Wechselbäder…

Freitag, den 08. Januar 2016

Durch mehr oder weniger feuchte, meist landwirtschaftlich genutzte Flächen fahrend, zwischendrin meinen wir auch Zuckerrohrfelder zu erkennen, ist unsere Richtung West Südwest.

Die Hwy’s 90 und 24, so called Louisiana Scenic Byways, das sind besonders empfohlene „Backroads“, bringen uns slowly but sure rüber nach Houma, einer kleinen unscheinbaren Flächenstadt mit dem „Capri Court Campground“, der für die nächsten drei Tage unsere Bleibe wird.

Absoluter Tiefpreis von $14,95 inklusive Wifi und ruhiger Platz bei feuchtkaltem Wetter lassen uns verweilen.

Viele ‚Residents‘ in Mobilheimen leben hier,

Der Creek nebenan ist nur zum Angeln geeignet, zum Baden, naja…

Es wird Zeit, unsere weitere Route, besonders unter klimatischen Verhältnissen betrachtet, zu planen.
Das heißt die Frage zu beantworten: „Wann ist es wo angenehm warm und sonnig?“
Vero hat eine völlig coole Art, ohne sich zu stressen, sämtliche ihr zur Verfügung stehenden Informationen dafür zu nutzen, die optimale Streckenführung herauszufinden unter Berücksichtigung der entscheidenden National Parks, und davon gibt es im Westen ja nicht wenige und es gibt soooo viel zu sehen.

Wir stellen dabei fest, wie viel Zeit wir doch haben und rutschen gemächlich historienverliebt Richtung Norden nach Vacherie am Mississippi

zur an die unmenschliche Sklavenarbeit erinnernden „Oak Alley Plantation“ mit für die Besitzer fantastischer Szenerie.

Durch die lebendige Führung im traumhaften Herrenhaus dieser Plantage lernen wir die, für damalige Verhältnisse, luxuriösen Lebensumstände der Plantagenbesitzer kennen.

Als Beispiel für die so weit auseinanderklaffenden damaligen Lebensverhältnisse: die (un)menschliche „Klimaanlage des 19. Jahrhunderts“:
Zu den Mahlzeiten im Esszimmer des Hauses bewegte ein Sklave, in der Ecke des Raumes stehend, ein Seil hin und her, das mit einem über dem Tisch angebrachten Wedel über Rollen verbunden war.
Und die Härte: Für besonders wichtige Gäste des Hauses wurde eine mit Eis gefüllte Schüssel auf die Mitte des Tisches unter den Wedel gestellt und dann…, genau, wurde die gekühlte Luft gefächert.

Die Hütten der Sklavenfamilien dagegen sind leider nicht mehr im Original erhalten, sondern als Ausstellungs- und Museumshäuser wiederaufgebaut wirkungsvoll in Szene gesetzt.

Die grausamen 14-16 Arbeitsstundentage der hier schuftenden Menschen spiegeln sich darin allerdings nicht wider.

Einen Eindruck von den „körperlichen“ Dokumenten der Unfreiheit erhalten wir durch die begreifbaren Exemplare der Handfesseln und der metallenen „Halskrausen“, die mit Klingeln ausgestattet, verhindern sollten, dass der Sklave entwich.

Zu der Umgebung dieser Wahnsinnshütte muss man nichts mehr sagen…

Die Allee spricht, mit zunehmendem Alter schöner werdend, seit 300 Jahren für sich!

Die Nacht haben wir auf dem Casino-Parkplatz des Crane Row RV Resort in Donaldsonville LA verbracht.

Wenn wir schon mal dabei sind, dann können wir auch am nächsten Morgen an der nächsten Mississippi-Plantage vorbeischauen.

„Nottoway“-Plantation in White Castle LA. Grandiose Kulisse!

Aber noch mal 20 $ Eintritt pro Person für ’ne herrlich antique Möbelausstellung wollen wir nicht ausgeben.
Also bleibt es beim Bewundern der Bau- und Landschaftsarchitektur von außen.
Hier gibt’s ja nur gut 60 Zimmer…

…und diese Beiden sind keine Plantagenbesitzer – sondern Kostümierte für den „fetten Dienstag“, wörtliche Übersetzung für  Faschingsdienstag, bedeutet „Mardi Gras“ -der Louisianakarneval steht vor der Tür.


