Die Virginias

Dienstag, 15. September bis Montag, 21. September 2015

Die nächsten Tage stehen schon mächtig unter dem Eindruck des aufgeregten Paares, dass bald (wieder) in Manhattan Einzug halten will.
Jetzt muss es aber noch ein wenig Geduld aufbringen und den Besonderheiten Virginias und der Grenze zu West-Virginia Aufmerksamkeit schenken.
Denn diese Region hat es wirklich verdient, wahrgenommen zu werden.
Ganz nebenbei streifen wir nette Dörfer und Städtchen und haben auch im Hinblick auf unseren Fortbewegungsrythmus ein gutes Gefühl entwickelt: Jeder Fahrtag wird durch mindestens einen längeren Pausenaufenthalt in einem Ort geteilt!

• Mooresville, North Carolina

De Turner’s Hardware Shops, in der 111 N Main St.
Der Atem von eigener Kindheit und Geschichte weht um die Werkzeuge, Kochgeräte, Schrauben, Nägel, Petroleumlampen, Schubkarren, Bollerwagen, Toaster, T-Shirts, Schürzen, amerikanische Flaggen und Besen,
wenn John Wayne dich von dem Bild an der Wand herab anschaut,
Mr. Turner mindestens 85-jährig den Creditkartenleser bedient, die Qualität des T-Shirts preist : „Aufpassen, reine Baumwolle, es läuft noch etwas ein“ und du nur richtig hinfühlst,
…einmalig!
Der Laden und sein Besitzer sind mindestens ein „National Monument“.

• Appomattox Court House, Virginia

Hier besuchen wir den National Historic Park, Appomattox Court House,
den Ort der letzten Schlacht und der anschließenden Vertragsunterzeichnung zum offiziellen Frieden zwischen der Armee der Konföderierten unter General Robert E. Lee und den Truppen der Union unter General Ullyses S. Grant.
Wir sind besonders davon beeindruckt, dass Präsident Lincoln in Washington DC seinerzeit verfügte, dass sämtliche Soldaten der unterlegenen Südstaatenarmee nicht als Kriegsgefangene behandelt wurden, sondern nach Waffenabgabe mit ihren Pferden nach Hause zurückkehren konnten!
Welch ein friedfertiger Geist lenkte diesen großen Mann… Ich glaube, damit schaffte er die Basis für die endgültige Vereinigung der bis dahin gegnerischen Staaten und die Grundlage für das Ende der Sklaverei in Nordamerika.

• Charlottesville, Virginia

Wir suchen und finden nach längerer Zeit tatsächlich einen Parkplatz nahe Downtown
und gehen wegen „Quiltshopsuche“ getrennte Wege -aber nur kurze Zeit, denn der Shop war offensichtlich enttäuschend.
So treffen wir uns zum gemeinsamen Stadtbummel und zufällig auf das öffentliche Treffen der US-amerikanischen Nationalen Radrennequipe vor einem Kino
und können, by the way, die kunstvoll-zierlichen Blumenarrangements in den Straßen der „Fußgängerzone“, man höre und staune, bewundern.

• Culpeper, Virginia

Eine aufgeweckte und trendige kleine Stadt mit gut erhaltener original mindestens hundert Jahre alter Tearoom- und Cafémeile.
Wir besuchen das quirlige Visitorcenter mit ausgezeichnetem WiFi und sehr zuvorkommendem Personal.

Harpers Ferry, West Virginia

Vero hat ein Kleinod ausfindig gemacht, das uns in dem Moment, wo wir es betreten, sehr fasziniert:

Eigentlich leben hier ungefähr 250 Menschen, aber es stehen viel mehr Häuser hier herum, die, wie es sich herausstellt, den Einreisenden zeigen sollen, wie es sich früher, das heißt, so um 1850 herum, leben ließ.
Sie repräsentieren museal den Drugstore, die Bank, den Buchladen, das Lebensmittelgeschäft,
das Sheriffs Office und anderes.
Kaum Autos, eher leere Straßen, ruhig gespannte Atmosphäre,
Unsere Vorstellung, dass hier John Brown (John Browns Body hm, hm, hm) Mitte des 19. Jahrhunderts einen Sklavenaufstand inszenierte, er misslang leider, rückt in dem ihm zu Ehren eröffneten Museum wirklich nahe.
Die Eisenbahn begrenzt das Örtchen einerseits,
andererseits sind es die Flüsse Shanandoah- und Potomac -River, die sich durch die Appalachian Mountains quälen, deren mehr als 3500 km langer Wanderweg (hier heißen diese Wege „Trails“) an dieser Stelle genau die
Hälfte misst.
Weil uns dieser Weg schon länger imponiert, ist der Besuch des Centers ein „muss“ und der Kauf eines Trailguides „Der Appalachian Trail durch Maine“ zwangsläufig!
Zu guter Letzt treffen wir auch noch auf eine Gruppe von vier jungen Wanderern, die während der letzten zweieinhalb Monate die Strecke von Maine bis hierher geschafft haben.
Unser Herz klopft heftigst, weil wir uns sofort an unseren Jacobsweg in Spanien vor zwei Jahren erinnern.
Vero möchte ihn auf jeden Fall noch einmal laufen, ich weiß es noch nicht so recht.

But now we are first on the „America way“!

2 Gedanken zu “Die Virginias

  1. Lieber Manfred,
    wenn wir von Euch hören, dann ist das für uns am Campfire mit zirpenden Grillen immer die Erinnerung daran, von wem wir so viel über USA gehört und über das Reisen hier gelernt haben.
    Die Petroleumlampe und die Teelichter auf dem Picknicktisch…
    Der Wein schmeckt…
    Liebe Grüße
    Vero und ich

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