Ostküsten-Blues

Samstag, den 5. Oktober 2019

Wir kurven auf dem Weg nach Branchville, New Jersey gemächlich up and down mitten durch „Redneck-Country“.
So sieht es hier wirklich aus:  Im wahrsten Sinne des Wortes abgelegen, kurvig, arm, waldreich,  vernachlässigt, verstohlen, liegen gelassen, verlottert und wegen der „vergessenen“ Infrastruktur eher menschenleer.
Vor allem arme, weiße Menschen, auf die (so erklärte es mir mein Freund Ed, der zu Sommerzeiten in New Jersey ganz hinten im Westen in der Nähe des Delaware Rivers lebt) wegen ihrer beschissenen Lebens- und Arbeitsverhältnisse die Bezeichnung „Rednecks“ zutrifft.

Wir sehen aber auch, dass sich auf einzelnen Flecken, besser, professionell gepflegten Grundstücken, noch besser, Terrains oder Domänen, auch offensichtlich Privilegierte zu erkennen geben. Reichtum wird hier nicht versteckt, sondern eher als Belohnung für ein hartes Arbeitsleben, dazu gehören auch erfolgreiche Aktien- und Glücksspielgeschäfte, betrachtet.

So ist das hier also…

Immer wieder überraschen uns alltägliche und doch außergewöhnliche Ereignisse des Lebens, können sie uns aber nicht immer aussuchen:
Heute begegnet uns ein von hunderten Harley Davidson-fahrer*innen begleiteter Leichenwagen, der über mehrere Kilometer Länge großräumig die ganze Straßenbreite einnimmt.
Wir warten mit anderen Autos am Rand der Straße an der Kreuzung 53rd und 107th Hwy bis diese moderne „Parade der Freiheitsliebenden“ an uns vorbei gezogen ist.
Sie/er muss eine/r von ihnen gewesen sein…

Das kommt dabei heraus, wenn wir Interstates und vielbefahrene Highways nicht mögen. So werden es eben ohne Probleme 100 km mehr und dauert mindestens zwei Stunden länger, bis wir unser nächstes Übernachtungsziel erreichen werden.
Wir fühlen uns durch all das, was wir hier zu sehen bekommen, belohnt.

Für die Überquerung des Hudson Rivers nehmen wir die für uns günstigste Stelle auf unserem Weg die „Mid-Hudson Bridge“ zwischen Poughkeepsie NY im Osten und Highland NY im Westen und haben das Glück, dass nur für den in östliche Richtung fahrenden Verkehr eine Maut verlangt wird.

Sonntag, 06. Oktober 2019       Harmony Ridge Campground, New Jersey (NJ)

Doch ziemlich spät geworden… Vero kommt etwas perplex aus dem Office des verhutzelten Campgrounds zurück: „Da sitzen zwar zwei Menschen, aber sie sind völlig bewegungs- und reaktionslos! Was soll ich machen? Die reagieren überhaupt nicht auf mich und es sieht so aus, als wenn sie dort hin/ ab?gesetzt worden sind.“ – Bevor wir uns etwas einfallen lassen müssen – haben wir Glück: Die Enkelin der Besitzer kommt mit dem Auto vorbei und verkauft uns noch einen Platz.

Anschließend wird das Wetter nicht besser – es tröpfelt aus einem nebulösem Wolkenschleier heraus auf unseren Stellplatz und darüber hinaus.
Wenn ich nicht aufpasse – auch auf unser bis jetzt nicht fertig gekochtes Essen.
Wärmer könnt’s auch sein.
Jetzt wünsche ich mir vielleicht doch ein schönes Restaurant…
Will die Markise nicht rausfahren, weil es nicht danach aussieht, dass ich sie morgen früh bei Sonnenschein wieder trocknen lassen kann.


So kommt der Original Rossmann-Stockschirm zum Einsatz. Macht sich farblich doch richtig gut, ne?
Immer schön cool bleiben. Der Chardonnay, schön gekühlt, ist schon geliefert… Unser eigenes Restaurant ist mir doch am Liebsten!