Samstag, 09. Januar 2016

Inzwischen haben wir die Reiserichtung, nun klar „West“, wieder geändert und entfernen uns auf, an deutsche Straßen erinnernden Kurvenfolgen, immer weiter vom Mississippi,

nur die Brücken bleiben weiterhin gewöhnungsbedürftig.

Hier beginnt echt louisianisches Niemandsland.

Oder wo liegt eigentlich Eunice (hat der Ort etwas mit Eunuchen zu tun?) und Opelousas (steht hier das Opelwerk von Louisiana?). Nie was davon gehört.

Die meisten Menschen hier leben sicher nicht in Saus und Braus: Schrottreife Mobilhomes, undefinierbare Wohnverhältnisse, das sind wohl die bei Hurricans zuerst wegfliegenden Häuser.
Wie viele Menschen haben hier wohl mindestens drei Jobs, um sich über Wasser zu halten?

Aber unser Ziel für heute, der „Lake View RV & Campground“ in der Nähe von Eunice, ist einfach genial. Alles passt:

Atmosphäre, Menschen, Vögel, Landschaft, See und Ausstattung sehr beruhigend, können wieder innerlich auftanken, unsere Erlebnisbereitschaft runderneuern.

Nehmen dankbar das herzliche Willkommen der Frauen im Office entgegen, wovon jede, so erzählen sie, zwei Jobs macht.

Sonntag, der 17. Januar 2016

Irgendwie… ohne Worte, wir sind jetzt seit gestern, dem 16. Januar seit einem Jahr unterwegs.
Sekt raus!

„Do you need anything?“ Mit dieser Frage überrascht uns schon am Morgen unser Louisiana-Nachbar.
Er fährt die 500m zum Convenience Store (what means Gemischtwarenladen) um die Ecke.

Ich nehme dieses, uns immer wieder sprachlos machende Angebot gerne an und fahre mit. Sichere mit dem Einkauf des Nötigsten die Verlängerung unseres Aufenthalts: Eier, Brot, Wasser, Margarine, Tomaten und in Ermangelung von Muffins, Zimtschnecken!

Wir können damit die nächsten Tage inklusive unserer noch vorhandenen Vorräte gut überleben mit diversen Salades Nicoise, gemischten Kartoffel-, Gemüse- und Nudelgerichten mit gebackenem, fetaähnlichem Käse oder Hähnchenfilet without GMO and Antibiothics (ohne Genmanipulierte Organismen und Antibiotika).
Steht jedenfalls drauf…

Dazu gehören auf jeden Fall Vero’s geliebte „Warm“-Frühstücke mit Spiegelei und meine Zwischendurch-Früchte-Müsli-Joghurt-Gesundheits-Durcheinander.

-Wohlfühltage,
-Wohlfühlwetter,
-Wohlfühlwärme,
-Wohlfühlsterne
-Wohlfühlschlaf

Apropos: Kennt jemand die „Duineser Elegien“ von Rainer Maria Rilke?
Ich kannte bisher nur irgendwie den Titel und wusste nicht, wer sie geschrieben hat. Jetzt aber auch den Inhalt…
(In einem Krimi wurde ich darauf aufmerksam)
Wie wir finden, sehr empfehlenswert!

„Mit allen Augen sieht die Kreatur
das Offene. Nur unsere Augen sind
wie umgekehrt und ganz um sie gestellt
als Fallen, rings um ihren freien Ausgang.
Was draußen ist, wir Wissens aus des Tieres
Antlitz allein; denn schon das frühe Kind
wenden wir um und zwingend, daß es rück-
wärts
Gestaltung sehe, nicht das Offne, das
im Tiergesicht so tief ist. Frei von Tod.
Ihn sehen wir allein; das freie Tier
hat seinen Untergang stets hinter sich
und vor sich Gott, und wenn es geht, so
gehts
In Ewigkeit, so wie die Brunnen gehen.“
(Zitat aus Rainer Maria Rilke, Auszug aus der 8.Elegie; Rudolf Kassner zugeeignet)

We wish you all well feeling dreams tonight!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.