See you later Alligator…

Dienstag, 10. bis Mittwoch, 11. November 2015

Lasst mich mal so anfangen:

Sind jetzt mehr als 15000 km in Nordamerika unterwegs, ein Oelwechsel war fällig und ist irgendwo zwischen South Carolina und Georgia erledigt.

Okefenokee, ich finde, das ist ein verrückter Name!
So heißt das riesige Naturreservat zwischen Georgia und Florida, das wir heute ansteuern. Er lässt die klassische „Native-Language“ dieser Region zum Klingen bringen.

Im Gegensatz dazu steht der ausgeprägte Hang der Neubewohner, alle möglichen Straßen, Flüsse, Brücken etc. in Erinnerung an besondere, weil verdienstvolle Menschen und eben auch den State Park im Okefenokee Reservat, in dem sich der Campground befindet, nach Stephen C. Foster, einem amerikanischen Sänger zu benennen.

Unsere Fantasie und die Ankündigung unserer Reiseliteratur, hier leben viele für uns außergewöhnliche Tiere, auch und besonders Alligatoren, wird während der Anreise noch nicht befeuert.
Schnurgerade über 85 Meilen (x 1,6 für km) nur durch jeweils eine Kreuzung in drei Hausansammlungen, die man nicht „Orte“ nennen kann, unterbrochen, zieht sich der Hwy durch kultivierte Kiefernwälder und Neuanpflanzungen.

Aber immerhin, so was ähnliches wie Wildnis, nichts los hier, soll heißen, kaum bevölkert diese ganze Region. Wenigstens an der letzten Kreuzung vor dem allerletzten Abzweig, dafür sind wir echt dankbar, eine Tankstelle mit Diesel. Hätte sonst, mit dem Rückweg zusammen gerechnet, etwas knapp werden können.

Wie auf unserer bisherigen Reise fast immer, ist auch dieser State Park-Campground vom Feinsten.

Wir stehen auf einer großzügig sich öffnenden Site, einer von gut fünfzig.
Hammer, mitten im subtropischen Wald, aber mit Strom- und Frischwasseranschluss…

Unser Eindruck trügt nicht, dass die Menschen durch die für sie hautnah erlebbare „Wilderness“, Natur als wichtigen Bestandteil ihres Lebens schätzen und diesen Schatz auch gern bewahren wollen.

Mittwoch, 11. November 2015

Es ist kurz nach 10 am.

Im Moment warten wir noch mit „deutscher Pünktlichkeit“ auf den Guide, der uns für eine Bootstour durch die unheimlich anmutenden Geheimnisse der Gewässer des Stateparks zur Verfügung stehen soll.
Er kommt geschlendert, wir haben Glück und fahren mit ihm ganz alleine!

Er schmeißt den Motor an, besser, weil er keine Schnur ziehen muss, lässt er ihn an

und schon gleitet der hier typische, überdachte Katamaran durch den engen Stichkanal

in den zunächst relativ großen Hauptwasserweg,


der sich aber mehr und mehr verengt und verschlingt.

Wir sind noch keine fünf Minuten unterwegs, schon zeigt unser Guide, dessen Namen ich leider wieder vergessen habe, nach vorne ins grüne Dickicht:

unser erster Alligator!!!

Wir sprechen hier immerhin von gut Zwei Meter fünfzig! Das Ding sieht zwar wie eine ausgestopfte Attrappe aus, aber wenn man genau hinguckt,

dann kann man die sich fast unmerklich, sozusagen klammheimlich, schlitzartig öffnenden Augen dieses im wahrsten Sinne des Wortes kaltblütigen Monsters erkennen.
Ansonsten: keine Bewegung! Weder bei uns noch bei ihm! (Aber wahrscheinlich aus verschiedenen Beweggründen)

Wir tauchen immer tiefer in die Wildnis ein: Es wird von Minute zu Minute grandioser.

Riesige Zypressen mit aufgedunsenen „Bäuchen“, in denen das Wasser für schlechte Zeiten gespeichert wird,

immer mal wieder ein Alligator sehr nahe am Boot,

Tarzaneske Lianen, schwimmendes, mehrere Meter dickes, Menschen tragendes Algengras und alles überwucherndes spanisches Moos

machen das Steuern des Bootes an manchen Stellen zur (fast) waghalsigen Herausforderung,

aber er kann das verdammt gut.

Es gibt neben den sich in der Sonne aufwärmenden Alligatoren, sie genießen deren Wärme weil sie Kaltblütler sind,

uns unbekannte Vögel zu sehen und zu hören und manchmal auch einfach überhaupt nichts…

Nach anderthalb aufregenden Stunden sind wir wieder in der Nähe menschlichen Lebensalltags zurück.

Es ist nicht zu glauben, dass sich diese Fließgewässer immerhin 150 bis 200 km quer durch den Osten dieses Landes ziehen und letztendlich im Atlantischen Ozean münden.

Es wird sehr schnell und sehr früh dunkel hier, mitten im Wald auf der kleinen Campsite-Lichtung Nr. 49. Die „Waldläufer“ kehren zurück. Um ehrlich zu sein: Wir hatten (siehe Ausrüstung) mit 8 Meilen Trailstrecke gerechnet, waren aber nach ca. 1,5 km schon wieder am Bootssteg zurück.

Niemals gewöhnen wir uns an diese so unwirkliche nächtliche Szenerie, die aus der „Nichts“-Schwärze des Himmels, dem LED-Leuchten der unzähligen Sterne und aus den unerfindlichen Geräuschen des Waldes besteht.

Umso mehr beruhigen uns die zuckenden Flammen des allabendlichen Campfires.

and now we’re going to bed, … see you later Alligator!

3 Gedanken zu “See you later Alligator…

  1. Liebe Theresa, lieber Alfred,
    vielen Dank für Eure lieben Grüße.
    Für uns wird Weihnachten im wahrsten Sinne des Wortes zum „Lichtfest“, weil die Sonne uns hier in Florida verwöhnt.
    Euch eine geruhsame Zeit im Westerwald und egal, wo Ihr seid oder hinfahrt, auf die Anzahl der Kilometer kommt es nicht an, genießt das Leben…
    Wir drücken Euch, ganz liebe Grüße
    Vero und Reiner

  2. Hallo , ihr beiden Weltenbummler ,
    das sind ja grandiose Erlebnisse , von denen ihr berichten könnt ; und wir können daran teilhaben-
    herzlichen Dank.
    Wir wollen diese Gelegenheit aber auch nutzen und euch schon mal Frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr zu wünschen , da wir , Theresa und ich , morgen am 13.12 zu Theresa fahren und ich dort kein internet zur Verfügung habe.
    Alles Gute und vor allem Gesundheit .
    Liebe Grüße
    Alfred und Theresa.

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