Baby, It’s Cold Outside…

03. Januar 2018

Es fällt zwar heute hier kein Schnee, aber wärmer als in Deutschland ist es in Homosassa, Florida auch nicht.
Tagsüber höchstens 8°C und nachts -1°C.

Zum ersten Mal seit 1989 hat es im Norden Floridas wieder Schnee gegeben …

Die Tage davor:
08. Dezember 2017 – 01. Januar 2018

Leisure Days RV Resort Zephyrhills FL,
Southern Charm RV Resort Zephyrhills FL und
Homosassa River RV Resort, Homosassa FL

Wir wollen eigentlich über den Nordwesten von Florida, Weihnachten im Henderson Beach State Park im Penhandle verbringen, weiter Richtung Westen, Alabama, Mississippi, Louisiana, Texas usw.

Auf dem Weg dorthin wird es jedoch mitten in Florida unerwartet kälter, so dass wir unsere Pläne Richtung Norden schon vor Weihnachten auf abwarten, noch einmal auf abwarten und dann auf „ändern“ stellen.
Als erstes streichen wir unsere Reservierung für Weihnachten im Henderson Beach State Park, schade!

Es wird immer klarer:
Auch die bisher langfristige Wettervorhersage bestätigt sich. Es ist nicht nur in den nördlichen und östlichen Staaten der USA kalt, sondern es erwischt uns unerwarteterweise selbst hier in Florida.

Da hilft auch der, wie wir finden witzige, dem Papst und seiner katholischen Machtzentrale, dem Vatikan, nahestehende Journalist Herr Englisch, der mit seiner „maschinengewehrschnellen“ Sprache uns in der Talkshow von Markus Lanz unterhält, nicht wirklich wärmend weiter…

Das bedeutet, nicht ganz einfach, alles über den Haufen zu werfen: Abwettern in Zephyrhills!

Nach drei Tagen Leisure Days RV Resort mit ziemlich lautstarkem Hwy im Rücken, allerdings mit $ 18 pro Nacht auch nicht teuer, suchen wir aus der unüberschaubaren Fülle von Resorts in Zephyrhills den Southern Charm RV Resort aus und bleiben ganz im Sinne des oben angedeuteten „Abwartens“ erst mal eine Woche, dann im Rahmen einer erweiterten Abwartehaltung noch einmal eine Woche und dann rekordverdächtig, noch einmal eine dritte Woche auf diesem Platz.
Es sind ausgesprochen nette Leute hier.
Dass Vero dabei in drei Verhandlungsrunden mit dem Office einen insgesamt unschlagbaren Tagessatz erreichen kann, tut unserem Budget richtig gut…

Wir nisten uns während dieser Zeit ähnlich wie die „richtigen“ Snowbirds auf verschiedenen Ebenen des täglichen Lebens ein.
Hier einige Beispiele des Versuches, es uns auch ohne Reisen gut gehen zu lassen. Um es vorweg zu sagen, es sind Versuche geblieben, weil wir spüren wie unruhig und wenig geduldig wir im Grunde genommen darauf warten weiter fahren zu können.

Essen:
Green Collard mit Brat-Süßkartoffeln und Chickensausage schmecken zwar, ersetzen aber nicht wirklich Grünkohl mit Kohlwurst.

Reiner’s Freizeit:
Vero „darf“ jeden Morgen schon um 7:30 am den ersten Kaffee trinken, weil ich die Kaffeemaschine, bis auf sonntags, jeden Morgen um 7:15 anschmeiße. Der Hintergrund ist mein täglicher Shuffleboardtermin kurz nach 8 am. Aber ich hab’s auch nicht einfach:
Manchmal ist es bei kurz zuvor aufgegangener Sonne noch sehr kühl und der über Nacht eisig gewordene Stick lässt die Hände echt frieren.

Meine Spiellust steigert sich trotzdem von Woche zu Woche. Ich komme sogar in den Genuss eines Shuffleboardtuniers gegen den Nachbarpark und spiele gemeinsam mit Al richtig gut.

Vero’s Freizeit ist oft das Quilten (und ganz manchmal auch meine):
Die Quiltgruppe im Clubhaus will gerne immer wieder sehen, was Vero während unserer Reise alles so per Hand geschnitten, genäht, gequiltet zustande gebracht hat. Sie können es als geübte Maschinenquilterinnen kaum glauben!

Es ist interessant, für uns verblüffend, welche Rolle bei diesen Begegnungen unsere deutsche Herkunft auf einmal spielt. Mehrere Frauen erzählen uns von einer deutschen Ur-Urgroßmutter, einem noch in Deutschland geborenen, aber dann als Kind nach Amerika ausgewandertem Großvater oder von aktuell noch in Deutschland lebenden Geschwistern, die sie schon seit mehr als 40 Jahren nicht mehr gesehen haben.
Es schwingt dann so etwas wie Stolz mit, diese Relatives zu präsentieren. Ihre Herkunftsgeschichten bringen vielleicht gefühlsmäßig so etwas wie „wir kennen uns“ zustande.

