…über sieben Brücken nach „The Big Easy“

Samstag, 2. Januar 2016

Wie wir auf den US-Wetterkanälen im Internet sehen können, gibt es inzwischen keine für uns besonders originelle Wetterlage im ganzen Süden der USA, denn bis auf Florida hat es in den letzten Tagen überall heftigst geregnet, so dass es an den großen Flüssen schon wieder Warnungen zum Thema „flooded Rivers“ gegeben hat.
Klar, dass uns in diesem Zusammenhang dann New Orleans und Kathrina einfallen.

On the road again…

2016 beginnt auf den Straßen von Alabama, um es vorsichtig auszudrücken, semioptimal…
Was soll das?
Ein solch unendlich langer, wenn die Sonne scheinen würde, strahlend weißer Sandstrand macht uns bei diesen schmutziggrauen, tiefhängenden schweren Regenwolken leider nicht an.

Der Regen wird zwar immer mal wieder von trockenen Windperioden abgelöst, aber hat offensichtlich nicht die Absicht, uns wenigstens für ein paar gute Fotomomente die Sonne zu gönnen.

Gottseidank sind die Flussmündungen, von denen in den Wetterberichten die Rede war, trotz dieser Flut von oben, inzwischen wieder in ihre üppigen Betten zurückgekehrt.
Bevor wir die Grenze zwischen Alabama und Mississippi überqueren, stehen wir vor unserer nächsten Fähre,

die uns nicht nur dabei hilft, trockenen Fußes weiter zu kommen, sondern auch jede Menge Kilometer Richtung Westen erspart.

Sie bringt uns, vorbei an den ersten Ölplattformen

und begleitet von einem Mövenschwarm, Richtung Dauphin Island.

Wie viel Wasser müssen wir heute mal wieder unter- und überqueren!

Weiter hoppeln wir im Grunde nur so von einer Insel zur nächsten Halbinsel und von dort aus zur nächsten Landzunge, zur nächsten Insel, Halbzunge, Landinsel…

Oft sind es Brücken oder Fahrstege, Drehbrücken, Hebebrücken, egal, irgendwie müssen wir, ohne von unten nass zu werden, diesen Swamp überstehen.

Von Mississippi können wir nicht wirklich etwas erzählen, außer dass es den Mississipianern irgendwie gelungen ist, sich ein Stück Küstenstreifen am Golf von México von den Alabamern und den Louisianern zu ergattern.

Das ist der Grund dafür, weshalb wir tatsächlich behaupten können: „Wir sind in Mississippi gewesen“!
…und haben dort sogar gefrühstückt.

Denn der Parkplatz  am Leuchtturm und am Pier von Biloxi

lag zum richtigen Zeitpunkt direkt auf unserer Route.

Nicht ohne die Häuser am Beach Highway zu bewundern,

ist Mississippi nach ungefähr 140 Kilometern und gut zwei Stunden Fahrt- und Pausenzeit schon wieder Geschichte…

Wow, was für eine von oben und von unten ausgesprochen wässrig-suppige Landschaft!

Louisiana...
Hartmut hat mich drauf gebracht: Louisiana… War da nicht was mit Janis Joplin? Yep!
„Busted flat in Baton Rouge, waitin‘ for a train…“, „Abgebrannt in Baton Rouge, warten wir auf einen Zug…“ sagt die deutsche Übersetzung des Textes im Internet der ersten Zeile aus „Me And Bobby McGee“

Baton Rouge, die Hauptstadt von Louisiana, werden wir allerdings rechts liegen lassen, weil wir uns weiter südlich orientieren, halten uns dicht unter der Küste, fahren auf dieses berühmte „The Big Easy“, New Orleans zu.

Dass das keine einfache Gegend ist, zeigen die Vorkehrungen der dauerhaft hier Lebenden. Die haben sich echt was einfallen lassen, um den unzuverlässigen Wasserständen nicht immer wieder hilflos ausgeliefert zu sein.

Es gehört schon eine ganze Menge Mut dazu, sich unter diesen Bedingungen hier nieder zu lassen. Dabei fallen uns die Menschen auf den Warften der Halligen an der deutschen Nordseeküste ein…

Für heute machen wir jetzt Feierabend und der ergibt sich auf Johnny’s RV Park in Theodore, Alabama.

Ein typischer „Zwischendurch-Platz“, jedenfalls für uns. Er ist eigentlich keiner besonderen Erwähnung wert. Es sei denn, wir denken mal kurz darüber nach, wer sich sonst noch wieder findet?
Das sind, wie oft auf einem solchen Platz anzutreffen, viele Menschen, die offensichtlich für längere Zeit hier leben und erst spät am Abend von der Arbeit nach Hause kommen.