Montag- Dienstag, 7./8. Oktober 2019    Tohickon Family Campground, Quaktertown, Pennsylvania PA

Vorbei gefahren – Stopp! und umdrehen: Halloween wirft seine Schatten voraus.
Die auf dem Feld dekorierten Kürbisse machen uns den Gemüsestand der dahinter liegenden Farm schmackhaft…

Die Kürbisse sind schon orange-reif und wetteifern symbolisch um ihre Käufer*innen. Sie sind leider nicht essbar und haben deshalb nichts anderes zu tun als gut auszusehen…

Weil sie uns aber doch nur Platz wegnehmen würden und wir mit der hier so beliebten Kürbisherbstdekoration nichts anfangen können, kaufen wir bei diesem kleinen Zwischenstopp unser nächstes Abendessen.
Butternut-Pumkins (diese Sorte ist doch zum Verzehr geeignet), frische Tomaten, Zucchini und Äpfel aus der Region:
Daraus wird eine leckere Kürbissuppe. Die letzte dieser Art, besonders lecker weil aus eigener Ernte, liegt 7000 km und 2 Monate zurück. Wir denken an Dich, Annette!

Auf unserem weiteren Weg muss uns nun diese außergewöhnlich schöne Brücke in Northampton PA tragen. Wie kommen die eigentlich auf das erlaubte Höchstgewicht von 3 Tonnen für ein Fahrzeug? Wie viele davon dürfen zugleich drüber fahren?
Egal! Die Metallrosten werden schon halten…

Wenn auch diese Bilder Betriebsamkeit ausstrahlen, so hängt das doch nur damit zusammen, dass wir in den klitzekleinen Städten dieser Tiefprovinz irgendwie in die Rushhour der hiesigen Pendler hineingeplatzt sind. Unser Navi meint es darüber hinaus überwiegend gut mit uns und leitet uns meistens durch kaum besiedelte Wald-Seen-Pfade-Felder-Kurven-nur für kleine Autos Straßen…

Diese hier heißt nicht umsonst „Covered Bridge Road“.
Müssen nur noch den entgegenkommenden Verkehr durchlassen!

Wir passen mit knapp unter 10′ FT ohne Probleme drunter durch und sind anschließend sofort da.

Landen auf einem Campground der besonderen Art, „grad wie er uns gefallt!“


Wieder ist das Office vereinsamt, hier heißt das geschlossen!
Der Anschlag an der Tür will uns sagen, dass es für Spätankömmlinge einen Briefkasten gibt, aus dem wir, wie schon manchmal während unserer Reisen, einen Umschlag herausnehmen sollen, unsere Daten eintragen sollen, Dollars nicht vergessen…
Was sag ich – sehe ich doch den geöffneten Kofferraumdeckel dieses Autos dort, gehe zum nächsten, benachbarten Haus und treffe tatsächlich auf Menschen: „Ist da jemand für’s Office?“ – Ich übersetze mal, was ich irgendwie zu verstehen geglaubt habe:
„Geh ma da vorne in Richtung Terrasse, da müsste sie eigentlich sitzen, die die da raucht, wie immer, die kommt dann gleich, eigentlich“.
Die scheinen sich zu mögen!

Alles andere ist dann nur noch ein „Kinderspiel“:

Ich suche und finde Toiletten und Duschen, es gibt Waschmaschinen und Trockner. Es gefällt uns alles sehr gut. Nicht super komfortabel, erinnert mich ein wenig an umgewidmete Stallgebäude, aber schön ruhig…

Wir entpuppen unser eigenes Haus, öffnen unsere Küche und bringen unseren Garten „auf Vordermann“. Holzhacken, Papier knüddeln, Anmachhölzchen stapeln, anschließend kurze und mitteldicke Hölzer drauf und zum Schluss „Liquid Fire Starter“ drauf gießen. Mit dem Gasanzünder vorsichtig den gemütlichen Teil einläuten…

Auf diese Art wird es dunkel und unser „Abendprogramm“ im Rahmen unseres Reiselebens nimmt seinen Lauf. Dinner mit German News: Die aktuelle Tagesschau mit Jan Hofer kommt aus der Mediathek von der externen Festplatte.
Vero hat es wie immer pünktlich geschafft: Auf dem Display unseres Laptops erscheint die Uhrzeit: 19:59 und 57 Sek ;-))
Anschließend eine Talkshow aus dem Öffentlich-Rechtlichen zum Deutsch üben und zum Entspannen eine 45 Minuten-Folge aus einer gutbürgerlichen Arzt- und Freundschaftsserie…

Es ist sooo ruhig. Wir hören die Blätter fallen…
und entschließen uns zu einer weiteren Übernachtung. Mal sehen, ob ich die Frau vom Office wieder rauchend auf der Terasse finde:
Yes, sie qualmt sich die Lunge aus dem Leib und ich versuche ihr in bestem Sozialpädagogen-Englisch auf dem Weg ins Office unser gelungenes Abgewöhnungsexperiment mit Taschengeldbelohnung zu erklären…
Sie ist begeistert: so könnten sie sich bald ein „neues“ gebrauchtes Auto kaufen.

