Pointer, Shooter und ein Jack…

Donnerstag, 12. November – Dienstag, 17. November 2015

Amelia Island – Fernandina Beach und Fort Clinch State Park

Wir steuern durch die dünn besiedelte Grenzregion zwischen Georgia und Florida auf die nordöstliche Inselwelt Floridas zu.

Um uns morgen, wenn das freie Training vor dem Petanque America Open Tournament beginnt, am richtigen Platz einzufinden, besuchen wir als Erstes das Büro von „Petanque America Open“, wo wir von Philippe Boets, einem der Organisatoren des Turniers, herzlich begrüßt werden.

Selbstverständlich nimmt er uns mit zum Turnierplatz, wo er heute abend sowieso noch einmal alles inspizieren will und uns gleichzeitig die Parkmöglichkeiten während des Turniers für unser Auto erläutert.

STOP!!!
So geht das nicht! das ist doch nicht das Wesentliche!

FERNANDINA BEACH, AMELIA ISLAND, PETANQUE AMERICA OPEN

Diese Begriffe stehen für etwas ganz anderes…
Sie stehen für die Verwirklichung eines von mir bisher nie geträumten Traumes!

Vero fand Mitte Juli im Internet den Termin für dieses Petanque America Open 2015 in Florida und er passt genau in unsere Reiseplanung…

Seit vier Jahren spiele ich hobbymäßig Boule auf dem Gänsemarkt in Herford, Germany und seit zwei Jahren bin ich Mitglied in der Bouleabteilung des VfL Lüerdissen bei Lemgo in Lippe, Deutschland, was ja auch nicht heißt, dass dort die Weltmeister auf den Bäumen wachsen oder ich schon persè zu den „Professionals“ im Verein gehöre.

Und ich spiele morgen mit den LandesmeisterInnen und Weltmeistern im Petanque in EINEM Turnier!
Wenn das keine Karriere ist!

Aber es ist ein Doublette Turnier und mir fehlte ein Partner…

Das ist die Vorgeschichte:
Ich will unbedingt jemanden finden und lande nach einigen Versuchen Mitte des Jahres online irgendwie in California
Ende Juli erhalte ich eine Email aus Lafayette, California, aus der ich entnehmen konnte, dass ein gewisser Ed Glueck über eine Partnerfinder-Internetseite einen „Shooting Partner“ für das Turnier in Florida sucht. Ich „bewerbe“ mich per Email bei ihm.
Aber er sagt leider ab, weil er schon eine Partnerin gefunden hat…

Ist zwar nicht schön, aber dann spiele ich eben in Fernandina Beach nur während der vor dem Turnier stattfindenden „Spiele gegen die Weltmeister“ für 80 $ oder gucke zu.
Was soll’s! Dahin will ich auf alle Fälle…
Jedoch es kam anders:
Eines Morgens Anfang Oktober wache ich auf und finde eine Mail von Ed Glueck in meinem Posteingang.
Mein Herz rast!!!

Yesss! Nichts lieber als das!
So schnell kann sich etwas ändern – und noch schöner, ich kenne den Menschen, mit dem ich dort spielen werde, überhaupt nicht – das wird sich ändern!

Er kommt nicht aus Herford, nicht aus Deutschland, nicht aus Europa, sondern aus New Jersey, USA

…und

Inzwischen habe ich ihn kennen gelernt, er ist ein wunderbarer Kumpel!!!

Wir sind mit Ed und seiner Frau Judy in diesen Tagen sehr gern zusammen und wenn sie uns am Sonntagabend, nach Ende des Turniers zu sich nach Boynton Beach in der Nähe von Palm Beach eingeladen haben, dann gibt es überhaupt keinen Zweifel, dass wir sie bald besuchen werden.

Damit ich das nicht vergesse, mit was wir es hier zu tun haben:
Es treffen sich an diesem Wochenende in Fernandina Beach insgesamt 160 Teams aus der Hälfte der US-Staaten und dazu noch einmal aus ungefähr 20 Ländern der ganzen Welt.

Zwar spielen auch ein paar deutschsprachige Jungs mit, aber sie leben alle schon lange als US-Bürger in den Staaten und freuen sich, mit mir mal wieder „Deutsch“ quatschen zu können.
Das bedeutet, dass so weit ich das mitbekommen habe, ich der Einzige bin, der aus Deutschland angereist ist!
Wobei die weiteste Anreise wohl ein paar Leute aus Neuseeland hinter sich haben.

