Canyon, Cactus & more

Freitag, 12. Februar 2016

Wenn wir jedes Café, das uns gefällt, mitnehmen würden, wäre wir noch irgendwo an der Ostküste…

So fahren wir ziemlich straight an den Behausungen kleiner Ranches

und an den Portalen Großer vorbei.

Bisher haben wir keinen Himmel erlebt, an dem, wenn wir uns um 360º drehen, kein Wölkchen von Horizont zu Horizont zu sehen ist. Jetzt ist es soweit!

Blau, blau und nur blau.

Wenn wir genauer hinblicken, dann ist das Blau direkt im Zenit am dunkelsten oder am blauesten und jeweils zum Horizont nähert sich das Blau einem uns bekannten Himmelblau an.

Und es ist wirklich so, dass wir rund um uns herum den Horizont sehen können, und wir sind davon überzeugt, wir können die Krümmung der Erde mit bloßem Auge erkennen.

So adrenalingeschwängert kommen wir im Seminole Canyon State Park Historic Site auf 29º Nord und 101º West an.
Eine unbeschreiblich lässig dahin geworfene Weite mit verschiedenem, knorrigem, wind- und sonnegegerbtem grau-grünen Geäst und ihr unterworfener, in Frankreich und Italien würden wir sagen, Macchia, hier wohl Chaparral.

Nicht zu vergessen diese, die vorherrschende Fauna unterbrechenden, sich immer wieder Platz schaffenden Kakteenflächen.

Immer wieder dieses, ein Ohr an das andere gewachsene, tellerartig geformte, stachelig grün-gelbe, nee doch eher vollgrüne Dickicht mit unzähligen Kleinstdornen.

Es soll wohl im April und Mai eines Jahres auch zur Blüte fähig sein. Jetzt nicht, denn ohne Wasser, sprich Regen, geht gar nichts.

Ich stehe auf der Campsite mit dem Verlängerungskabel genau in der Mitte zwischen unserem Stromanschluss und dem schattenspendenden Unterstand mit Picknicktisch und -bank, halte das Ende meines Verlängerungskabels, wohl etwas unentschlossen guckend, in die Höhe, als vom Nachbarn kommt: „Do you need another extension hose?“
So ist das hier in State Parks oder auf Campgrounds. Die Menschen erfüllen mir meine Bedürfnisse, bevor sie mir selbst bewusst werden!
Ich liebe diese Offenheit und Zuvorkommenheit und stelle immer wieder fest, wie gut es mir mit dieser Haltung geht!

Samstag, 13. Februar 2016

Heute wandern wir unseren ersten Trail in diesem auf den ersten Blick farblich eigentlich völlig öde daherkommenden State Parks. Wir machen jeweils Teile des Rio Grande Trail, des Middle Fork Trail, des Presa Overlook Trail und des Canyon Rim Trail, die fast unmerklich ineinander übergehen.

Aber dann ist die Überraschung über den uns zu Gesicht gekommenen Presa Canyon,

zack, stehste an der Kante, so was von Wow, dass wir klar haben, die menschlichen Zeitdimensionen, so in Generationen gemessen, sind bei diesem Anblick völlig außer Kraft gesetzt.

Hier wird in den typischen, vom Wasser in Jahrmillionen herausgeschliffenen, riesigen Gesteinsabrieben gemessen!
Immer schön mit den Füßen auf dem Boden bleiben, Menschenkinder!

Genießen wir diese zu Stein gewordenen Portraits und genießen wir unsere Zeit, in der es uns vergönnt ist, so etwas mit eigenen Augen sehen zu können!

Dieses Erlebnis macht Lust auf mehr…
So lasse ich mich am nächsten Morgen um 10 am mit einer Gruppe von Neugierigen  in den Seminole Canyon hinunter führen,

es geht nur geführt und mich von den auf’s Gestein gemalten symbolischen Figuren und Zeichen der Urbevölkerung dieser Gegend, sie sollen vor 6000 Jahren hier gelebt haben, begeistern.