Mittwoch, 9. Oktober 2019    Spring Gulch Resort & Campground, New Holland PA

Immer wieder rückt ALDI über Google maps auf unserem Weg nach Süden in unseren Einkaufsmittelpunkt. Die Läden sind auf unserer Route hier im Osten immer wieder zu finden.

Der einzige Supermarkt mit Pumpernickel: erstens Vollkorn und zweitens haltbar!

ALDI verkauft ihn uns hier gern auch im Zehnerpack und nicht nur in „Haushaltsmenge“. Wir schätzen ihn neben Knäckebrot in Anbetracht des ansonsten überbordenden Angebotes von Weizen-Weichbroten sehr.

Inzwischen haben wir Lancaster County in Pennsylvania erreicht:
– Quiltshops mit riesiger Auswahl zu günstigen Preisen im Verhältnis zu Europa,
– Fortbewegungsmittel und Ackerbearbeitungsgeräte der Amish faszinieren uns immer wieder.
Im Übrigen spiegeln die Bilder nicht die Geschwindigkeit wieder, mit der sich diese Tiere durch den Autoverkehr rings um sie herum bewegen. Batteriebetriebene Blink- und Stopplichter sichern die Kutschen und machen sie gesetzeskonform. Es gibt auch schon welche mit elektrischen Scheibenwischern!!!

Mir fällt dazu der Begriff „Kutschentuning“ ein…

oder tiefergelegter Traktor:

Ohne Zweifel ist das Lebenstempo der Amish und der Mennoniten in der Konkurrenz zur Parallelwelt des schnellen Glücksgeldmaschinen-, Aktien- und Hedgefondsystems der übrigen Bevölkerung höchst anstrengend. Aber durch eine funktionierende solidarische Gemeinschaftsstruktur, in der die gegenseitige finanzielle Unterstützung lebenserhaltend wirkt, überleben sie im Nischengelderwerb von organischer Landwirtschaft, handwerklicher Holzbearbeitung, Kutschenbau, Kuchen- und Süßspeisen-und nicht zuletzt durch Stoffverkauf in einzelnen Quiltshops.
Dabei hilft ein stark ausgeprägtes Selbstversorgungssystem!

Diese Brücke kennen wir. Der Unterschied ist, dass wir sie bei unsere letzten Nordamerikareise von der Parallelbrücke aus fotografieren konnten und heute überqueren wir sie…

Lasy Sunday afternoon…

Tief im Osten…

Mittwoch, der 2. Oktober 2019     Massachusetts MA

Sind wir tatsächlich erst seit drei Wochen in America?

Ohne viel nachzudenken, so aus dem Bauch heraus, kommt es uns vor, als wären wir schon lange Zeit hier.
Gar nicht weg gewesen?

So sehr ist uns diese Ecke der New England States vertraut.
Sind uns diese Staaten, fast europäisch oder besser traditionell englisch anmutend, diese verwunschenen Landschaften, die „uralten“ Dörfer und Städte, die traditionellen Läden, die an den Landstraßen ausgestellten Gemüse- und Eierangebote der Farmen, die atemberaubenden Brücken, die Bäche, Flüsse und Seen und ihre manchmal kuriosen Namen, die Wälder, die Campgrounds und State Parks mit über uns und unser Auto staunenden Menschen, der Verkehr auf den Straßen mit seinen so speziellen Stopkreuzungen und unvorhersehbaren Schlaglöchern, die Fähren, manchmal als Fortsetzung der Highways gedacht, die Häfen, die Eisenbahn und ihre meist unbeschrankten Übergänge, die  regengeschützten Veranden mit jeder Art von Säulen und Schaukelstühlen rings um die Häuser, ans Herz gewachsen.

Es ist so gegen 3 Uhr nachmittags und eine ganze Reihe der originären, nicht zu übersehenden, orangenen „Kindertaxis“, bringen wie überall in den Staaten die ersten Kids zurück in ihre zumindest teilweise weit abgelegenen Zuhause.
Diese Schulbusse sind überall ein besonderes Merkmal der „Vorfahrt für (Schul)kinder“, die hier ABSOLUT gilt!

