Texas Roads, Backcountry, Coffee refilled…

Montag, 22. Februar 2016

Wir sind immer noch in diesem Riesenstaat Texas, der nicht in Richtung Westen

und schon gar nicht Richtung Norden ein Ende nehmen will.

Alles läuft rund.
Wir schaffen an diesem Tag ohne Probleme locker 300 Kilometer und landen zielgenau in Fort Davis.

Vero dirigiert mich zum Davis Mountain State Park 10 Kilometer außerhalb von Fort Davis, wunderbar gelegen und für einen State Park wirklich überraschend, mit Free Wifi.

I have never heard about – never seen those places, …diese Ziele finden wir nur, weil Vero sich in monatelanger, planerischer Detailarbeit damit auseinandergesetzt hat, wo es sich wohl lohnt, als Nächstes hin zu fahren, und sie dafür jede Menge Internetblogs anderer USA Fahrer in ihr iPad als PDF heruntergeladen hat.
So hat sie die für uns wichtigen Inhalte auch jederzeit offline zur Verfügung.

Besonders dankbar sind wir sicher Erna Kletzien, die die Routen für alle drei ihrer USA Reisen ausgearbeitet hat, auf die Vero nun immer wieder zurück greifen kann.

Dienstag, 23. Februar 2016

Heute wollen wir mal wieder richtig baden gehen. Dafür bieten sich die heißen Quellen von Balmorhea an, die wir in einer Stunde gut erreichen können.

Es geht durch geschmeidige Täler, links und rechts steigen rote Felsen in den frühlingshaft blauen Himmel Richtung Norden.

Die Sonne strahlt mit voller Kraft, die ihr Ende Februar für Westtexas zur Verfügung steht. Die Landschaft, die wir durchfahren, ist einfach fantastisch.

Bis zu dem Zeitpunkt, da die Wolken langsam aber sicher, dass heißt innerhalb einer halben Stunde nicht mehr weiß,

sondern dunkelgrau und nicht mehr hoch oben, sondern auf dem Erdboden angekommen sind,

die Temperaturen um bestimmt 20° abgesunken sind und der Wind „uns das Hemd aus der Hose bläst“.

Das war’s…

Entsprechend einsam und farblos, völlig verwaist, liegt dann Balmorhea mit seinen warmen Quellen vor uns. Dieser Platz mag ja zu anderen Zeiten wirklich attraktiv sein.

Heute nicht, nix wie weg hier…, echt schaurig, da hilft auch noch so warmes Wasser nichts.

Und dann, es ist einfach unglaublich, wird es nach 50 km in Richtung Südwesten auf einmal wieder knallwarm und Lorenz grinst uns aus allen Poren strahlend an. So soll es sein.

Ein bisschen schlapp kommen wir heute in einem dieser „quadratisch-praktisch-gut“ Orte, in diesem Fall mit Namen Van Horn, an.

Außer, dass er nahe der Interstate 10 gelegen ist, ist er keiner besonderen Rede wert, aber trotzdem mit mehreren RV-Parks an der den Ort längs durchschneidenden Hauptstraße, ausgestattet.

Wir tanken Propan und bleiben heute hier.

Der Southern Star RV Park kann sich sehen lassen.

Ordentliche sanitäre Einrichtungen für, wie wir erklärt bekommen, in erster Linie ganze Gruppen von Arbeitern, die manchmal sogar mit ihren Familien hier längere Zeit leben und zwar so lange, wie sie in dieser Gegend die Ölpipeline nach El Paso bauen.

…und dann mit ihr weiterziehen.

Richtige Männer mit Ihren heißen Trucks brauchen auch im Waschraum die richtigen Sprüche!

Mittwoch, 24. Februar 2016

Durch die mal wieder einsamste und sonnigste Öde der Welt, so kommt uns die Gegend, immer geradeaus fahrend, jedenfalls vor,

unterbrochen von Roadworkern und solchen, die es einmal werden wollen

und von sogenannten DIPS, dass sind immer wiederkehrende Senken, in denen im Falle eines Sturzregens das aus den Bergen abfließende Wasser die Straße „überqueren“ kann,
und bevor dann ein Idiot doch meint durchfahren zu müssen, wird ihm vorsichtshalber vorher schon mal erklärt, wieviel Fuß (fünf Fuß sind ca. 1 Meter 60) sein Auto genau an dieser Stelle im Wasser versinken würde,

erreichen wir gegen 3 pm unser nächstes Ziel, die steilen, bis 2600 m hohen Hänge der Guadalupe Mountains.

Der vierspurige Hwy zieht sich meilenweit bergauf quer durch die Berge bis zum Guadalupe Mountain National Park,

wo wir uns gegen 4 pm für 8 $ selbst anmelden,

es uns anschließend gemütlich machen und abends für eine Nacht auf einem für uns wie geschaffenen Stellplatz bei sternenklarer Nacht uns sehr angenehm dem Sonnenaufgang entgegen schlafen.

Die Berggipfel grüßen uns um 7 am, es ist

Donnerstag, der 25. Februar 2016

schon im gleißenden Sonnenlicht.
Wir machen die Tür auf, aber es weht uns ein saukalter Wind in unsere noch nächtlich mollige Schlaf-, Wohnzimmerkombination.

