… und um Bern herum

Montag, 26. Oktober 2015

Es sind von hier aus Virginia noch ungefähr 1000 km bis zu unserem Ziel in Florida.

Und damit, wie angenehm, noch jede Menge Zeit. Also theoretisch müssen wir 55 km täglich fahren, um am 12. November an unserem Ziel, Fernandina Beach auf Amelia Island pünktlich zum Petanqueturnier anzukommen.

Die Fähre mit dem wunderbar poetisch klingenden Namen „Pocahontas“ bringt uns auf historischem Wasserweg,

weil hier englische Einwanderer die erste Siedlung auf nordamerikanischem Boden, Jamestown, gründeten,

über den James River, weiter nach Süden.

Inzwischen sind wir heute Abend auf dem Walmart in Roanoke Rapids, North Carolina gelandet, kaufen für die nächste Woche ein und schlafen richtig gut, weil noch mehrere Motorhomes, Campingtrailer und „Fithwheeler“, dass sind die Teile, die als Auflieger mit einer Drehkupplung auf der Ladefläche eines Pickups mitgeführt werden, hier übernachten.
Wir standen gestern Abend noch nicht ganz, hatten wir auch schon Kontakt zu Wendi und Steve in ihrem herrlich geschniegelten VW Bulli T2 named „Pumper“, mindestens 35 Jahre alt, den sie zusätzlich zu ihrem Trailer mitführen. Sie sind wie wir „Fulltimer“, fahren also das ganze Jahr über durch und haben schon viel auf fast der ganzen Welt erlebt.
Manche Leute würden wir gern etwas näher kennenlernen, wie die Beiden zum Beispiel, aber ihre und unsere Planungen gehen eben, völlig normal, in jeweils andere Richtungen.

Dienstag, 27. – Donnerstag, 29. Oktober 2015

Wir finden staunend die ersten großen Baumwollfelder.

Unsere bildliche Vorstellung von mit den Händen in gebückter Haltung und mit großen Säcken auf dem Rücken pflückenden, sich schindenden Sklaven, zerplatzt sehr schnell wie eine Seifenblase, als wir die erste Pflückmaschine über ein bis zum Horizont reichendes Feld fahren sehen.

Die rasant schnell gepflückte Baumwolle landet in einer hydraulischen Presse, die die Ernte in Containergröße so zusammendrückt, dass sie anschließend auf riesigen Trucks abtransportiert werden kann.

Die letzten Nachwirkungen des Hurrikan Joaquín in Form großer Überschwemmungsflächen sind hier in Küstennähe, am nächsten Tag auf dem Campground „Twin Lakes Resort and Campground“ in Chocowinity noch gut zu erkennen.

Die Wege werden frisch mit Schotter belegt, so dass wir locker überall hinkommen.

Hier heißt es ausruhen und die gepflegte Atmosphäre auf unserem zweiten „Thousand Trail“ Platz zu genießen.


Freitag, 30. Oktober 2015

Nach drei Ruhetagen erreichen wir heute die kleine Stadt New Bern. Hier siedelten als erste… na?, richtig: Schweizer (und Deutsche)

Weil wir Zeit haben und uns die Stadt, direkt am Wasser gelegen, auf Anhieb sehr gut gefällt, beschließen wir, die Nacht hier zu verbringen.

Dass es hier in Downtown keinen Campground und nur außerhalb einen Walmart gibt, macht uns nur kurz stutzig.
Zur Vorbereitung noch ein, wie wir denken, kurzer Einkauf.
Stehen schon mit unserem Wasser, Gemüse, Geburtstagskarten und Firestarter an der Kasse, wird gerade alles eingescannt, als wir über Lautsprecher, für uns völlig irritierend, aufgefordert werden, alles stehen und liegen zu lassen und den Supermarkt sofort zu verlassen:

Feuer im Markt!
Um es kurz zu beschreiben, was den Einkauf so lang werden ließ:

Die Feuerwehr macht mit ihren martialisch anmutend gekleideten „Kameraden“ richtig was her!

Riesige Autos mit unbeschreiblicher Signal- und Lichttechnik, für neugierige Männer viel Technik, unter anderem mannshohe Ventilatoren, mit denen sie den Rauch des Schwelbrandes eines der Tiefkühlschränke aus dem Markt blasen.

Sehr bestimmtes Auftreten der in ihren „Raumanzügen“ schwitzenden Feuerwehrleute, was sich auf einige leitende Angestellte des Marktes nahtlos überträgt und so dem Gewusel der „Gaffer“ ein schnelles Ende bereitet.
„No Madam!“, „Yes Sir!“, „Please leave this place immediately!“

Es hat keinen Zweck weiter zu warten, das wird nach Aussage der oben Zitierten noch Stunden dauern…

Wie weiter: kurze Orientierung, Downtown gibt es viel Parkfläche für unser Auto und schon stehen wir an der Rezeption des „Double Tree by Hilton“ Hotels mitten in der Innenstadt und fragen, ob wir auf ihrer Parkinglodge übernachten dürfen. Und: Yes, we can!