Wir zählen 14 gelbe, gut beleuchtete „Stop and Move“-Großraumwagen. Alle mit einem seitlich zur Straßenmitte hin ausfahrbaren Stoppschild und zig rot und gelb blinkenden Lichtern unübersehbar ausgestattet.

Wenn diese Warnzeichen leuchten oder ausgefahren sind, ist für alle anderen Autos in jeder Richtung absolutes „Stop“ angesagt!
Wir mögen diesen „absoluten Vortritt“ für Kinder.

Massachusetts ist bei aller Enge und sehr traditionellen Anordnung vieler Straßen und der Großzügigkeit unbewohnter Wälder und Küstenstreifen ein ausgesprochen fortschrittlicher Bundesstaat mit weltweit berühmten Universitäten, einer sozialen Absicherung für arme und kranke Menschen, die in den gesamten USA ihresgleichen sucht.
Ich erwähne das gern, weil die Geschichte von Massachusetts an dieser Stelle die Diversität der Vereinigten Staaten beispielhaft widerspiegelt.

Wir entschließen uns, die nahegelegenen weltbekannten, großbürgerlichen Sommer-Attraktionen von Cape Cod und Martha’s Vineyard als die Wohn- und Spielorte der High Society, links liegen zu lassen und geraten auf den völlig unattraktiven, langweiligen und fast ausgestorben daliegenden

Forge Pond Campground , Freetown MA

direkt im ruhigen und menschenleeren Niemandsland zwischen den Provinznestern Hanover, Rockland, Abington, Whitman und Hanson, MA.

Wir machen es uns interessant!

Der dunkle Wald trägt dazu bei und:
Gebratener Lachs mit gerösteten Zwiebeln und Knoblauch, getoastetes Baguette, frischer Salat mit Cole Slaw: hmmm…

und Tschüss!

Mittwoch, der 3. Oktober 2019     Rhode Island (RI)

Der nächste New England State und gleichzeitig der kleinste der Vereinigten Staaten, bleibt uns ab sofort auch nicht mehr unbekannt! Ich glaube, das Ruhrgebiet ist größer…

Wir kommen über die Sakonnet River Bridge in dieses wasserumspülte Land hinein und „müssen doch hoffentlich nicht über diese Brücke dahinten wieder raus?
– Dann bleibe ich hier!“ (Originalton Vero)

Wegen seiner herrlichen Küstenlage erhoffen wir uns von Rhode Island ein wunderschönes Ambiente mit kleinen Zugängen und Buchten des Atlantiks!

Dafür müssen wir allerdings erst einmal durch Newport RI, eine quirlige Hafenstadt mit verständlicherweise besonders konsum-touristischer Infrastruktur. Sie ermöglicht uns bei der Durchfahrt die ersten herrlichen Blicke auf Segelyacht und Kreuzfahrtkoloss.
Wir finden die Zufahrt zur Ocean Avenue, der unverbauten „Sightseeing-Promenade“! Dort wollen wir hin.

Ein besonderer Gag: Wir nehmen den Trolley Bus! ;-))
Er fährt uns nämlich voraus und wir hinterher. So sehen wir die schönsten Stellen dieses ohne „Reiseführer“ nicht so einfach zu entdeckenden Küstenabschnitts und seine Besonderheiten.

Einsam wohl weniger:
Was für ein unermesslicher Reichtum! Diese Häuser, ach was, was heißt hier Häuser…

Eisenhower House, wirklich die Sommerresidenz des ehemaligen US-Präsidenten zwischen 1958 und 1960, weil er so gern Golf spielte und der Weg zum Newport Country Club nur „ein Katzensprung“ war.
Ohne unseren Freund „Trolley“ hätten wir es sicher nicht gefunden…

Jetzt können wir auch alleine weiter: Die sich direkt am Randstreifen zwischen Strand und Wasser entlang fädelnde Ocean Avenue gibt uns doch noch einige unverbaute Blicke auf die natürliche Schönheit dieses wunderbaren Zusammentreffens von Landschaft, Küste und Meer.

Das war eine ganz besondere Route!

…und bleibt nicht die einzige: Denn jetzt passiert es doch noch und Vero sitzt immer noch neben mir.

