Ein Tag Canadian History…

Mittwoch, 6. Juni 2018     Victoria, Vancouver Island, BC, Canada

Die ersten beiden Fotos entstehen, während wir diese bezaubernde Stadt verlassen.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden wir uns nach faszinierenden Tagen.
Dass wir hier kein whalewatching Angebot wahrgenommen haben ist weniger gravierend als dass diese Aussicht auf das House of Parliament of British Columbia für uns wohl einmalig bleiben wird oder?

Der alternativlose Trans-Canada Hwy #1 bietet uns schon nach einer halben Stunde auf dem Weg Richtung Nord-West auf Victoria Island ein ungeahntes Panorama.
Wir wollen mehr von dieser Insel sehen und nutzen dafür schon nach kurzer Zeit wie viele andere Touristen den Split Rock Lookout, einen geräumigen Parkplatz mit faszinierender Aussicht:
Diese changierenden Blautöne erstrecken sich über den Himmel, die bewaldeten Bergen und das Wasser des Pazific Ocean… nur die schwarzgrün gefärbten Baumkronen im Vordergrund müssen sich wohl unterscheiden.

Meine bestens vorbereitete „Reiseleitung“ lässt mich schon nach einer weiteren halben Stunde vom Hwy 1 nach links abbiegen.

The City of Duncan, was soll es hier schon besonderes geben, begrüßt uns mit einer beeindruckenden Sammlung riesiger indianischer Totems.
Vero nimmt mich mit auf einen professionell beschriebenen Rundgang quer durch die Stadt:
Noch nirgendwo auf dem Kontinent ist uns der bewusste Umgang mit den Ahnen der eigentlichen Bewohner*innen Amerikas so präsentiert worden. Wir stehen ehrfürchtig vor den mächtigen Symbolen der Ureinwohner.

Je mehr wir uns diesen martialischen, zähnefletschenden Gesichtern mit ihren raumnehmenden Flügeln nähern, umso deutlicher spüren wir ihre negative Geister abwehrende, aber auch gleichzeitig dadurch die Menschen beschützende Funktion. Zumindest kommt es uns so vor…

Ein schätzungsweise um die 50 Jahre alter Mann im Rollstuhl, schnieker Anzug, weißes Hemd mit eleganter Krawatte, kommt uns gemächlich entgegen gerollt, raucht sichtlich genüsslich seine Zigarette und beobachtet uns…

Er interessiert sich offensichtlich für uns und unsere Aufmerksamkeit, mit der wir die monumentalen Wahrzeichen der First Nations zu verstehen versuchen. Sehr freundlich lässt er uns unter anderem wissen, dass alle diese riesigen Totempfähle in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts von Simon Charlie oder Hwunumetse‘, wie er als Angehöriger des Cowichan Tribes hieß, hergestellt wurden.
Im Übrigen gebe es im Foyer des Rathauses auf der anderen Straßenseite auch noch alle Totems in einer Ausstellung „en miniature“. Ein Besuch lohne sich unbedingt.

Wir bekommen durch unsere Exkursion nicht nur ausführliche Einblicke in die ursprüngliche Geschichte dieser Region und ihrer letztlich unterdrückten und vertriebenen Ureinwohner*innen, sondern auch, dass wir soeben auf der Strasse eine sehr angenehme und überaus interessante Begegnung mit dem Bürgermeister von Duncan, Mayor Phil Kent, gehabt haben.

Leider habe ich es versäumt zu fragen, ob ich ihn fotografieren dürfe.

Die vielfältige Vergangenheit der Menschen in dieser Stadt lässt uns immer noch nicht los:
Konfuzius’s Statue, ein Geschenk der vormals in Duncan lebenden chinesischen Familien, zeigt uns ein weiteres bewahrendes Symbol für die Verbundenheit seiner aus der Ferne Asiens eingewanderter Menschen mit ihrem neuen Zuhause und gleichzeitig den respektvollen Umgang der nachfolgenden Generationen mit ihren Vor-Müttern und -Vätern.

Die ausgeprägte Gedenkkultur in Duncan findet für uns an diesem Tag ihren Abschluss, als wir eine kleine Gruppe uniformierter kanadischer Veteranen bei einer Feier zu Ehren der hiesigen ums Leben gekommenen Soldaten während der Landung der Alliierten in der französischen Normandie am „D-day“ dem 6. Juni 1944 nachdenklich betrachten.

Wir sind nicht so weit von Europa entfernt, wie es uns kilometermäßig scheint.

immer noch Mittwoch, 06. Juni 2018    Chemainus, Vancouver Island, BC, Canada

Nach weiteren nur 20 Kilometern biegen wir mal wieder vom Hwy 1, dieses Mal nach rechts ab und kommen in dieses kleine Nest wegen seiner besonderen Hauswandmalereien. Man kann diese Gemälde wahlweise kitschig oder informativ nennen, uns gefallen sie durchaus.
Wenn wir sie nur intensiv genug betrachten, fällt uns vor allem auf, welche anstrengenden Lebensumstände die Menschen noch vor 100 Jahren jeden Tag bewältigen mussten.