Dieser Tag ist mal wieder „unser“ – das Gefühl kommt bei mir immer dann auf, wenn ich nach so einer Aufregung weiß, wo ich abends einschlafen kann.
Die Richtung für einen kleinen Stadtspaziergang gibt eine Musikgruppe vor, die das Wochenende einspielt und im Zentrum ein Gastspiel gibt. Je näher wir kommen wird klar: Not so bad, but – „Heavy Metal“, nicht unbedingt unser Geschmack.

In der Nähe jedoch mehrere Restaurants, unter anderem das „MJ’s“ mit viel Seafood auf der Speisekarte. Klar, wir haben ja Hunger und warum nicht mal ein Abendessen in einem kleinen amerikanischen Bistro?

„Wait to be seaten“ – verstehe ich, aber wieso soll ich noch meinen „Your Last Name, please“ nennen? Ach so, weil sie nachschaut, welchen Tisch sie für uns reserviert hat! Nein, wir haben nicht reserviert – oh, dann müssen Sie Zeit mitbringen, o.k.? Zeit?
Das ist das, was wir haben: wir bekommen einen „Pieper“ – so ein elektronisches Teil, dass uns durch Dauerblinken und Vibrieren anzeigen soll, wenn unser Tisch frei ist. Wir können bis dahin unseren Spaziergang fortsetzen…

Nach einer knappen halben Stunde ist es so weit,

wir werden „geweckt“…, sitzen kurz darauf auf Barhockern und genießen „Catfish“ mit Shrimps, Salat und French Fries. Ein Glas Roten für Vero und ein Bier ohne Schaum für mich runden den Ausflug in die amerikanische Gastronomie für sechzig Dollar inklusive Tip ab.

Samstag, den 31. Oktober 2015

Heute morgen, so gegen 10:30 finden wir neben einem außergewöhnlich gut sortierten „Hardwarestore“,

das ist wieder so ein wunderbarer gemischter „Baumarkt“ der alten Sorte,

die Apotheke, in der der „Giftmischer“ Caleb D. Bradham wirklich vor über 100 Jahren „Pepsi“ erfunden hat!

Das passierte tatsächlich in einer Apotheke und das in New Bern!

Gegen Mittag sind wir „on the road again“…

…und damit das klar ist, wir fahren an einem Tag nicht mehr als 200 km, deshalb liegen die nächsten Ziele auch alle noch in North Carolina (NC), USA

Neuse River Recreation Center, Croatan National Forest hätten wir gern sofort gefunden, aber unsere GPS-Daten führen nur durch eine nagelneue Wohnsiedlung an den unüberwindbaren Rand eines dichten Waldes.

Also fahren wir aushilfsweise mit Allstays offline-Signal auf Vero’s iPad weiter und finden ihn, einen phantastischen Platz,

sehr gepflegt, mit einer super netten Hostfrau (in USA in den National- oder State Parks heißt er oder sie „Camphost“, die kostenlos während der Saison ihren Platz benutzen darf, dafür aber alles mögliche erledigt; z.B. die Gäste einweist, die Badehäuser reinigt, die Wege und Firepits sauber hält).

Die Host hier ist einsame Spitze, hat ihren Platz ganz auf Halloween eingestellt und lädt uns abends ein, den vor ihrer Site aufgestellten Süßigkeitenteller zu plündern.
Ihre Großzügigkeit hält heute Nacht bestimmt alle bösen Geister fern!

…und unser Campfire mit selbst gesammeltem Holz erst recht.

Sonntag, 1. November 2015

Cedar Point Campground, Croatan National Forest, haben wir sofort gefunden! Steht dem Platz von gestern in Nichts nach.


Montag, 2. –  Mittwoch, 4. November 2015

Wir fahren die Küstenstraße weiter durch North Carolina Richtung Süden,

machen viele Pausen,

kleine Strandspaziergänge,

und bewundern die Häuser an der Carolina Beach.

Oak Island RV Park in Southport, NC erreichen wir erst, wegen Klüngelns und wegen der späten Fähre, die uns nach Oak Island bringen soll, nachdem es dunkel ist.

Erst vorbei gefahren, dann hat auch das Office um 6:30 pm schon geschlossen und im Wohnwagen der Besitzerin riecht es nach Abendessen. Da hilft auch ihr, mit vollem Mund gemümmelter Hinweis: „that’s my job“ nicht, dass ich mich wirklich willkommen geheißen fühle.

Irgendwie stehen wir zwar ganz gut, aber schön ist es nicht wirklich. Zwar haben wir Wifi, aber es gibt kein Badehaus und jetzt hat es mich auch noch erwischt:  Eine heftige Erkältung legt mich platt, so dass wir nicht, wie eigentlich geplant, am nächsten Tag weiter fahren können.
Im Bett ist es unter solchen Umständen am Schönsten. Halstabletten, die wir aus Deutschand mitgebracht haben eingepfiffen und von Vero Ruhe verschreiben lassen… Im Übrigen regnet es die ganze Nacht und den nächsten Tag.

It’s Novemberweather!

Ein Gedanke zu “… und um Bern herum

  1. Und beim Fotografieren des JD-Traktors bzw. Baumwollernters fällt dir, Rainer, eine Marke aus Mannheim ein? Lanz? Oder Wery aus Zweibrucken in der Pfalz? 🙂

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