California – Hwy 395!

Freitag, 11. Mai 2018

So sieht unser WoMo morgens immer aus, kurz bevor wir den Motor starten.
Zur Erinnerung:
Das Temperaturrelais für die Kühlung des Motors misst seit nicht weniger als 9 Monaten was es will, nur nicht was es soll, nämlich wie kalt oder warm er tatsächlich ist bzw. ob die Glühkerzen bei der ersten Zündung des Diesels mithelfen müssen oder nicht.
Ich drehe den Zündschlüssel und zähle, egal ob die Vorglühanzeige an- oder ausgeht, bis 10: Der Motor weiß Bescheid und ist da!!!

An dieser eigenständigen Art der Lösung des Problem kann ich den Unterschied meines Umgangs mit Verunsicherungen früher und heute ganz gut ablesen, die mich nicht eher hätten ruhen lassen, bis der Schaden professionell behoben war.

Vero sowieso und ich inzwischen auch leben sehr gut damit, dass ich jeden Morgen den Stecker des Temperaturfühlers ziehe und sie ihn bevor wir losfahren wieder aufsteckt.

Boulder Creek RV Park and Resort kurz vor Lone Pine CA ist uns eine gute Bleibe gewesen.
Die imposante Sierra Nevada lassen wir westlich liegen, sie wird für die nächsten 200 km unsere unübersehbare Kulisse links von uns sein.

Schneebedeckt, stolz und unbeeindruckt der warmen Sonne trotzend, recken die unzähligen Gipfel ihre Hüte in einen gleichbleibend glitzernd blauen Himmel.

Vero hat eine echte Überraschung für mich oder besser gesagt, sie schockt mich mit Manzanar National Historic Site, von der ich erstens nichts wusste und zweitens mir nicht vorstellen konnte, dass es in den USA so etwas gibt.
Im Nirgendwo des Inyo County deutet ein unbesetzt herumstehender Wachturm auf eine mich an KZ‘s in Deutschland erinnernde Geschichte hin. Wenn da etwas dran sein sollte, wen könnten sie denn hier interniert haben?
Sie führt mich hin, so dass diese Frage nicht unbeantwortet bleibt. Ich folge dem unübersehbaren Hinweisschild, links abbiegend, zu einem extra großen Visitorcenter mit Riesenparkplatz (logisch).

Es wird offenbar:
Hier sind während des 2. Weltkrieges von der US Regierung zwischen 1942 und 1945 mehr als elf tausend  „verdächtige“ japanische US-BürgerInnen von der Pazifikküste weg ins Nirgendwo deportiert worden und in Baracken lebend, „unschädlich“ gemacht worden.
(Manzanar war nur eines von insgesamt 10 solcher Lager mit insgesamt 110.000 Insassen über den Westen der USA verteilt)

Von dieser unrühmlichen Vergangenheit ist heute nicht mehr viel zu sehen: Eine zu Demonstrationszwecken neu aufgebaute Baracke, ursprünglich waren es 36 mal 12 Baracken, einer von ehemals 7 Wachtürmen, die den über acht Kilometer langen Zaun unüberwindbar machen sollten und viel mit diversen Schildern versehenes Brachland.

Aber immerhin können wir heute im Videosaal des Visitorcenters die Zeitzeugen berührend erzählen sehen und hören…

Im Hauptsaal des Centers gewinnt die Gegenwart Oberhand: wir platzen in eine aktuelle, viel beklatschte Einbürgerungsfeier, die nach markigen Reden mit einem Eid, auf die Vereinigten Staaten von Amerika geschworen, endet (Schlussapplaus).

Surreal, der Wind weht Sand aufwirbelnd während unserer „Autotour“ über das mehrere Quadratkilometer große Areal des einsamen, verlassen daliegenden, ehemaligen Lagers.
Das erschütternde Monument der Erinnerung scheint die Hoffnungslosigkeit der Lagerinsassen wieder zu spiegeln, ist aber gleichzeitig auch ein Dokument des Respekts vor den Menschen, die hier unwürdig leben mussten.