Die Claiborne Pell Newport Bridge hat es in sich, steigt steil an, bleibt für knapp zweieinhalb Kilometer unter uns, und führt uns an der höchsten Stelle fast 500 Meter zwischen den beiden Pylonen auf 63 Metern Höhe über die Ostpassage der Naragansett Bay
Bedeutet das nun etwas Gutes oder Schlechtes: Right Lane Closed Ahead!


Die oben angekündigte Baustelle auf der rechten Spur hat zur Folge, dass wir nicht ganz so weit am Rand der Brücke fahren müssen:

Vero lebt noch. Herzlichen Glückwunsch! Vor einem Jahr hätten wir noch 100 km Umweg in Kauf nehmen müssen…

Spät nachmittags kommen wir auf Fishermen’s Memorial State Park, Narragansett, RI an.

Das Angebot an verschieden schönen Plätzen im Park ist riesig. Wir fahren rund, suchen uns die Nummer 56, einen schön ruhig gelegenen und einigermaßen waagerechten drive through Platz aus, melden im Office die Nummer und bezahlen mehr als wir vorher errechnet hatten.
Der höhere Preis wird klar, weil es allen Komfort mit Wasser, Elektrizität und Abwasserschacht direkt am Wohnmobil gibt: Wir haben es verdient – Bequemlichkeit nach Fahrstress siegt!

Freitag/Samstag, 4./5. Oktober 2019     Hammonasset Beach State Park, RI

Wie gut, dass wir reserviert haben… Auf diesen bevorzugten Plätzen der an der Küste gelegenen State Parks, vor allem dann, wenn sie auch noch einen direkten Zugang zum Strand des Atlantik bieten, ist schnell alles ausgebucht.
So wird die #15 unsere großzügige Heimstatt für zwei Nächte.

Wir begeben uns auf einen Erkundungsspaziergang!

Der Atlantik auf der anderen Seite… Wir sind von diesem Strand, seinen Ausmaßen, dem „Knirschesand“ zwischen unseren Zehen, von der Ruhe, seinem und des Wassers Gerüchen mal wieder hin und weg…

So kommen Mythen zustande: Es sieht aus wie ein UFO. Ist aber nur die östliche Spitze von Long Island.

Hi guys, nice Sunday to y’all!

vom Pine Tree- über Granite- zum Bay State…

„Live free or die“       Ein auf den ersten Blick uns irritierendes Staatsmotto…

Vero’s Blick auf die Internetseite von wikipedia.de macht klar, dass es (auszugsweises Zitat) „(…)das wohl bekannteste Motto eines US-Bundesstaates“ (ist) „zum einen wegen der historischen Verwurzelung der Idee der Freiheit und Unabhängigkeit in den Vereinigten Staaten, zum anderen wegen der deutlichen Wortwahl im Vergleich zu den sonst eher gemäßigten Mottos der Bundesstaaten.“
In diesem Kontext können wir das jetzt schon eher nachvollziehen.Weiterlesen »

Big Sky Montana – get lost?

Montana wäre wirklich bald verloren gegangen – zwar nicht wir in, sondern unser Blogbeitrag über den östlichen Teil dieses so einzigartigen Staates:
Wir haben ihn schlichtweg in unseren Vorbereitungen auf unsere gerade begonnene neue Reise vergessen und versehentlich den eigentlich übernächsten Beitrag letzte Woche veröffentlicht!

Hinter den Bergen…    vom 2. bis zum 4. Juli 2018

Am East Glacier Park Village, Montana geht es weiter grobe Richtung Westen. Konsequent durch „Indianerland“ und das auf ein und demselben Highway (Nummer 2).

Wir beschreiben hier eine für uns in nur drei Tagen unglaubliche Distanz von 750 Kilometern durch riesige unübersehbare Getreideflächen, Gras- bzw. Weideland,
…eben alles hinter den Bergen und fast alles (scheinbar) ohne Menschen.

So wenig wir über die „Menschen in dieser Weite“ sagen können, so beeindruckend und nahe kommen uns jedoch der Himmel, der Erdschatten der Wolken, der sich biegende Horizont, die Eisenbahn,

…und die schier endlose Straße. Sie ist unser Hoffnungsträger, der verspricht, dass wir am Ende unser nächstes Ziel erreichen werden: North Dakota, ND

Die mächtige Eisenbahnbrücke über den Cut Bank Creek nördlich von uns könnte auch die „Brücke am Kwai“ sein und macht an dieser unwirklichen Stelle natürlich nur deshalb Sinn, weil sie es ermöglicht, die Güterzüge mit ihren Rohstoffen und Waren von Küste zu Küste, von Ost nach West und umgekehrt über diesen kleinen Bach zu bringen. Für uns ist sie eine willkommene Abwechslung parallel zum Hwy, bevor wir wieder in die Einsamkeit der riesigen Flächen eintauchen.

