Beamtenroute oder Reiselust?

Dienstag, der 17. September 2019

Haben wir denn jetzt die ersehnte 12-monatige Aufenthaltsgenehmigung für USA bekommen oder nicht?
Diese Frage hat inzwischen das ganze Netz ;-)) beschäftigt…

Weil es von einem solch „offiziellen“ Vorgang an der Grenze keine Fotos geben darf, werde ich versuchen, über die Sprache „Bilder im Kopf“ herzustellen.

Der junge Officer als erste Kontaktperson an der Grenze macht schon einen (über)entschlossenen Eindruck.
Bei ihm gibts nix: er sagt tatsächlich, es sei unmöglich: “Six months that’s it!”
Müssen wir tatsächlich, wie wir es miteinander verabredet haben falls es mit 12 Monaten nicht klappt, unfreiwillig noch einen weiteren Monat in Kanada bleiben? Was heißen würde, Richtung Toronto, ungefähr 1000 Kilometer Richtung Westen, nur um es dann Mitte Oktober irgendwo Richtung Minnesota noch einmal zu versuchen?
Er verlässt seinen Platz und läuft einmal um unser Auto, kommt zurück und fordert uns auf, wir sollen rechts ran fahren: “lane two, then into the office!”

Das kennen wir vom letzten Mal, was heißt es hier? Vielleicht nicht völlig aussichtslos – leichte Hoffnung…

Die jüngere Beamtin in der großen Schalterhalle nimmt sich (augenscheinlich) für uns Zeit und ist dabei erstaunlich freundlich.
“How can I help you?” – “Wir möchten eine Erlaubnis für 12 Monate!”

Ihre folgenden Fragen zielen genau darauf ab, worauf wir, insbesondere Vero, seit Wochen hingezittert haben. – Jetzt kommt‘s drauf an:

Sie bleibt (äußerlich) ruhig und zieht ihr iPad aus dem Rucksack:

  • Eine Skizze unserer “geplanten” rein touristischen Reiseroute quer durch die USA von Nordost nach Nordwest,
  • die Police unserer Langzeit-Auslandskrankenversicherung für 12 Monate,
  • Fotos unseres Hauses und Gartens, die dokumentierten, wie schön es Zuhause ist und dass wir selbstverständlich wieder nach Deutschland zurück wollen,
  • Fotos unserer Kinder und unseres Enkels Johannes

kommen zum Vorschein und hinterlassen, wie es in einem leichten Lächeln auf dem Gesicht der Offiziellen zu erkennen ist, Eindruck.

Doch sie lässt immer noch nicht locker…
“Do you have enough money for traveling?” “Sure, of course!” –

unvorstellbar lange PAUSE –

„Take seat over there…“ (Das kennen wir doch?)

Sie nimmt unsere Pässe und verlässt in aller Seelenruhe ihren Arbeitsplatz (offensichtlich zu ihrem Supervisor) nach hinten.  Als sie zurück kommt und uns wieder zu sich zitiert,  es dauert schier endlos, kommen dann die erlösenden Worte:

“Ok, you’ll get it! – take seat again, you’ll get your papers!”

Wir schauen uns verstohlen an, – ohne Worte, nur Blicke: YESSS!!!

Mit sämtlichen Fingerabdrücken und Fotos unserer Augen vergehen noch einmal 10 Minuten, alles zusammen gefühlte unendliche Stunden…

Inzwischen fahren wir durch den ersten Kreisverkehr in Calais, Maine USA!
Zum dritten Mal: 12 Monate USA… Unfassbar, sehr erleichtert und glücklich suchen wir den ersten Walmart für Lebensmittel – sind ja wegen des Grenzübertritts “blank” – ein geiles Gefühl – wir würden am liebsten die ganze Welt umarmen…

Die ersten Bilder – unsere Fähigkeit, die Faszination dieser Landschaft hier in Maine wahrzunehmen ist da und wir wissen, wo wir hinwollen…

Keens Family Campground, Calais, ME USA

Je näher wir kommen umso ruhiger werden wir und „so wünschen wir es uns“  wird es. Damit haben wir nicht gerechnet!

Der Platz direkt am Badesee inklusive Plattform zum Reinspringen.

Für morgen ganz früh spricht der Wetterbericht über den ersten Nachtfrost.

