternen-App unter Nutzung eines Screenshots sind wir sicher, dass der hellste Stern um diese frühe Nachtzeit der Planet Venus ist. Wer sonst!

Der Discount von 50% pro Nacht gilt hier nur für insgesamt 2 Übernachtungen.

Also wechseln wir und verbinden mit der Fahrt unser Ziel „Mission San Xavier del Bac“, des ältesten Baus einer katholischen Kirche in europäischem Stil in ganz Nordamerika.

Die weiße Taube genannt…

Das Drumherum inklusive Kakteengarten, Gebetskapelle, Museum und unvermeidlichem Giftshop ist ausgesprochen gepflegt und einladend. Die Religiosität der Menschen wird durch diese Anlage „mächtig“ repräsentiert.
Sie wandeln entsprechend andächtig, teilweise in sich gekehrt betend, durch’s Heiligtum…

Wir sind beeindruckt…

Im Übrigen lernen wir während dieser folgenden Tage Tuscon AZ auch mit dem Auto kennen:

Es gilt für uns eine wirkliche amerikanische Großstadt in alle vier Himmelsrichtungen zu durchqueren. Dabei kommen unglaubliche zwischen 300 und 400 km zwischen Straßenbahnen, Bus-, Taxifahr- und Gemeinschaftsspuren, zwischen flächigen Blocks und gedrängtem Downtowngewusel zustande.

Wir können unter diesen „Stop and go“-Bedingungen nicht anhalten, so dass dieses beeindruckende Wandgemälde, wovon es in Downtown sehr viele gibt, erst im Nachhinein seine Existenzberechtigung verraten kann:

Es zeigt einen „Indianer“ in der Begegnung mit spanischen Soldaten im späten 17. Jahrhundert…
Wir können uns gut vorstellen, wer die oben zu sehende Kirche hat bauen lassen.

Nebenbei andere kreative Bauwerke, gesehen aus dem Autofenster heraus…

5. – 7. April 2018   Rinson RESORT West

Oooh, was für eine Pracht: Die nächsten 3 Tage können wir uns gut mit Pool, Shuffleboard und Bocce Ball (Boccia) unter Palmen im „Reichenviertel“ von Tucson vorstellen.

Wir schon, aber der Besitzer dieses Resorts nicht!

Genau genommen, damit es nicht ganz so kränkend bleibt, würden sie uns schon wollen, aber die Antwort auf die Frage: „which year is your RV- older than ten years?“ ist „2001“ – Damit sind wir aus dem Spiel!

Interessante Variante einer offensichtlich gängigen Diskriminierung, die wir allerdings zum ersten Mal so erlebt haben.

5. – 7. April 2018   Rinson RESORT West

Die Zeit reicht, um uns telefonisch eine alternative Bleibe zu besorgen. Liegt in einer anderen Ecke Tucsons, sind nur 28 Kilometer…

05. April  2018     El Molino Mobilhome Park, Tucson AZ

Eine Übernachtung reicht, dieser Platz soll nicht unser letzter Eindruck von Tucson bleiben…

Wenn es im El Molino Mobilhome Park nicht so enttäuschend wäre, und wir deshalb nur eine Nacht bleiben, hätten wir unseren nächsten, den schönsten, ruhigsten und landschaftlich attraktivsten Campground der ganzen Umgebung verpasst.

6. – 7. April 2018    Gilbert Ray Campground, Sonora Mountain Park, Tucson AZ

Er ist immer noch eine Perle: Geht doch, wir haben unser Glück wieder gefunden!

…far away, but close to ourselves.

Ein Gedanke zu “…weit draußen

  1. Hi Ihr beiden,
    wunderschöne Bilder und in Euren Worten finde ich mich schnell wieder. Insbesondere der letzte Halbsatz „… far away, but Close to ourselves“ beschreibt das Leben „unterwegs“ perfekt.
    Weiterhin eine schöne Zeit und bezüglich Eurer Rückkehr und Besuch melden wir uns die nächsten Tage per Mail.
    Viele liebe Grüße
    Klaus und Sonja

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.