Farben, Formen, Frühling…

Dienstag, 1. März 2016

Wir freuen uns jeden Tag aufs Neue:
Unsere schon normal gewordene Strecke Richtung Westen…

Sie soll heute nach schätzungsweise 200 km kurz vor dem nächsten platten Flächendorf Fort Willcox AZ, nahe der Interstate 10 beim Fort Willcox RV Park enden.

Aber davor liegt unsere übliche, etwas längere Pause in einem hoffentlich interessanten Ort.
Diesmal sind wir neugierig auf Silver City, einem Städtchen, das vorweggenommen, wegen einer hier betriebenen Silbermine so benannt wurde, heute aber wohl kaum noch etwas mit Silber zu tun hat, vielmehr mit vielen schönen Farben…

Wir kommen zum Visitorcenter der Stadt und werden, wie aus vielen anderen, so called „Touristenzentren“ gewohnt, von der Dame am Empfang mit wärmsten Empfehlungen für einen Spaziergang durch die Stadt ausgestattet.

Die Empfehlungen sind noch einmal schriftlich verfasst, die Ergebnisse unseres Frühlingsspaziergangs bestens auf den folgenden Bildern zu sehen:

Ohne mutige Farbgestaltung sähe es hier wohl ziemlich trostlos aus, doch so…
…nicht zu viel versprochen, diese Farben machen gute Laune.

Sogar die verschiedenen Brandzeichen der hiesigen Ranches sind künstlerisch verwertet worden.

Schön war’s, aber jetzt geht’s weiter…

durch geisterähnliche Landschaften, vorbei an der Ghost Town Steins

in der selbst die Geister den Dienst eingestellt haben und immer wieder begleitet von der Pacific Railway mit ihren unglaublich langen, die Landschaft durchschneidenden Ost-West oder umgekehrt Güterzügen.

Im RV Park gibt es für $ 20,75 Full Hock up und wieder ein bis zwei kleine Besonderheiten.

In meinem Arbeitsleben hätte ich sie „Alleinstellungsmerkmale“ genannt.
Die Naschkatze in mir wird jedenfalls exzellent bedient, da passt es, dass ich morgen Geburtstag habe!

Vero bringt mir zum Einstand auf dem Platz schon heute meine Geburtstagstorte mit:

Eine Rhabarbertarte, sowas von fein und geschmacklich eine köstliche Gaumenfreude, dass mir schon allein die Vorstellung von ihrem Geschmack den Speichel aus den Drüsen drückt…
Sie hält in jeder Hinsicht, was die backende RV Park Besitzerin versprochen hat!

Mittwoch, 2. März 2016

Der Morgen, an dem die 68 ab sofort als Jahreszahl hinter meinem bisherigen Leben steht, beginnt und das ist die zweite Besonderheit, mit einer hausgemachten frischen Waffel sirupversüsst und heißem amerikanischem Kaffee.

Meine Lebenskerze brennt auf dem Tisch. Nicht nur sie trotzt meiner rationalen Wahrnehmung, an Jahren schon ganz schön alt zu sein.

Dann sind da noch die vielen so lieben Geburtstagsglückwünsche aus dem fernen Europa, verdammt weit weg, freuen mich einerseits sehr, andererseits kommt zum ersten Mal Sehnsucht auf, alle mir wichtigen Menschen sofort ganz nah um mich herum haben zu wollen.

Zwei ruhige Tage in diesem sonnigen Nest tun uns letztlich sehr gut und unsere Blogbeiträge der vergangenen Wochen nehmen auch wieder Fahrt auf…

Wie weit lassen wir uns jetzt noch Richtung Süden treiben? Was dürfen wir nicht verpassen?
Chiricahua National Monument? Bisby? Tombstone? Tucson?

Wir haben’s klar, zumal uns die Quebecer von nebenan erzählen, der Campground im Chiricahua National Monument sei geschlossen, genau so die Straße in den Park hinein.

Also nur eine Stippvisite und dann weiter nach Tombstone zu den Wyatt Earp Nachfolgern…

Donnerstag, 3. März 2016

Es kommt anders.

Im Visitorcenter erfahren wir auf Vero’s bohrende Erwartung an mich hin: „Frag doch mal, ob der Campground wirklich geschlossen ist?“, dass das nicht stimmt und noch eine Site frei ist.

Die drei Kilometer sind schnell geschafft und der Host auf Site 19 auch schnell gefunden: „Yes, you can get the last empty site Nr. 12“

…und schon wird aus der eigentlich gedachten Stippvisite dieses berauschenden Felsenmonuments unsere nächste Begegnung inklusive Telefonnummernaustausch mit vermeintlichen Deutschen

und die nächste Wanderung in diese unüberschaubare, herrlich senkrecht stehende Felsenansammlung (das besagt im Übrigen wohl auch der indianische Name Chiricahua).

Konkret geht die Geschichte so:
Ich bringe Müll weg zum Dumbster und gleich um die Ecke steht ein grauer Mercedessprinter mit deutschem Kennzeichen vorne dran: SGH? Stadthagen? Nee, Sangerhausen oder?
„Wollt nur mal freundlich ‚Guten Tag‘ sagen“.
„Beg your pardon?“
Wieso das denn?
Wie sich herausstellt, sind’s doch keine Deutschen, sondern ein Paar aus Phoenix, AZ mit bei Ebay ersteigertem deutschem Nummernschild vorn am Auto… So nach dem Motto, wir fahren ein deutsches Auto, nämlich einen Mercedes Sprinter, dann brauchen wir nur noch ein deutsches Nummernschild.
Schnack, Schnack… Oh nice, ich übersetze sinngemäß: „Wir kommen gleich mal zu Euch, Euren Volkswagen anschauen.“ „OK, bis gleich“

Eine halbe Stunde später, haben zwischendrin ein bisschen aufgeräumt, sitzen wir mit Gina und Jack nach der Besichtigung unseres WoMo und dem „normalen“ Gespräch über technische Daten und Germany bei uns am Picknicktisch, sie haben etwas Käse, Nüsse und Trauben mitgebracht und wir bieten den Wein dazu an.

Es entsteht sofort eine sehr angenehme Atmosphäre. Wir verabschieden uns für morgen früh vor der Abfahrt, um unsere Kontaktdaten auszutauschen.

Und die Wanderung?

Herrliche zwei bis drei Stunden in diese bizarre, für uns gewöhnungsbedürftige Felsenlandschaft,

eng am Hang entlang, nicht so sehr Vero’s Ding, aber geschafft haben wir’s…

Im Übrigen: Der Vogel, er heißt „Gray-breasted jay „ bringt gleich seine ganze Verwandtschaft mit zu uns,

ist wohl seine Masche, eher immer mit der ganzen Familie oder mit Freunden rumzufliegen.

Wir hätten gern noch etwas mehr Zeit hier verbracht, aber der Platz ist dicht, so geht’s morgen weiter…
Mit Gina und Jack ist es hoffentlich nicht der letzte Kontakt, denn wir fahren auf jeden Fall nach Phoenix AZ.

Just wait and see…

3 Gedanken zu “Farben, Formen, Frühling…

  1. Was für Farben, die in Silver City ….. insbesondere wenn man in einem tristen pfälzischen Dorf im Womo sitzt und das Osterwetter einem Novembertag Ehre machen würde. Danke für eure Sonnenstrahlen!

    • Lieber HW,
      schneller konnt ich nicht antworten, denn erstens siehe meine Antwort auf Franks Kommentar und zweitens, mein Lieber: Spanien ist nicht weit weg von der Pfalz…

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