Mittwoch, den 18. September 2019    Balsam Cove Campground, Orland ME

Auf dem Weg Richtung Süden, ohne Interstates, wollen wir in der Nähe des Atlantiks bleiben und kommen deshalb an Campings vorbei, die wir schon kennen. Aber das will ja nichts heißen, darf ja ruhig…

…zumal Blue Hill, Webber‘s Cove Boatyard ganz in der Nähe, mir als ausgezeichneter Spielort des „Maine Boule Club“ mir und meinen Kugeln in schönster Erinnerung ist: Hier gewann ich vor einem Jahr mein erstes Preisgeld im Doublette-Turnier 2018 zusammen mit Ed…

Donnerstag, den 19. September 2019

Es ist kein Zufall, dass ich angenommen habe, heute an einem Donnerstag, wird hier ab 2 pm gespielt. Ich bin superpünktlich, die Spieler*innen trudeln tatsächlich ein: „Hi, I remember you! Nice to meet you again“, und es zahlt sich im wahrsten Sinn des Wortes aus: denn je später der Nachmittag, um so höher das Preisgeld pro Spiel.
Die ersten drei Dollar kann ich nicht zurück holen, das Spiel geht knapp verloren. Aber das nächste (und für mich auch das letzte) so ab halb fünf wird nach längerer Diskussion unwiderruflich um einen Einsatz von 5 Dollar gespielt: GEWONNEN!

15 $ im Sack! Ich glaube, ich werde nochmal Profi…

Es macht mit diesen entspannten Leuten hier aber auch richtig viel Spaß.

Ich freue mich schon jetzt darauf, einige von Ihnen beim großen Turnier in Fernandina Beach auf Amelia Island in Florida Anfang November wieder zu sehen.

Freitag, 20. September 2019

Wir sind verliebt in Belfast ME

Nicht nur, weil es für Vero dort einen der schönsten, weil reichhaltigsten Quiltshops gibt,

sondern weil ich die Gelegenheit habe, lustvoll bis in die hinterste Ecke des schnuckeligen Hafens zu schlüren. Fotomäßig komme ich überglücklich zurück…

…und treffe an der großen Kreuzung dieses aufgeweckten Ortes an allen vier Ecken sehr aktive, singende und Sprechchöre einübende, friedvolle Menschen jeden Alters in gemeinsamer „Friday’s for Future“ Aktion. Es tut gut, gerade hier, in einem so kleinen Ort an der Ostküste der USA (dieser nach außen hin den Klimawandel so dreist ignorierenden Großmacht) zu spüren, dass es doch so viele gleichgesinnte Menschen gibt!

Im Übrigen wie sie überall auf der Erde an diesem Freitag zu sehen sind. Wir können mit ihnen zusammen sein!

Das herbstlich kolorierte Laub ist zwar im Moment eher zu erahnen, dafür zeigt sich uns jedoch die spätsommerliche Sonne immer noch von ihrer besten Seite.

Gleich muss die Stelle kommen, von wo wir kurz vor unserem nächsten Campingplatz beim letzten Mal Feuerholz eingekauft haben.
Uncle Wally hat sich erheblich professionalisiert!

Sherwood Forest Campsite, Pemaquid Beach, ME

9 Kilometer weiter östlich finden wir einen unserer Traumplätze an der US-amerikanischen Atlantikküste. Er hat nichts von seinem Charme verloren und begrüßt uns wie gehofft mit der sonnigen Stille auf dem Platz Nummer 52, die wir uns für die nächsten Tage wünschen.

Das Holz im firepit erfüllt seinen leise vor sich hin knisternden, wärmenden und beruhigenden Zweck über mehrere Stunden…

Unser Weg zum Pemaquid Beach...

Holzschnitt bestreut, weich gepolstert führt er uns an diesen opulenten, hortensienähnlichen Sträuchern vorbei…

Schuhe und Klamotten aus…

…wenigstens für zehn Minuten noch einmal wahrnehmen, dass das Wasser des Atlantiks auch auf dieser Seite des Ozeans besonders im Herbst eine angenehme Temperatur hat.

Zu guter Letzt, ich komme vom Strandholz Einsammeln:

Natural firestarter for tomorrow…

13 Gedanken zu “Beamtenroute oder Reiselust?

  1. Liebe Vero, lieber Reiner
    Eure Reiseberichte und die Fotos sind wundervoll. Man könnte fast ein bisschen neidisch werden,
    „Unser“ Sommercamping schliesst am nächsten Samstag. Jetzt heisst es also alles zusammenräumen und winterfest machen. Am 7. November fahren wir nach Spanien und freuen uns viele Freunde wieder zu sehen.
    Euch beiden wünschen wir eine tolle und erlebnisreiche Zeit.
    Seid herzlich gegrüsst und geknuddelt,
    Priska und Peter