Jedenfalls ist es für uns eine Freude in dieser gemeinsam verbrachten Zeit unterschiedlichste Anregungen und Tips zu erhalten oder geben zu können.
Besonders dann, wenn ein Quilt noch nicht zusammengenäht ist, sondern durch gemeinsames Zusammenlegen entsteht.

Es tut uns einerseits gut, uns von der Ruhe der hier für mehrere Monate (sozusagen sesshaft) lebenden Menschen anstecken zu lassen.
Andererseits fragt uns unser Reise- oder Nomaden-gen aber immer wieder mal, ob wir denn unsere Zeit in Nordamerika – so weit weg von Zuhause – oh! Abenteueranspruch – wir müssen doch noch so viel Neues sehen!- ob wir hier denn einfach so vor uns hin leben dürfen?

Vero und ich freuen uns darüber, dass wir über diese Ambivalenz gut miteinander reden können und kommen immer dann, wenn wir mal wieder unsicher darüber sind, ob wir denn einfach so durch die USA daddeln dürfen zu dem Schluss, dass wir ohne diese Alltäglichkeiten zwar Reisen würden, aber viel weniger LEBEN. Es bleibt eine gewisse Spannung in uns, dessen sind wir uns bewusst.

How’re you doin today? Fine – and you? – Not so bad…

Wir sind darauf eingestellt, dass kein Nachbar ohne diese Begrüßung an uns vorbeigeht – und wir an ihnen inzwischen auch nicht.

Unaufhaltsam und heftig geht es jetzt auf „Stille Nacht – heilige Nacht“ zu… Aber nicht umsonst in Anführungsstrichen:

Die für unseren Geschmack kitschigen, bestimmt aber auch in vielen Stunden liebevoll erarbeiteten, von Lasern gesteuerten Lichtspiele, sehr gewöhnungsbedürftige meistens elektrisch betriebenen Dekorationen, pompöse Hausverkleidungsimpressionen nehmen wettbewerbsmäßig zu.

Fast karnevalistische Begegnungen mit „Kamelle-werfenden“ Familien aus dem HoHoHo-wagen heraus, wollen nicht so recht zu den gegenseitigen Merry Christmas-Wünschen passen.

Das alles gehört offenbar zumindest bei der hier vorrangig anzutreffenden älteren Generation zur amerikanischen Weihnachtskultur. Dazu kommen die Besuche der erwachsenen Kinder und Enkelkinder, die die Season dazu benutzen ihre Eltern, Schwiegereltern oder Großeltern zu besuchen.

Wir bevorzugen das abendliche Treffen am Lagerfeuer,  das eher was mit gemütlichem Beisammensein als mit Weihnachten zu tun hat. Tim hat schon alles vorbereitet…

Christmas-Eve, December 24th 2017

Es hat schon was von Straßenfest, wenn alle leeren Wasserflaschen aufgeschnitten werden, mit Kerzen gefüllt werden und die abendliche Beleuchtung hergeben.

Ach ja, da war ja noch was…

December 26th 2017

Für uns ist es sehr angenehm, dass es jetzt nach Weihnachten wieder ruhiger geworden ist!

…und es soll noch kälter werden!

Also machen wir’s uns weiterhin gemütlich im 40-45ºC heißen HotTube und anschließend im 25-28ºC warmen Swimmingpool.

Bis die Bauarbeiter mich und alle anderen Männer in der Nachbarschaft am nächsten Morgen wieder zu Jungs werden lassen:
In einem sagenhaften Akkordtempo wird aus der Wiese eine Betonfläche, die einem Motorhome für die nächsten zwei Jahre einen sicheren Stand ermöglichen soll.

Unser Nachbar Sandy empfiehlt uns ein Frühstückscafe, (so sprechen die hier) „Best Lil‘ Café „n“ The Hills“…

Wir brauchen dringend: „Three eggs, bacon, hashbrowns, toast and coffeeee!“: „How do you like your eggs?“ – „over medium!“ –  „me too“ – „What kind of toast?“ – „white“ – „and for me wheat!“

Und zu guter Letzt: Noch schnell in der Sonne trocken, bevor die Kälte wieder kommt…

Sonntag, 1. Januar 2018 – New Years Day

Die Wettermeldungen verkünden in den frühen Morgenstunden glatte Straßen und Minustemperaturen –
Wir fahren heute trotzdem weiter, sind nur gute 100 Kilometer bis zum Homosassa River RV Park – und es ist schon nach 11:00 als wir weg kommen.

Und weil es im Norden noch kälter wird, so die Wettervorhersage – wie gesagt, wir lieben unsere Heizung… haben wir uns für 6 Nächte (mit 50% Discount über Passport America) hier eingebucht.

Baby, It’s Still Cold Outside!