Manche mögen’s heiß…

wie gut, dass es noch nicht später im Jahr ist, denn dann wird es hier unerträglich, ohne Klimaanlage unaushaltbar!

Aber auch so ist es nicht ganz einfach, nach 2400 Kilometern, fast fünf Wochen später, mit 23ºC und aus Oregon heraus, die Geschichte unserer Reise zwischen dem

08. – 13. April 2018       im Catalina State Park bei Oro Valley und Lost Dutchman State Park, Apache Junction AZ
noch einmal zu erleben.

Aber wir wollen uns ja erinnern!

Aus Tucson „herausgewachsen“ treibt es uns Richtung Norden.
Schon nach einer Stunde erreichen wir die umwerfend offene Landschaft des Oro Valleys, die nur im Osten von verschiedenen Gipfeln und steil abfallenden Wänden einer beeindruckenden Bergkette begrenzt wird.

Wenn wir jetzt in Europa wären, dann würden wir sicher sagen: „Wie schön blüht hier der Ginster!“
So wissen wir nur, dass dieser Riesen-Walmart-Parkplatz den Titel „Park“ eigentlich im Zusammenhang mit diesen herrlich blühenden Bäumen mit frischestem Grün verdient hat und wir uns jetzt endlich mal darum kümmern müssen herauszufinden, wie diese „gute Laune“ Bäume und Sträucher wirklich heißen…

Das Internet gibt uns die Erklärung:
Der Palo Verde Baum ist ein klassisches hiesiges Gewächs, beheimatet in der südwestlichen Wüstenlandschaft Arizonas, des südöstlichen Kaliforniens und in Teilen der Sonorawüste New Mexicos
Er blüht so ausschweifend zu Beginn des hiesigen Frühlings, dass wir ihn konkurrenzlos einen Monat lang in dieser vor Hitze schon jetzt unbeweglichen Luft immer wieder begeistert bewundern.

Wie fast immer und überall, fühlen wir uns auch hier als Campinggäste des Catalina State Parks sehr willkommen.
Genießen das Gefühl „Zeit ohne Ende“, welch ein Luxus…
Auto sauber machen, Bouletraining, Quilt nähen, Fotografieren, Essen zubereiten, Einkaufen, Faulenzen, Lesen, mit den Lieben telefonieren und Facetimen… nicht zu vergessen, die schattenspendende Markise ausfahren und abends wieder rein zu drehen, Grau- und Schwarzwasser in der Dumpstation entsorgen, Frischwassser auffüllen und die Stromversorgung herstellen.

Ich will auf keinen Fall den Kolibri verpassen, der sich viel schneller bewegt, als das Objektiv der Kamera dafür die nötige Schärfe gefunden hat.
Das Erdhörnchen ist da mit etwas Geduld schon eher zu überlisten.

Die Abendstunde ist und bleibt unsere „Rauschzeit“… Sie bietet uns, wir sind ja fast immer draußen, ein solch reiches Wohlempfinden, dass sie immer wieder als „das Geschenk“ des Tages gewürdigt werden muss.

Heute morgen machen wir uns mit dem Auto auf den Weg in die Wildnis, in die völlig abgelegene, scheinbar außerhalb der Zivilisation liegende „Welt“ der Biosphere 2, einem vor inzwischen 30 Jahren von einem US-amerikanischen Milliardär finanzierten Biosphären-Projekt.
Als Biosphere 1 galt ihm dabei alles Leben auf der Erde, das sich außerhalb dieser geschlossenen Versuchsananlage befindet.
Wir biegen vom Hwy ab in eine fast zwanzig Kilometer lange einsame, hügelige, kurvige, wüstenhaft erscheinende, äußerlich sehr befremdliche, fast unnahbar wirkende Einöde.
An deren Ende ein fast außerirdischer, futuristischer, architektonisch strukturierter Komplex, er soll wohl Visionäres ausstrahlen.

Wie sich herausstellt: Nicht nur visionäres, sondern auch museales…

Denn so einzigartig außerhalb der „Welt“, wie es sein sollte, ist es keinem der Menschen, die an den diversen Langzeit-Experimenten teilnahmen und autark, sozusagen außerhalb der irdischen Atmosphäre, leben sollten, gelungen. Aber man kann’s ja mal probieren…

Fünf verschiedene Erdatmosphären werden auch heute immer noch simuliert, Wüsten-, Regenwald-, Ozean-, Savannen- und Mangrovensumpfklima… Obwohl die absolute Trennung dieser Klimasphären nie gelang, ist es für uns in den heute noch vorhandenen Trainingssphären spannend zu erfahren, welche Herausforderungen diese Versuche bedeuteten und welche Erkenntnisse trotz aller Schwächen und Fehler gewonnen werden konnten.