    • Liebe Priska, lieber Peter,
      Danke für Eure Kommentare. Es ist berührend zu merken, wie klein die Welt mittels des Internets geworden ist und ja, unser Platz in Spanien ist für 2020 schon mal reserviert! Wir wünschen Euch eine gute Reise in den Süden, Gesundheit und viele nette Leute um Euch herum…
      Seid umarmt
      Vero und Reiner

  2. Liebe Vero, lieber Reiner
    Eure Reiseberichte und die Fotos sind wundervoll. Man könnte fast ein bisschen neidisch werden!
    Wir wünschen euch eine tolle, erlebnisreiche Zeit und hoffen, euch irgendwann wieder zu sehen!
    Alles LIebe, Priska und Peter

  3. Ihr Lieben,
    wundervoll Euch für das kommende Jahr in den USA zu wissen; yeah!
    Mit euch habe ich die Einreis erlebt, und bin tatsächlich auch ein bisschen am Lagerfeuer angekommen.
    Euch viele Neue (und alt bekannte Eindrücke) auf eurer Route.
    Peter

    • Hallo Peter, wo erreicht Dich unsere Antwort?
      Wir haben es inzwischen von Maine über New Hampshire, Massachusetts, Rhode Island und Connecticut nach New Jersey geschafft. Unsere aktuellen GPS Daten: (41.1914635, -74.7463105) Der Herbst hat uns erreicht, die ersten Regentage machen uns klar: …so schnell wie möglich in den Süden!
      Liebe Grüße, Vero und Reiner

  4. Hallo , Ihr Beiden , Gratulation zu Eurer dritten Einreise in die USA . Das muss doch ein tolles Gefühl sein , wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen . Genießt die Zeit und bleibt gesund .

    • Ja, lieber Alfred, die Erfüllung unseres Wunsches…
      Wir passen gut auf uns auf, lassen es locker angehen und nutzen unsere Freiheit insbesondere für die Schönheiten am Rande. Wir sind uns bewusst, dass unsere Gesundheit sehr kostbar ist. Liebe Grüße Vero und ich

  5. Hallo Vero, hallo Reiner,

    gute Nachrichten, schöne Bilder: Schön, von Euch zu hören!

    Ganz liebe Grüße aus Herford von

    Anja und Dietrich

    • Liebe Grüße zurück nach Europa… Wir wissen bei Eurer Reiselust im Moment nicht genau, wo Euch unsere Antwort erreicht.
      In jedem Fall freuen wir uns auf unser Wiedersehen spätestens September/Oktober 2020 auf Rügen!
      Vero und ich

  6. Hallo lieve mensen,
    Mooie, uitgebreide, verhalen, begeleid door mooie foto’s 👍

    Fijn, dat het, uiteindelijk, gelukt is om een visum voor een jaar te bemachtigen!
    Wij volgen jullie met veel plezier en wensen jullie weer een erg fijne tijd toe.

    Veel liefs,
    Hanneke & Roelof 😘😘

    • Beste Hanneke, beste Roelof,
      we zijn erg blij met uw boodschap en volgen uw route met grote interesse. Als we terug zijn uit Noord-Amerika, willen we enkele van uw bestemmingen „volgen“….
      Groeten Vero & Reiner

  7. Hallo Ihr Lieben, mit Freude lese ich Eure Berichte. Aber was heißt -Beamtenroute-??? Auch ich war Beamter😜und Ordnung muss sein „Spaß“. Aber so ist es wohl im freiesten Land der Welt. Wir sind seit 14 Tagen auf dem Kiko und die Wärme ist fast unerträglich.33-35 Grad im Schatten. Manchmal !!! Da machr das Boulen keinen Spass . Der Platz ist wie immer rappelvoll, viele Engländer, die flüchten wohl alle von ihrer Insel??!! Nagut Ihr Lieben, Brigitte und ich grüßen Euch ganz herzlich und freuen uns auf den nächsten Bericht.

    • Liebe Brigitte, lieber Gerd, danke für Eure “Meldung” aus dem heißen Spanien…
      Wir wollten das weltweite Beamtentum natürlich nicht in seiner Bedeutung herabwürdigen ;-)), sondern zum Ausdruck bringen, dass wir uns bemüht haben, an der Grenze unsere “individuelle” Aufenthaltsdauer, ganz im Sinne unseres Mottos “mit der Sonne (zu) reisen”, möglichst erfolgreich durchzusetzen. Wir freuen uns nun sehr, die nächsten 12 Monate dort zu verbringen, wo wir es möchten…
      Ganz liebe Grüße aus den herbstlichen New England Staaten
      Vero und Reiner
      PS. Was ist mit vormittags Boule spielen, wenn es noch nicht so heiß ist?

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