Fast völlig verlassen erscheinende Straßendörfer werden alle 50 bis 100 Kilometer ebenfalls zum Intermezzo der Abgeschiedenheit und zeigen uns, dass es doch immer wieder einige Menschen gibt.

Alle diese Orte sind gleichermaßen dadurch zu identifizieren, dass es an der jeweiligen Main St einigermaßen heruntergekommene Motels, Tankstellen, Shops und Restaurants zu sehen gibt.
Sie warten offensichtlich (vergeblich?) auf mehr oder weniger durchrauschende Gäste.

Aus diesen Bildern ergeben sich in einem solchen Moment des Hineinfahrens gedanklich unsere Fragen zur Lebensphilosophie der hier ansässigen (oder vielleicht eher unterschwellig) ausharrenden Menschen.
Hier unsere Interpretation der „ewigen Träumer“:

Es sind hier bestimmt viele Menschen zu finden, für die sich schon mehrfach im Leben ihr ganz persönlicher amerikanische Traum zwar noch nicht erfüllt hat, sie aber immer noch unablässig und intensiv an ihn glauben, ihn niemals abschreiben werden...

Anders unsere Idee für hiesige Landbesitzer und Farmer:

Sie sind u.E. die eigentlichen Gewinner auf ihren gewaltigen Flächen traumhaft fruchtbaren Bodens, wenn er denn mit genügend Wasser künstlich getränkt wird.
Und das wird er!
Und nicht nur mit Wasser, auch mit Subventionen der Bundesregierung aus WA/DC!

02. Juli 2018    Lake Sheloole Campground Shelby, Montana

Was an dieser Stelle wie eine sinnlose Aufzählung von Namen erscheint, ist nichts anderes als die Reihenfolge der Menschenansammlungen oder auch Ortschaften genannt auf unserer Route auf dem Hwy 2 durch Montana von West nach Ost:

Blackfoot,
Cut Bank,
Ethridge,
Shelby,
Dunkirk,
(ob hier wohl als erstes ehemalige Belgier ankamen?)
Devon,
(Engländer?)
Chester,
(Engländer?)
Joplin,
(Janis?)
Inverness,
(Schotten?)
Hingham,
Kremlin,
Beaver Creek,

Diese Flaggenparade macht uns darauf aufmerksam, dass wir die ganze Zeit nur ca. 60 km südlich der kanadischen Grenze entlang fahren.

03. Juli  2018    Evergreen Campground, Harvre Montana

Havre, (Franzosen?)
Lohman,
(Familie Lohmann aus Deutschland?)
Chinnok,
North Fork
Zurich,
(Schweizer?)
Harlem,
(Afro-Amerikaner?)
Fort Belknap Agency,
Dodson,
Wagner,
(Familie Wagner aus Deutschland?)
Malta, (Malteser?)
Sleeping Buffalo,
Saco,
Hinsdale,
Vandalia,
Glasgow
(Schotten?)

04. Juli      Trails West Campground Glasgow, Montana

Einerseits „Gottseidank“ und andererseits „wie schade“ verlassen wir jetzt den Hwy 2, biegen ab nach Südosten auf den Hwy 13 über
Circle, weiter auf den Hwy 200 S
nach
Lindsay und als letztes in der Reihenfolge
Glandive

Die schmale Staudammstraße des Fort Peck Lake and Dam hat auch schon einige Jahre auf dem Buckel:
Die Stromversorgung der Bevölkerung übernehmen die Turbinen des Wasserkraftwerkes seit 1939!

Wir haben nur noch wenige Kilometer, werden bald North Dakota erreicht haben.

Unseren letzten Satz bekommen wir heute als Werbespruch von der großen Tafel neben der Straße geliefert:

Unsere Zeit fliegt…

06. Juli – 13. Juli 2018

…auch wenn es sich in dieser Zeitzone der Mountain Standard Time, (MST -8 Stunden) noch nicht so anfühlt.