Wir wollen zuhause im Garten einmal die sehr erfolgreiche Aufzucht von Nutzpflanzen mittels Fischsubstraten, Bakterien und permanent zirkulierendem Wasser, ohne Erde, ausprobieren…

Mittwoch, 11. April       Hwy 79 grobe Richtung Phoenix AZ

Wenn auf einer Fahrtroute auf einmal eine Correctional Facility auftaucht, dann wissen wir 1., dass es im Umfeld von 100 Meilen bestimmt keine größere Stadt gibt, 2. Schilder immer wieder davor warnen, hitchhiker mitzunehmen und 3. ein großes, in der Einsamkeit gelegenes Gefängnis die meisten Arbeitsplätze in der Umgebung bietet.
So in der Nähe von Florence, AZ...

Ihren Namen verdient sich diese Stadt jedenfalls nicht automatisch, aber ein paar wunderschöne Bougainvillea lassen darauf schließen, dass hier eigentlich viel mehr Blumen blühen könnten…

11. – 14. April  2018

durch die Tomahawk Rd, und durch die im wahrsten Sinne des Wortes Goldfield Ghost Town gelangen wir

nach  Lost Dutchman State Park, Apache Junction AZ

Irgendwie ist es durchaus vorstellbar, dass verschiedene Gestalten aus der Western-Vergangenheit dieses Landstrichs hier gleich um die Ecke kommen…

Apache-Junction ist aber in der Realität

nur eine in die riesige Wüste hineingebaute scheinbar ohne Ende große Ansammlung von Kreuzungen, Ampeln, Hwys, Verkehrsschildern, den dazugehörigen Blocks, also Flächen zwischen den Straßen, darin zu findenden Einkaufszentren, RV-Resorts, Medical-Centers, Abschleppunternehmungen, diversen Autoverkaufsflächen, privaten Grundstücken oder besser Müllhalden und so viel ich weiß, mindestens einem Brillenfachgeschäft, in dem ich mir für $ 56 meine geliebte „Nickelbrille“, die nach einer Ultraschallreinigung kaputt gegangen ist, mittels Laserlötung wieder funktionsfähig machen lasse.

Hier, am Ende der Wüste, kurz vor den „Supersticion(s) Mountains“, früher auf spanisch: Sierra de la Espuma, wohnt wohl der „verlorene Holländer“, benannt nach der bekannten Goldmine, die bis heute nicht wieder gefunden wurde: „The Lost Dutchman“ jedenfalls heißt der State Park (unsere Suche war auch erfolglos) 

Richtig spannend sind immer wieder die Geschichten, wenn unsere großzügige Erwartung „müssen nicht reservieren“ auf einmal durch „sorry, we’re occupied“ eines Besseren belehrt wird. Heute ist es mal wieder so weit, jedenfalls steht nur noch ein „dry space“, also ein Platz ohne Strom und Wasser zur Verfügung. Drei Nächte ohne Landstrom bei unserer Anzahl von „stromfressenden Pflanzen“ im Auto sind einfach zu viel…

Eine Nacht geht: Laternen? Lampen? Licht? Elektrizität? Andere Menschen? Häuser? nichts- Nur wir…
in ungewohnter Dunkelheit, Sterne, Stille, nichts…

Heute wird’s wieder mal so… und das macht mich einfach nur verrückt,, wie wir es nur unter der Voraussetzung erleben können, dass wir tagsüber noch nicht wissen, wohin wir heute abend unsere Köpfe legen werden!

(Ich brauche das nicht jeden Tag)

Bis die Ranger uns telefonisch wieder in den Park zurückholen, als wir schon Richtung „neue Platzsuche“ unterwegs sind.

Sie haben eine grandiose Idee zu unseren Gunsten: Einem von Ihnen ist eingefallen, dass gestern ein Kollege schon vorzeitig abgereist ist und deshalb seine Site, sehr ruhig gelegen, mit allem Komfort, also Strom und Wasser, „nur auf uns wartet“.

Zur Belohnung und vor lauter Glück genehmigen wir uns eine herrliche Wanderung, die gleich um die Ecke herum beginnt. Meine neuen Wanderschuhe, die alten haben sich aufgelöst und liegen in einem Müllcontainer, wollen schließlich eingelaufen sein.

Wir verlassen Lost Dutchman State Park, besuchen noch kurz eine der vielen am Straßenrand liegenden „malerischen“ Sehenswürdigkeiten: Die Gegend und mit ihr viele Menschen leben von den Touristen, die besonders im Frühjahr, wenn es noch nicht ganz so heiß ist, die Filmkulisse mit Kirche, Saloon, Kutsche, lebendem Schmied, Gefängnis vor überfallträchtigem Bergkulissenhintergrund als ihre „Indianer- und Cowboy“-Geschichte des „wilden Westens“ wiedererkennen…

In der Scheune wartet?, seinen Namen habe ich leider schon wieder vergessen, aber er erzählt mir etwas aus seinem Leben, der Veteran aus dem Vietnamkrieg, der mit seiner außergewöhnlichen Mimik und seinem einmaligen Aussehen auf Zaubergeschichten mit Kindern wartet.
Sein bärtiges Markenzeichen steht unrasiert seit 1971, dem Jahr seiner Entlassung aus der Army, mitten in seinem so lebensintensiven Gesicht. Und seine Stimme erst…

…leaving the stories about Visionary, Goldmines, Rattelsnakes, Coyotes, Elvis, Sheriff, Blacksmith and the „Wizard“.

 

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