Die Eiscreme in diesem „Stübchen“ wird mir unvergessen bleiben:
Maplewalnut and Salty Caramel… (aus eigener Herstellung) geht vielleicht an die Geschmacksnerven!

Und dieses Portrait im Visitorcenter von Chemainus ist auch nicht „ohne“, denn ihm geht eine informative Beratung der gesamten Belegschaft über die „flachste Möglichkeit, die Rocky Mountains Richtung Osten zu überqueren“, voraus. Dass daraus dann diese freudige Gemeinsamkeit entsteht, ist für uns eher ungewöhnlich…

Zurück in die Natur. Wir haben eigentlich nicht damit gerechnet, solche zu Flößen zusammengebundenen Stämme noch heutzutage sehen zu können.
Die Flößer als Künstler, die über das Wasser reißender Flüsse tänzeln, sind mir eher aus älteren Filmen und Büchern meiner Jugend über kanadische Holzarbeiter und ihre gefährliche Arbeit bekannt.
Aber vielleicht tänzeln sie heute ja auch gar nicht mehr, sondern überlassen den Job pferdestarken Schleppern, die diese riesigen Baumstamm-Inseln locker hinter sich herziehen.

immer noch Mittwoch, 6. Juni 2018    Living Forest Oceanside EV Park, Nanaimo, Vancouver Island, BC

Irgendwo müssen wir heute Abend bleiben. Es wird nach weiteren 32 Kilometern mal wieder ein beschaulicher, übergrüner, waldiger Platz, der uns Geborgenheit in dunkelster Nacht bietet.

07. – 09. Juni       Qualicum Bay Resort

Die südliche Küste von Victoria Island, eigentlich wollen wir noch die restlichen 200 Kilometer quer über die Insel nach Ucluelet und Tofino bei Sonnenschein kennen lernen, mißachtet unseren Wunsch und hüllt sich schon heute in Dauerregen.  Dazu kommt eine schlechte Wetterprognose für die nächsten Tage.

Wir verschreiben uns deshalb nach dieser eintägigen „Geschichtsstunde“, eine mehrtägige Ruhephase und finden sie gut gelaunt auf diesem Übernachtungsplatz frei von Hektik und Aufregung.

Außer eines kleinen Ausfluges in die Bucht von Qualicum genehmigen wir uns Ruhe mit Schreiben und Lesen. Die währenddessen entstandenen Bilder werden uns auch später noch zeigen, welche beeindruckenden Szenen sich uns ohne besondere Anstrengung und Aufregung hier bieten.

Müßiggang eines Reisenden:

Schluss jetzt mit dem Himmelsgedudel…
Gibt ja schließlich auch noch was anderes zu tun:

…the evening cooking session:
Spaghetti bolognese with green pepper, garlic and onions and a little bit of french spicy pizza oil

 

Kleine Shoppingrunde

Freitag, 01. Juni 2018      Port Townsend, WA

Eigentliche Ursache für unseren Aufenthalt ist, beim hiesigen United States Postal Service eine Postkarte nach Deutschland abzugeben.

Wir sind dann allerdings überrscht über den völlig unvermutet vor uns liegenden Anblick eines alten, „europäisch“ anmutenden historic district einer Kleinstadt am Pazifik mit vielen „zu“ prächtigen, mondänen, lange leer gestandenen Häusern, an denen die Zeit von mehr als hundert Jahren spurlos vorüber gegangen zu sein scheint.Weiterlesen »

Mileage of 26

Samstag, 12. Mai 2018

„What’s your mileage?“ – ist eine der meist gestellten Fragen, die uns von interessierten Gesprächspartnern (nur Männern) unterwegs gestellt wird.
Wenn wir dann antworten „26“, was bedeutet, wir schaffen mit einem Verbrauch von 1 Gallon Diesel 26 Meilen, ist der ungläubige Blick meist inklusive und die Antwort häufig: „Awesome! – Mine is 10“ (Was nichts anderes bedeutet, als dass sie 2,6 mal so viel Sprit verbrauchen, sprich auf 100 km 23,4 Liter!)

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Von Pool zu Pool…

Nach solch denkwürdigen Tagen am Grand Canyon sind wir erst einmal „platt im Kopf“, denn wir haben auf der Straße während der Fahrt keine Möglichkeit, das außerordentliche Landschaftserlebnis „sacken zu lassen“.

Dazu kommt noch, dass wir mitten drin sind in der Schleife, sprich auf der berühmten Ferienroute der Urlauber, die „aus aller Herren Ländern“ kommend, die Sehenswürdigkeiten des Südwestens der USA innerhalb von vier bis sechs Wochen durchrauschen. Wahlweise in Los Angeles oder Las Vegas beginnend oder endend, aber auf jeden Fall die berühmten Canyons, Valleys und Nationalparks in Kalifornien, Arizona, Nevada, Utah mitnehmend.Weiterlesen »