Schnell wieder zugemacht, die Heizung und Kaffeemaschine an und eine viertel Stunde später, mit koffeingeklärten Gedanken, sich in den nächsten Krimi von Arne Dahl hineingearbeitet.

Manchmal, so wie heute morgen, wollen wir eigentlich noch gar nicht weiter, aber uneigentlich ruft das nächste Ziel. Nicht nur das, sondern wie sich das gehört, unverhofft auch das nächste Zwischenziel

… am meilenweit einsamen Highwayrand.

„He, da müssen wir hin, so was finden wir nicht jeden Tag!“ ruft Vero.
Nach zwei Kilometern habe ich umgedreht und…

landen in „May’s Café“

Ein Laden wie aus dem Bilderbuch. Mama und Tochter schmeißen ihn.

Will heißen, sie bringen uns ein herrliches Frühstück auf den mit jeansbekleideten Tischbeinen angezogenen Tisch.

Scrambled- und „over medium“ baked eggs mit homemade fried potatoes, buttered wheat toast, baked ham, tomatoes, sour cream, jam, butter und salsa sauce.

Und natürlich Kaffee, so viel de kannst.
Kommen bei dem ganzen Durcheinander dieser Hütte, FaceTimen mit Matze, Britta und Hartmut und Staunen über die unschlagbare Vielfalt an Kitsch kaum zum Essen.

Ein jedes Klischee über US-amerikanisch-ländliche Frühstückskultur erfüllt sich mit dieser absoluten Anhäufung von Unnützem, glitzerndem Bunten, geckenhaften Machismo-Sprüchen, überflüssigen, plakativen Hinweisen auf Blech- und Pappschildern und Erinnerungsbemerkungen von früheren Gästen unter den transparenten Platiktischdecken, auf Küchentuch- und Serviettenresten.

So ein Erlebnis müssen wir erst einmal „verdauen“. Zumal die vom Hwy hinzu kommenden amerikanischen Gäste uns wegen unseres vor der Tür stehenden WoMo’s mit deutschem Licenceplate natürlich sofort ansprechen, uns mit Tipps für unsere Reise versorgen und uns stolz über ihre Aufenthalte in Deutschland berichten.

Wir fahren nach dieser göttlichen Pause, an El Paso vorbei, was immerhin heißt, diesem verrückten Verkehr auf den Interstates und den Loops um die Stadt herum möglichst aus dem Weg zu gehen, in texanischer Wüstenlandschaft, besser nach nebenan in die Wüste, 5 Miles into.

Weil dort unser heutiges Ziel, eine Ranch liegt, auf der gemäß den Erzählungen vieler RV’ler ein Steakrestaurant betrieben wird, wo wir erstens das vielleicht beste Steak der USA essen können sollen und zweitens wir nach dem Essen auch noch die Nacht kostenlos auf der Parking Lodge der Ranch übernachten können.

Cattleman’s Steakhouse auf der Indian Cliff Ranch, von Fabens bei El Paso fünf Meilen in die Wüste hinein, finden wir es und erfahren, dass wir ab 5 pm loslegen können…

Etwas später, um 6pm… We have been seated!
Bestellen uns zweimal Filet Mignon, einmal medium und einmal medium well mit Backkartoffel, viel Butter und Ranchdip, dazu eine Flasche texanischem Roten und lassen es uns schmecken…

Wir sind bereits seit jetzt ein paar Monaten nicht mehr die großen „Rotfleischesser“, aber dieser wirkliche Berg Fleisch ist schon ein besonderer, auf der Zunge zergehender Genuss, der Wein aus Texas passend und die Atmosphäre sehr angenehm. Es versteht sich fast von selbst, dass der Korken neben die Flasche gelegt wird, und wir darauf aufmerksam gemacht werden, dass wir den Rest unseres Weines mit ins Auto nehmen können.

Eine Besonderheit, dieser Abend.
Und wenn dann, als wir unsere gepflegte Ruhe gefunden haben, auch noch der Kojote durch die Nacht heult, dann wissen wir, dass wir bisher Vieles richtig gemacht haben…

Silence is golden…

4 Gedanken zu “Texas Roads, Backcountry, Coffee refilled…

  1. Hab gleich in Gedanken mein Steak nochmals mit Euch genossen und unsere fotos rausgesucht. Ich war sooo satt. Und die Kojiten heulten auch bei uns, war doch herrlich dort

    • Liebe/r Unbekannte/r,
      jetzt wo Du’s schreibst, sind meine Speicheldrüsen auch wieder auf 180!
      Schon ein Erlebnis der extra Rindfleischklasse!
      Liebe Grüße
      Reiner

  2. Einfach Super eure Reiseberichte. Ich bin jedesmal wieder neu begeistert. Ich wünsche euch noch viele wundervolle Erlebnisse. Mit lieben Grüßen

    PIT

    • Danke, danke!
      Es macht einfach viel Spaß, gerade in der Nachbetrachtung noch einmal zu reisen und durch Fotos und Text unsere “Erlebnisse” noch einmal nachzuspüren.
      Schön, dass Dir unsere Blickwinkel gut gefallen.
      Vero und ich wünschen Claudia und Dir einen schönen Frühling!

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