Everglades – Was soll man dazu sagen…

Dienstag, 1. Dezember 2015

Es regnet im Stakkato, sowohl was den Rythmus der Tropfenklopfgeräusche, als auch den Wechsel zwischen Schauer und dampfabsondender Sonnenstrahlung anbetrifft.

Wir fahren wieder nordwärts, runter von den Inseln, verzichten bewusst auf die weiteren Keys.
Wir sind zwar diesbezüglich ambivalent aber doch nicht unglücklich über unsere schon im Vorfeld getroffene Entscheidung.
Mit unserer Wohnmobilausstattung, ohne Klimaanlage auch während der Fahrt, finden wir es gut so.

Wir landen nach zweistündiger Fahrt durch irgendwie, muss wohl sehr fruchtbar hier sein, treibhausartiger Atmosphäre im

Long Pine Key State Park

Wir haben es nicht anders gewollt!
…und sind mitten in den berühmt-berüchtigten Everglades gelandet. Was heißt das?

Erst mal, das Wasser kommt inzwischen nicht mehr nur von oben, sondern mischt sich auch von unten kommend, mit der Erde an Stellen, wo wir es normalerweise nicht vermuten.

Mit anderen Worten: Es ist sumpfig, schilfig, vielleicht, können wir jedoch nicht so genau sagen, auch torfig, jedenfalls übersatt grün.

Die im Campground vorhandenen Rasenflächen werden wahrscheinlich jede Woche mindestens einmal freigeschnitten, um den Pflanzenwuchs zurück zu halten.

Wie gut, dass die Stellflächen für Autos geteert und damit fest sind.

Das Waschhaus ist zwar sauber, aber die Luft „steht“ hier so, dass die dort angebrachten Ventilatoren eigentlich nur zur Zierde so etwas wie Bewegung ermöglichen. Duschen gibt es, wahrscheinlich wegen der sowieso schon überreichlich vorhandenen Luftfeuchtigkeit, erst gar nicht.

Bewegung ist hier zwar völlig kontraproduktiv, aber wir sind ja nicht zum „Einkochen“ hier, sondern zum Staunen. Und dafür gibt es was!

Unser Ausflug auf den Anhinga Trail, das heißt, auf den in zwei Metern Breite geteerten Weg und den übers Wasser hinweg angelegten „Boardwalk“

so über insgesamt gut zwei Kilometer Länge, ist ein völlig abgedrehtes Naturschauspiel,

denn hier bestimmt der Alligator den Rythmus.

Wir sind nur seine neugierigen, sensationsheischenden und mehr oder wenig ängstlichen BegleiterInnen.

Er lässt uns vor Schreck, vor Staunen, vor Eckel, vor Ehrfurcht für eine Stunde erstarren.
Und lässt sich für seine Mahlzeit sehr viel Zeit…

Keine Chance für einen gaffenden Sozialpädagogen mit zig Zusatzausbildungen, seinen ersten, vom „Helfen wollen“ geprägten Wunsch zugunsten einer hilflosen Schildkröte methodisch sauber, lösungsorientiert, umzusetzen…

Hier hilft niemand mehr.

Dann gehen wir doch weiter

und können weitere Bewohner beobachten

Diese faszinierenden Vögel heißen Anhinga,

sie haben die glorreiche Angewohnheit, sich mit ausgebreiteten Flügeln einfach in den Wind oder das Lüftchen zu setzen und sich so unter den „Achselhöhlen“ wenigstens etwas Kühle zu verschaffen.

Sie begeistern uns und wir würden es ihnen sehr gerne nachtun.

Oder auch die Pflanzen, die eigentlich wurzellos sind und sich, wie elegant, die Äste der Bäume aus Eigennutz zum „Eigenwuchs“ erwählt haben und sich damit von der total durchwässerten Erde unabhängig gemacht haben.

Der Alligator ist mit der Schildkröte immer noch nicht fertig.

Wir lassen ihm und unserem Kopf jetzt Ruhe. Was hat die Schildkröte auch in seiner Nähe zu suchen! Selber Schuld!

So etwas hat selbst die hier tätige Rangerin noch nie gesehen! Mmm, muss ja auch nicht jeden Tag sein…

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Gator Park, Everglades FL

Wir sind jetzt dort angekommen, wo über eine wirklich riesige Fläche das Wasser die Oberhand über das Land gewonnen hat und es deshalb Sinn macht, sich mit dem Katamaran, der durch einen riesigen Propeller angetrieben wird, zumindest zeitweise fortzubewegen.

Wenn man denn unbedingt die Gegend erkunden will. Und wir wollen, obwohl es auch etwas „Voyeuristisches“ hat.

Morgens bis 10 kostet es nur die Hälfte und das sind für 2 Personen immer noch 25 $ für gerade mal eine 20 minütige Flugtour über’s Wasser.

Mal sehen, ob ich es noch zusammen bringe, welche Nationalitäten mit uns noch das Boot teilen: China, Kanada, Schweiz, Lettland, Südkorea, USA.

Orientierung auf dieser unendlichen Fläche hat eindeutig nach kurzer „Langsamfahrt“, als er den Gashebel auf „Power“ gelegt hat,

nur noch der „Pilot“, der nach eigenen Angaben seit 19 Jahren diesen Job macht…

Das Boot, gesteuert über zwei große Seitenruder, drischt mit einem ohrenbetäubendem Lärm aus dem null gedämmten Motor in großen Carvingschwüngen rücksichtslos über die verschilfte Wasserfläche.

In der vorderen Reihe ist es ganz schön „wet“, wie angekündigt…

Nach ungefähr fünf Minuten Raserei, Stillstand und absolute Stille! Du hörst hier nichts mehr!

Als er auf der Rückfahrt die hier lebenden Alligatoren mit Weißbrot ködert,

er will uns wohl das ganze Programm bieten, („Hey Little Girl, come on, Little Girl“!) finden wir es nicht mehr so lustig.

Kann man sich mal geben, muss man aber nicht wirklich …
A happy New Year to you all!

2 Gedanken zu “Everglades – Was soll man dazu sagen…

  1. Mein Lieber,
    gern alles, aber in dieser Gegend war unser Grundsatz: Keine körperliche Qual, Wandern oder besser Spazierengehen o.k., aber darüberhinaus gehende Anstrengung zumal im Revier der Kleinst- und Größtlebewesen (in diesen Breitengraden) Nein danke…
    So haben wir die Everglades mit leichtem Juckreiz und fließenden Schweißströmen überstanden.
    Liebe Grüße
    Vero und ich

  2. lieber reiner, liebe veronika, versäumt es nicht euch an kanu zu mieten und eine fahrt auf den mangrovenumwucherten kanälen in everglades zu unternehmen! achtet auf mückenschutz! damals hatte ich so viele stiche, dass ich 2 tage krank in unserem wohnbus bei 30 grad und 100% luftfeuchtigkeit dahinvegitierte. mein kumpel damals auch… frohes neues! gruß frank

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