Mitten durch…

Mittwoch, 01. Juni 2016
Iowa ist einfach Fläche…
Wir sind hin und weg von diesen Überblicken. Die Augen können von Horizont zu Horizont wandern.

Es wird niemals uninteressant.
Einfach nur meditativ, lebenswert, positiv stimmend und immer intensiv berührend.
Da schmunzelt uns auch schon mal eine Scheune zu…

Wir fahren auf dem berühmten Lincoln Highway, der die Ostküste mit der Westküste verbindet, von New York City über Chicago nach San Francisco.

Es lohnt sich, der führt dann auch durch Belle Plaine, Iowa

Es grüßen uns so die kleinen und die etwas größeren Orte auf unserem Weg…
unter anderem eben auch Ames, Iowa, das eigentlich mehr Zeit verdient gehabt hätte. Immerhin beherbergt dieses Städtchen die Iowa State University.

Sogar die Hausfassade ist bestrickend… Die Designstudierenden machen’s möglich.

Und dann unsere zigste Frühstückspause mit Blumen, wie für uns dahindekoriert…
In Chelsea, Iowa. Vor der CityhallLibrary, mit Wifi!

Irgendwo an einer Ampel in Nowhereland…
Diese Aufforderung kann nur uns gelten, wir machen sie uns jedenfalls zu eigen!

Der „Twin Anchors RV Park“ in Colo Iowa bringt uns mal wieder freudig die Einsicht, dass es für uns Sinn macht, nicht von einer großen Sehenswürdigkeit zur Nächsten unterwegs zu sein, sondern unser Leben, auf jeden Tag verteilt, in immer wieder neuer Umgebung, von vielen Menschen bestaunt, ganz ruhig und „genau, so ist das hier-mäßig“, laufen zu lassen.

Wir leben und reisen jetzt schon, unfassbar für uns, ein Jahr in und durch Nordamerika!

Wieviele Amerikaner sprechen uns auf unsere Karte der Vereinigten Staaten und Canada an, die am Auto angebracht, immer wieder Erstaunen darüber auslöst, welche unterschiedlichen Staaten, Regionen, Sehenswürdigkeiten, Lebensvoraussetzungen wir in diesem Jahre schon erlebt haben. („More then most of Americans have ever seen in their life“)
Häufig erklären sie uns, wie sehr unsere Reise ihrem Traum entspreche.

Donnerstag und Freitag, 02. und 3.Juni 2016

Was wir uns jetzt aussuchen nennen wir: „Vorwärts in die Vergangenheit“

Mal wieder, nach den Amish, zieht uns eine menschliche Gemeinschaft an, deren europäische Vorfahren sich irgendwann um 1850 herum aus religiösen Motiven vom heimatlichen Acker in Frankreich und Deutschland, oder was es damals auf dem heutigen Staatsgebiet von Deutschland damals so gab, nach USA aufgemacht haben.

In den Amana Colonies in Iowa finden wir ihre heutigen Nachfahren.
Waren die ursprünglichen Leute strenge Pietisten, also ziemlich strenge „Vollchristen“ mit außergewöhnlicher Community, wie zum Beispiel einer Gemeinschaftsküche und dem Verzicht auf Privatbesitz, so können wir heute nur erkennen, dass sie sozusagen als Reste der Lebensregeln, ihre Eigenständigkeit in wirtschaftlicher und sprachlicher Hinsicht versuchen zu wahren.

Sie sind, anders als ihre „religiös Verwandten“, die Amish, nicht technikfeindlich eingestellt, sondern nutzen zum Beispiel das Internet clever und professionell für den Onlineverkauf ihrer qualitativ hochwertigen Produkte.

Es gibt in der Region verschiedene Orte (Amana, Middle Amana, East Amana, High Amana und West Amana), in denen sie ihre Traditionen des „amanisch-deutsch“-Seins mit eigenständigen wirtschaftlichen Aktivitäten, wie der ältesten Bierbrauerei Iowas, einer sehr schönen Wollspinnerei und -weberei, einem General-Store inklusive permanentem Weihnachtsartikelverkauf, einer Metzgerei mit „deutschen“ Produkten wie Bratwurst, Schinken, Leberwurst, einem Museum und einem Quiltshop, weiterleben lassen.