Schließlich werden wir erst dann in der Nähe unseres Abflugsortes Halifax sein, wenn wir die CST (Coastal Standard Time -5 Stunden) erreicht haben.
Dazwischen liegen noch jede Menge Kilometer..

Wir sind jetzt schon gefordert, weil unsere Reise durch Nordamerika nämlich nicht nur eine genaue Restplanung auf diesem Kontinent verlangt, sondern auch die Organisation unserer Rückkehr nach Europa, Deutschland, zu unseren Kindern und Freund*innen und Spanien im kommenden Winter.

Die hiesigen für uns zwar ungewohnten, aber im Grunde genommen keine Zeit in Anspruch nehmenden, weil ewig dieselben Landschaftsverhältnisse, geben uns auch eine gute Gelegenheit, alle uns zur Verfügung stehenden Informationsquellen zu nutzen, um die Rückverschiffung unseres Wohnmobils von Halifax nach Hamburg sicher zu stellen, zu reservieren., den Rückflug mit CONDOR von Halifax nach Frankfurt/M möglichst günstig zu buchen, die Hotelzimmer in Halifax und Frankfurt klar zu machen und nicht zuletzt Campingplätze in New Brunswick, CAN (als letztes „Urlaubsdomizil“ in Kanada) und in Oliva, Spanien für die Zeit des Winters 2018/2019 sicher zu stellen.

Mit all diesen Dingen im Kopf, erreichen wir am

5. Juli 2018     Theodore Roosevelt National Park, North Dakota ND

Wir nehmen den Red Trail Campground, Medora ND für zwei Übernachtungen in Anspruch, weil wir uns für den Nationalpark einen ganzen Tag dazwischen Zeit nehmen wollen.
Dieser typische Durchfahrtsplatz verdient allerdings keine weitere Erwähnung und schon gar kein Foto, weil er nur als Schlafplatz akzeptabel ist, nicht aber als attraktiver Aufenthaltsort.

Hier wollen wir auf jeden Fall hin! Dieser Park ist einerseits die unübersehbare bergige, jede Menge Erdschichten zeigende Fortsetzung der Badlands in South Dakota und andererseits eine satt-grüne prärieähnliche Hügellandschaft als natürliche Heimat vieler unterschiedlicher Tiere.

Wo steckt der Bison? Es riecht schon sehr nach ihm…

Zu guter Letzt sehen wir ihn doch noch, obwohl wir ihn schon abgeschrieben hatten.
Leider sind wir uns nicht sicher, ob dieser „Einzelgänger“ oder besser „-lieger“ noch wirklich gesund ist. Er macht auf uns einen sehr strapazierten und müden, kaum bewegungsfähigen Eindruck.

und müssen uns doch von ihm trennen ohne es genauer herausfinden zu können.

07. – 08. Juli 2019

Am nächsten Morgen sind wir wieder unterwegs…

KOA Campground Bismarck, ND

Es hört sich für uns eher komisch an, hier mitten in North Dakota eine Stadt namens Bismarck zu finden. Zumal es sich dabei auch noch um die Hauptstadt des Staates handelt.

Der Campingplatz gehört zur KOA Gruppe, eines Franchise Unternehmens mit fast 500 Plätzen über Canada und USA verteilt. Wir treffen auf freundliche Menschen in der Rezeption, die uns auf Nachfrage einen Platz direkt am herrlich Pool anbieten. Bei diesen Temperaturen die beste Idee, die wir haben konnten.

Prairie Hills Mall, Dickinson, ND

Der Boot Barn Store in der Mall ist unumgänglich. Denn ich habe mir in den Kopf gesetzt, ein paar Cowboystiefel zu kaufen. Bei dieser Riesenauswahl von Cowboystiefeln komme ich nicht daran vorbei.  Yippee!
Auch wenn mir die Vorstellung, dass ich sie in Deutschland tragen werde, eher komisch erscheint.
Jedenfalls müssen sie jetzt sein! Aber was ist ein Paar Stiefel ohne eine dazu passende Jeans? Nix!

Stolz wie „Billy the kid“ verlasse ich den Laden „mit den schönsten Stiefeln der Welt“.

09. Juli 2018      Red Valley Fairground, West Fargo, ND

Dieses North Dakota zieht sich erheblich in die Länge…
Genaugenommen zieht es sich von West nach Ost von -7 Std, über -6 Std bis -5 Std. UTC (Universal Time Coordinated)

Wir finden keine weiteren Außergewöhnlichkeiten, für die wir uns entschließen unsere Fahrt zu unterbrechen.