Sonntag, 3. Januar 2016

Langsam wird’s eng.

Hier, so kurz vor New Orleans, hätten wir vielleicht doch besser die Interstate 10 nehmen sollen, anstatt mit der Navi-Einstellung „Autobahn vermeiden“ auf die Stadt zuzurollen.

Denn diesmal kommen wir nicht so einfach an den Übernachtungsplatz in der Nähe der großen Stadt heran, nicht so wie in Montreal, Quebec City, New York City oder Washington DC.
Hier heißt es, Augen zu, besser auf und durch. Nämlich auf die westliche Seite der Stadt.

Und das bedeutet: Weil New Orleans nicht nur aus dem French Quarter, diesem angeblich ausgeflippten Historic District, sondern aus jeder Menge anderer dicht besiedelter,

manchmal ziemlich heruntergekommener Stadtteile besteht,

die nicht gerade einen besonders Vertrauen erweckenden Eindruck auf uns machen, irgendwie quer dadurch, bis zur Brückenauffahrt über den Mississippi!

Einerseits lässt „Kathrina“ immer noch grüßen, andererseits sieht es hier an verschiedenen Stellen auch ohne die Auswirkungen des letzten verheerenden Hurricans einfach nur abgewrackt und verdammt „arm“, nichts für nächtliche Spaziergänge, aus.

Irgendwie wuseln wir uns fast ohne Autobahnnutzung quer durch die Stadt, aber durch den Mississippi können wir nun mal nicht schwimmen… Nutzt alles nix, rauf auf die Brücke.

Sie macht einen stabilen Eindruck, aber was viele dieser flussüberquerenden Bauten an sich haben, ist der rasante Steigungs- und Gefällegrad der Straße und die enorme Höhe im Scheitelpunkt, also über der Mitte des Flusses. Dies alles, damit größere Schiffe ohne Probleme unter durch fahren können.

Der Express Hwy, nicht ohne weitere Bücken, westlich des Mississippi bringt uns die letzten Kilometer zum „Bayou Segnette State Park„. Sind froh, glücklich angekommen zu sein.

Von den hier zu findenden Alligatoren wollen wir im Moment nichts hören.

Lazy Sunday afternoon…

6 Gedanken zu “…über sieben Brücken nach „The Big Easy“

  1. Is Mittlerweile ne feste Grösse geworden euch beim Big Senior Chillen zu zu sehen!
    Gott sei mit Euch viel Spass und all Zeit ein paar Quater im säckel.
    Einfach toll.

    • Yes Olli,
      so soll es sein!
      „Big Senior Chilling“ (BSC) werden wir ab sofort in unser Vokabular aufnehmen.
      Euch eine gute Winterzeit.
      Liebe Grüße
      Vero und Reiner

  2. Lieber Reiner, liebe Veronika, ich freue mich immer wieder auf eure kleinen und großen Geschichten, die ihr erzählen könnt von eurem Leben auf Achse in den USA! Ich hoffe für euch, dass es wieder trockener geworden ist und der chaotische Winter an der Ostküste nicht bis nach N.O. eilt. Sehen wir doch aktuell wahnsinnige Bilder des Blizzards an der Eastcoast. Genießt N.O., die teils europäisch anmutende Großstadt und passt gut auf euch auf. Meine Erinnerung ist verknüpft mit Mardi Gras Karneval, exzessiven Trinkgelagen in der ganzen Stadt (Hauptsache das Bier war in einer Tüte verborgen!), frühlingshaften Temperaturen im Vergleich zu dem was uns damals in Houston erwartet hatte und zweier Aufbrüche unseres „Wohnmobil“, wo es doch gar nix zu holen gab, außer unseren Schlafsacken…obwohl wir mitten im Getümmel geparkt hatten. Ich freue mich schon auf neue Geschichten und wünsche euch einfach nur Gutes! Frank

    • Lieber Frank,
      bald kommt unser Bericht zu NOLA.
      Lass Dich überraschen. Nix mit Trinkgelagen und Mardi Gras.
      Liebe Grüße
      Vero und ich
      PS. Wir lieben die Kommentare, die eigene Erlebnisse mit unseren in Verbindung bringen!

    • Hallo Eva,
      …wir sind gut drauf. Sitzen bei 22° C vor’m Auto und lassen die Seele baumeln.
      Wünschen Dir auch eine gute Zeit.
      Liebe Grüße
      Vero und Reiner

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