Unser Fahrradausflug in ihre „heile“ Welt gibt uns eine Menge zu staunen, mit einigen von ihnen über ihr Leben zu plaudern, Bratwurst zu kaufen, Kaffee zu trinken und einen herrlichen Rharbarberkuchen zu naschen.

Was verbirgt sich eigentlich hinter diesem merkwürdigen Label?!

Dieser Ausflug bringt uns zum Abendessen „lecker“ Currywurst…

Unterm Strich:
Wir können miteinander, damit meinen wir die Leute aus Amana und Umgebung und uns, ’ne Menge anfangen. Sie mit unserem Geld und wir mit ihren besonderen Angeboten…
Bleibt die Frage, wohin würde sich diese Gemeinschaft entwickeln, wenn sie die außerhalb ihrer Religion lebende amerikanische Gesellschaft nicht hätte?

Der Kleine dahinten…
Bei 400 RV-Sites nicht ganz einfach zu erkennen.

Samstag, 4. Juni 2016

Wie gut, dass wir uns niemandem verpflichtet fühlen, wie weit wir heute fahren wollen: Es werden um die 30 km bis zum „Sleepy Hollow Campground“, Oxford, IA
Dieser Platz lockt uns im Vorbeifahren so an, dass wir spontan umdrehen und mal schauen.

Alles geht ganz schnell:
Kurz überlegt, das Angebot gecheckt und uns auf dem kleinen Hügel in Site 29 eingerichtet.

Sonntag, 5.  bis Freitag, 10. Juni 2016

Es passt alles, hier lässt sich’s gut leben.

Der Swimmingpool ist herrlich erfrischend, die Menschen ringsherum freundlich, das Internet sehr stark und hält uns in Verbindung mit unseren Liebsten.

Unsere Vorräte auffüllen heißt, vierzig Kilometer hin und zurück zu fahren und schon sind wir für die nächsten Tage versorgt.

Bis auf Firewood, aber das gibt es im Office…

Das Wetter ist zu dieser Frühsommerzeit sowieso unfassbar schön.
Dann können wir auch noch etwas länger bleiben…

Mir fehlt nur ein Boulepartner!

Habe geschmökert, zwei Romane gelesen, „Wunschgeflüster“ von Melina Bellows und „Teerose und Sandelholz“ von Julia Gregson. Beide Romane sind „Geschenkbücher von Walburg aus Kempten, die wir zusammen mit Wolfgang in New Orleans trafen.
Mit Authismus und englischer Unterdrückungsrealität im Indien des 19. Jahrhunderts träume ich mich thematisch in das Leben von Romanprotagonistinnen.
Welch mannigfaltige Welten im Verhältnis zu meinem momentanen Leben.
Vero näht, überprüft auf den Karten im Netz und in den Reiseführern unsere nächste Route, wir quilten und schreiben…
Alles läuft darauf hinaus, weiter dem Lincoln Hwy zu folgen, also Chicago?

Nach einer Woche!
Morgen früh wollen wir weiter, sitzen am Feuer und bekommen Besuch.
Kelsi und Gary schauen vorbei.  Das Gespräch mit ihnen ist anregend.
Die Frage, ob sie mit uns ein wenig am Feuer sitzen können und wir etwas Musik hören möchten, ist ungewöhnlich, aber wie sich herausstellt, ein Glücksfall.

Beide sind mit ihren Stimmen, dem Gitarrenspiel- und der Snaredrumrythmik für uns eine einmalige Überraschung.

Die Lieder, die sie zum Besten geben, passen wunderbar in die ruhige, fast intime Atmosphäre am Feuer.
So ergeben sich aus den Themen der Lieder eigene Gedanken und Geschichten aus unserem Leben.

Es ist einfach sehr ungewöhnlich, in so kurzer Zeit mit „wildfremden“ Menschen einen solch intensiven gedanklichen Kontakt zu bekommen.

Und jetzt Tschüss. Wir denken gerne zurück an:

„Crazy“ by Willie Nelson, „Folsom Prison“ by Johnny Cash; „Pancho and Lefty“, by Willie Nelson and Merle Haggard; „She’s No Lady, She’s My Wife“, Lyle Lovitt;  „A Couple More Years“, by Waylen Jennings;  „Jenny Dreamed of Trains“, Vince Gill, „Georgia on my mind“, Ray Charles.

Wir sind Weltmeister!

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