Immer wieder einmal werden in ländlich gelegenen Städten, wie hier in West Fargo ND, die Kirmesplätze als Übernachtungsmöglichkeit für Wohnmobile angeboten. Keine schlechte Möglichkeit, vor allem wenn gerade kein Volksfest stattfindet, wir keine Lust darauf haben, heute noch weiterzufahren und gleichzeitig auch noch, für uns komfortabel, WiFi angeboten wird. So ist die Tagesschau für heute Abend gesichert. Die Zeitverschiebung und Mediathekview sichern uns die Möglichkeit, Abendessen und Nachrichten miteinander zu verbinden.

10. Juli 2018     Innsbrook Motel & RV Park Randall, MN

Auch hier würden wir nicht unbedingt ein zweites Mal übernachten, weil wir inzwischen wirklich in jeder Hinsicht das Gefühl haben in der Provinz angekommen zu sein. (Wir haben nichts, aber auch gar nichts besonderes entdecken können)

Da ist schon ein sehr schöner Quiltshop in einer ehemaligen Wollmühle etwas Aufsehen erregendes. Und wir in ihm auch…

11. – 12. Juli 2018        Pokegama Lake RV, Pine City, MN

Inzwischen haben wir Minnesota MN erreicht –  das Land der 10.000 Seen…

Endlich mal wieder ein Campground, auf dem wir uns vorstellen können, ein paar Tage zu bleiben. Das Angebot eines Pools ist dabei wie immer wieder ein ausschlaggebendes Argument. Unsere direkten Nachbarn haben sich auf einen Kurzurlaub über ein verlängertes Wochenende eingerichtet und dafür neben ihrem Motorhome auch ihr Golfcart und ihr Motorrad „eingepackt“.

Es hat mehrere Stunden am Stück geregnet, wie vorhergesagt:

Der Regen stört uns nicht an sich, sondern nur weil er uns die Möglichkeit nimmt draußen zu sitzen. Denn der Boden ist so flächig aufgeweicht, dass die Pfützen größer sind als der trockene Boden ringsherum. Wie gut, dass der Pool beheizt ist…

Bei diesem Schietwetter haben wir uns entschlossen, doch schon nach 2 Tagen weiter zu fahren. Es sieht nicht danach aus, dass das Wetter hier schöner werden würde. Dann ist es auf der Straße Richtung Osten mit der Chance auf Wetterbesserung angenehmer als im nicht enden wollenden Regen auf 8 m² zu verharren. So erreichen wir guter Laune Wisconsin, WI

13. Juli 2018       Buck’n Beam’s Campground’n Bar, Cameron, WI

14. Juli 2018      West Bay RV Park, Rhinelander WI

Die Sonne! Die ersten Strahlen belohnen uns für die letzten 200 km. Wir stehen auf einer kleinen Lichtung mitten im Wald und haben es nur 50 m zum Pool…
Die letzten Regentropfen während des Kochens nötigen mir kurz einen Regenschirm über dem Topf auf dem Herd ab.

15. Juli 2018       Maple Heights Campground, Lakewood, WI

16. Juli 2018     Scenic River Stop’n Docks RV Park & Marina, Two Rivers, WI

Für Morgen haben wir eine besondere Form des Weiterkommens beschlossen und haben uns deshalb diesen RV Park für heute Nacht ausgesucht. Er liegt direkt am Ufer des West Twin River, bietet auch Übernachtungsplätze für Bootfahrer an und liegt nur knapp 2 Kilometer vom Lake Michigan entfernt!

Den Abend beschließen wir verdientermaßen mit einem herrlichen, vom Nordlicht geprägten Sonnenuntergang

Have a good night folks…

Flachfahren ist jetzt angesagt…

Montag, 18. Juni 2018

Heute morgen nehmen wir bei herrlichem Sonnenschein Abschied von Hidden Village RV Park.
Man muss sich das mal vorstellen: Der Campingplatz mit dem hier üblichen Wunsch nach besonderer Namensgebung, in diesem Fall, Campingplatz „Verstecktes Dorf“, entlässt uns schweren Herzens aus seiner Heimlichkeit der besonders beschaulichen Lage. Bevor Mißverständnisse auftauchen, also wir haben schwere Herzen nicht der Campingplatz… Ab jetzt geht es langsam aber sicher immer weiter Richtung Osten…Weiterlesen »