Sie fanden schon vor so langer Zeit in den Überhängen des vom Wasser ausgeschliffenen Gesteins Schutz vor Sturm, Regen, Blitz und Donner und hatten die Muße zu zeichnen, aber vielleicht auch den Wunsch, ihren Göttern bildhafterweise zu huldigen.
Kann ich irgendwie nachvollziehen angesichts dieser übermenschlichen, grandiosen Kulisse…

Und wovon ernährten sie sich? Glaube ich den beeindruckenden Erzählungen des Rangers, dann trieben sie die Bisons geschickt von oben auf die Kante des Canyon zu, ließen die Tiere in deren Panik abstürzen und schlachteten sie mehr oder weniger mundgerecht am Grund des Canyon direkt vor ihrer „Haustür“.

Abends sind wir auf ein Bier bei Rebecca und Ben(jamin) eingeladen.

Mit schönen Geschichten im Kopf, die amerikanische LehrerInnen erzählen können, zumal wenn sie viele Austauschschüler aus Deutschland bei sich zu Gast gehabt haben, gehen wir schlafen.

Aber nicht durchgängig: Es gibt auch nachts, wenn die Kamera (ohne Stativ) keine Bilder hinterlässt, die Möglichkeit schöner „Wort-bilder“:

Orion und die Gürtelsterne, im Fernglas mittendrin der Orionnebel, sehr deutlich zu erkennen.
Sirius mein strahlender LED-Stern, nämlich bläulich-weiß, wirklich schimmernd, links unterhalb von Orion überhaupt nicht zu übersehen…
Und hier die Krönung einer kaum lichtverschmutzten Nacht: der Andromeda Nebel – nur weil wir alles irgendwie andersrum denken müssen, ist die systematische Suche von Kassiopeia aus nicht ganz so einfach, aber da ist der Kollege ja auch schon- die Galaxieform, der Nebel, wirklich wunderbar zu begrüßen…

Am nächsten Tag ruhen wir auf dem Birding Trail aus, einem kurzen Weg in den „Busch“.
Ich erwische zwar leider nur einen Vogel,

aber der hat es echt drauf. Beschimpft mich, wieso auch immer, mit einer impertinenten Krakele!

Der Rest dieses letzten Tages im Seminole Canyon State Park & Historical Site ist schnell erzählt:
Wir machen nichts:
Außer den Motorgeräuschen der hin und wieder neu ankommenden Gäste und einem offensiven Vogelgezwitscher  ist es einfach nur ruhig und wir erwarten sehnsüchtig die Schwärze des nächtlichen Sternenhimmels.
Aber vorher müssen wir SIE noch festhalten:

…waiting for the stars

6 Gedanken zu “Canyon, Cactus & more

  1. Lieber Reiner , auch auf diesem Wege noch einmal herzlichen Glückwunsch – aber nicht nur zum Geburtstag sondern auch zu den sicher unvergesslichen Eindrücken an den Tagen davor ( und wahrscheinlich auch danach ).
    Mir schwirren alle diese Gestirne um meinen Kopf , aber ich glaube durch den Andromedanebel
    kann ich die schönen Sterne nicht sehen. Gut , dass das bei euch anders ist und sicher auch so bleibt.
    Liebe Grüße an Vero und weiterhin alles Gute ,
    euer Alfred.

    • Lieber Alfred,
      Danke für Deine Glückwünsche. Fahren heute weiter Richtung California. Das Leben könnte nicht schöner sein. Es meint es gut mit uns!
      Ganz liebe Grüße nach Hause
      Von Vero und mir

  2. Lieber Reiner, auch von uns herzliche Glückwünsche zum Geburtstag. Eure Bilder und auch die Berichte sind einfach phantastisch. Weiter so. Als wir damals am Grand Canyon standen, waren wir genauso beeindruckt wie Ihr. Einfach wow. Diese Eindrücke vergisst man sein ganzes Leben nicht.
    Viele liebe Grüße aus Vlotho
    Lilo und Irmgard

    • Hallo Ihr Beiden,
      Danke für Eure lieben Grüße. Uns platzt schon jetzt fast der Kopf vor lauter Überraschungen und Außergewöhnlichem. Wie soll das erst werden, wenn wir Utah hinter uns haben…
      Liebe Grüße von Vero und mir

  3. Lieber Reiner, herzlichen Glückwunsch zu Deinem Geburtstag und weiterhin so viele begeisterte Aktionen wünscht Dir Regina Westerfeld

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