Es tut gut, zum Schluss wieder raus fahren zu dürfen…

Über Big Pine CA erreichen wir nach knapp 100 km Bishop CA mit der bei vielen Europäern sehr beliebten Erick Schat’s world famous „bakkery“. Er hat jede Menge knuspriger Brote vorrätig und lässt sie sich entsprechend gut bezahlen.

Der Laden brummt…

Hinter Bishop biegt die 395 nach Westen hinein in die Sierra, so dass unser Auto über 20 Kilometer, im vierten Gang mit Warnblinkanlage, auf dem vierspurigen Hwy ganz schön gequält die Höhe erreicht.

Es wird immer kälter und einsamer. Der Motor und wir haben es in mehr als 2000 m Höhe über nN. verdient, sich für heute ausruhen zu dürfen.

Immer noch Freitag, 11. Mai 2018    McGee Creek RV Park, Crowley Lake CA

Hier wird’s immer heftiger… Kann es sein, dass wir vor zwei Tagen noch im Pool geschwommen sind, um uns abzukühlen?
Es fängt in dieser sowieso schon unwirklichen Gegend tatsächlich auch noch an zu schneien…

Samstag, 12. Mai 2018

Wir wollen heute morgen auf jeden Fall weiter…
Die Sonne zeigt uns den Weg und die weißen Flächen links und rechts des Hwy scheinen eher Rauhreif als Schnee zu bedeuten. Es heißt trotzdem vorsichtig zu fahren, besonders auf den Brücken!

Was für eine Szene. Wir sind immer noch, unglaublich, in Kalifornien. Die nördliche Breite und die Höhe überm Meeresspiegel sind für diese Temperaturunterschiede maßgeblich und für uns ist es, ohne Klimaanlage im Aufbau nicht unangenehm.

Immer noch auf 1800 m Höhe, es ist einfach traumhaft…

Mono Lake CA

Für unsere Art des Reiseberichtes würde es zu weit führen, die Besonderheiten und erdgeschichtlichen Entwicklungen des Mono Lake an dieser Stelle zu beschreiben. Aber u.E. lohnt es sich, die Wikipedia Seiten zu diesem See zu lesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Mono_Lake

Wir genießen derweil die Ausstellung im Besucherzentrum am nördlichen Ufer des Sees über die wechselhafte Geschichte dieses mit 760.000 Jahren eines der ältesten Seen der Vereinigten Staaten.

Diese vielfältigen Eindrücke während unserer Reise durch Nordamerika zu erfahren, macht uns einfach nur glücklich.
Wer weiß, wo wir mit diesem ausgeprägten „Wunsch nach Neuem“ während der nächsten Monate unserer Reise noch landen werden? Wie viele Tage brauchen wir noch durch dieses herrliche Kalifornien?

Jetzt geht es erst einmal wieder kräftig berghoch, kilometer- oder meilenlang!
Vero ist froh, wenn wir die Kurverei hinter uns haben.
Ein letzter Fotoblick auf den Mono Lake…

Wir erreichen Bridgeport, CA. Es gibt so wahnsinnig viel zu sehen und zu verdauen. Eigentlich müssten wir schon wieder mehrere Tage hier bleiben, um alle Eindrücke wirklich innerlich mitnehmen zu können.
So bleibt es in einer Nebenstraße auf dem Parkstreifen des Courthouse von Bridgeport bei unserem späten Frühstück und bei einer guten Unterhaltung zwischen uns darüber, was uns alles aufgefallen ist: Wie bunt und vielfältig diese Städte immer wieder für unsere deutschen Augen sind – welche Fläche eine solche Kleinstadt in Anspruch nimmt – wie breit und ausladend die kleinste Straße immer noch angelegt ist – wie selbstverständlich das Parken für Autos bis in den Mittelpunkt jeder Stadt hinein möglich ist – wie innerorts auch die Fahrradspur inzwischen häufig zur Normalität geworden ist – wie selbstverständlich die Rücksichtnahme von Autofahrern für Fußgänger innerorts ist und welchen absoluten Vorrang dabei crossovers haben.
Komisch, hier sind nicht so viele Kirchen in einem Ort zu sehen, wie in den östlichen Südstaaten…

This cool woman fits the cool landscape…