Ist klar, dass die vorherrschende Sprache auf den Plätzen französisch ist, und dass viele der Leute aus Ländern angereist sind, die früher unter französischer Kolonialherrschaft gestanden haben. So hat sich Petanque auch u.a. in Vietnam, Kambodscha, Madagaskar, Marokko und auf den Cayman Islands Freunde geschaffen.

Hier treffe ich auch meinen US-marokkanischen Boule-Freund aus NY-Brooklyn wieder.

Für viele geht’s ums Dabeisein, den Spaß an einer solchen Szene in grandioser Umgebung bei herrlichem Wetter. Die anderen, wirkliche Meister ihres Faches, meist Franzosen und Belgier, absolute Professionals, waren von sich, vom Preisgeld und bestimmt auch von der Bewunderung ihrer Kunst durch die vielen Zuschauer begeistert.

Und dann gibt es noch dieses Team!

Sofort im ersten Spiel Bernard Martin, einen ehemaliger Petanque-Weltmeister und Sieger der American Open 2014 und den Meilleur Tireur (Meister der Schießer) 2014 de Canadiens – Sébastien Gasc als Gegner zugelost bekommen zu haben,

ist einerseits „zum in die Hose machen“, aber andererseits auch ein unvergessliches Erlebnis.

3:13 immerhin, 3 Punkte und ein schönes Erinnerungsfoto bleiben bei uns.

Haben nicht schlecht gespielt, aber gegen einen Tireur, der in diesem Spiel eine hundertprozentige Trefferquote bringt, reicht eben ein einziges von mir geschossenes „Caro sur place“ nicht. (das ist ein herrlicher Schuss, bei dem die eigene Kugel dort liegen bleibt, wo vorher die gegnerische lag)

Am ersten Tag des Turniers vier Spiele, drei verloren, eins gewonnen…

Das abendliche Essen zu acht, mit Bill und Bonnie, Tig und Rich, Freunden von Judy und Ed aus Texas in einem noblen Restaurant ist für uns eine herrliche Überraschung.

Es war ein besonderer Anlass, eine sehr angeregte Unterhaltung mit sehr netten Menschen…
Vielleicht treffen wir sie in Boynton Beach, Florida und in New Braunfels, Texas wieder…

Sonntags noch zwei weitere Spiele, eins gewonnen, eins verloren. Shit happens!

Ed und ich sind uns einig: It is a great moment to play together in harmony! Alles in Allem, ein absolutes Highlight (meiner) unserer Reise.

So gefällt es auch Vero: Sie kann in diesen Tagen zwischen Auto und Café an der Marina von Fernandina Beach hin und her pendeln, hat überall Wifi und, wenn sie Lust hat, liegt für sie die Historical Downtown von Fernandina Beach auch gleich um die Ecke.

Diese Möglichkeit nutzt sie gemeinsam mit Judy und bekommt am nächsten Tag die Gelegenheit zusammen mit den drei anderen „Spielerfrauen“ zu einem grenzüberschreitenden Ausflug nach Georgia zum Besuch der pittoresken Hofwyl-Broadfield-Plantation.

Eine solche Beziehung zwischen einem amerikanischen Paar und uns haben wir nicht für möglich gehalten…

Vielleicht bin ich zum PA Open 2016 wieder da!

Unseren Übernachtungsplatz im Fort Clinch State Park, Riverside sehen wir fast immer nur frühmorgens oder abends im Dunklen.

Es ist ein verwunschenes Naturschutzgebiet mit allerlei wildem Getier. Rehe und Hirsche huschen nachts durch den Wald und wenn wir frühmorgens mit dem Auto zum Turnier fahren, heißt dass, vorsichtig zu fahren, denn die Tiere kennen den Unterschied zwischen Straße und Wald nicht wirklich.

Wir bleiben noch die beiden Tage, Montag und Dienstag nach dem Turnier in dieser wunderschönen, von vielen Menschen aus dem gesamten Norden des Kontinents während der Wintermonate so bevorzugten Gegend, in der es keinen klassischen Winter gibt.

Wir schlendern durch’s Städtchen,

freuen uns über die Ruhe und die viele Zeit bei herrlichem Sonnenschein, kaufe mir meine, ich glaube, siebte Cap,

machen einen Ausflug Richtung Atlantik,

liegen ein wenig am Strand und finden ein Tier, das wir noch nie gesehen haben:

den Pfeilschwanzkrebs.

Es geht uns, ja wie wohl? Saugut!

Genau deshalb trifft sich hier die Population der Spezies „Snowbirds“…
In diesem Winter zählen wir dazu.

…and we enjoy another Day in Paradise.

2 Gedanken zu “Pointer, Shooter und ein Jack…

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