Unsere Leichtigkeit des Seins…

…ist in Gefahr unter „die Räder“ zu kommen:

seit Samstag, 21. März 2020     Western Way RV Resort, Tucson AZ
(wahrscheinlich)
bis Montag, 20. April 2020

Fakt ist:
Wir reisen im Moment nicht mehr, sondern sitzen schnappatmend und dann wieder tief durch-, manchmal völlig überwältigt von der Flut der Nachrichten vor den schon eingetretenen Auswirkungen und vor allem vor den, als unausweichlich angekündigten unkontrollierbaren Wellen dieser Corona-Virus Pandemie.

Bevor wir uns zu diesem klaren „Reisestop“ und gegen eine „Flucht“ entschlossen haben, überlegten wir bis vor wenigen Tagen stundenlang:

Morgens nach dem Aufstehen ging es uns besonders schlecht. Aus einer Mischung ängstlicher Träume mit plötzlichem Aufwachen zusammen mit dem Lesen der Corona-Pandemie-Nachrichten aus aller Welt wurde unsere eigene Haltung immer wieder unsicher, rotierte und flatterte in gemeinsamen Vorfrühstücksgesprächen um alle möglichen und unmöglichen Entscheidungsvarianten:

  • Stellen wir unser Auto hier in Tucson AZ in ein Storage, fliegen vom nächsten internationalen Flughafen in der Nähe nach Hause und holen unser Auto nach der Krise wieder nach Deutschland zurück?
  • Fahren wir sofort auf dem ungefährlichsten Weg nach Baltimore ML und buchen für unser WoMo eine Schiffspassage? (Passagieren ist die Mitfahrt derzeit nicht erlaubt) und fliegen mit einer der nächsten Maschinen irgendwie auf dem schnellsten Weg nach Deutschland?
  • Versuchen wir trotz Einreisebeschränkungen die US-amerikanisch/ kanadische Grenze zu überqueren, bleiben die nächsten Monate in Kanada (wenn es denn überhaupt noch geht) und besorgen uns dann neben der Schiffskabine für August, die wir schon haben, eine Buchung auch für unser WoMo dazu?
  • oder bleiben wir hier wo wir sind?

Mit zunehmender Tagesdauer, längeren Perioden der Sonnenwärme und wenn wir uns dann gegenseitig unsere guten Gefühle und schlüssigen Argumente zum Hierbleiben versichert haben, klärte sich vieles:

Vor allem – inzwischen wir sind in „in ruhigere Fahrwasser“ gekommen!

  • Ein wichtiger Grundsatz unserer fast sechsjährigen Reisezeit bewährte sich auch in dieser unsicheren Zeit:
    Hat eine(r) von uns eine für sich feste Position hinsichtlich Bleiben oder Fahren erreicht, diskutieren wir nicht mehr, sondern nehmen die Klarheit als Paar an.
    Es wäre entschieden!

Wir gewannen von Tag zu Tag auf unserem Platz Nr. 164 auf dem Western Way RV Resort in Tucson Arizona immer deutlicher und zuversichtlicher eine gemeinsame Position:

Dabei halfen uns neben den „Unter uns Gesprächen“ viele FaceTime- und WhatsApp- Audio- und Videogespräche mit unseren Lieben in Deutschland, deren Inhalt von viel Sorge um uns und Interesse an uns geprägt waren und sind.

Dienstag, 31. März 2020    immer noch Western Way RV Resort, Tucson AZ

Hier stehen wir sicher und komfortabel, wenn wir wollen auch noch länger…
Mitten zwischen vielen „seniors“ aus den verschiedensten nördlichen Staaten der USA und südlichen Bereichen Kanadas.

So viele Rentner*innen können nicht irren…

Wir kaufen einmal die Woche ein und unser Humor hat uns auch nicht ganz verlassen:

Es zeigt sich, dass auch hier in den Einkaufszentren, drugstores und farmacies das „unfassbare Verlangen“ vieler Menschen nach Toilettenpapier in diesen Tagen und Wochen kein tiefer emotionaler nationaler Ausbruch allein deutscher KleinbürgerInnen ist, sondern offensichtlich fast alle menschlichen Zivilisationen tief trifft, jedenfalls die, die Toilettenpapier benutzen.
Ein Angstrausch über den gesamten Erdball!

Covid-19 schränkt natürlich in weiten Teilen unser Leben ein. Doch wir versuchen das, was wir jetzt noch tun dürfen und anderes, was wir länger nicht gemacht haben, (wieder) gerne zu tun:

Länger schlafen, Patiencen legen, Filme oder Serien schauen, quilten, Lesen, das Internet durchforsten, Auto waschen, Boule spielen, Fitnessübungen (nicht nur planen, sondern auch machen)

Mit anderen Worten: Wir fühlen uns in unserem Wohnmobil und in der Umgebung gut, weil wir die Voraussetzungen dafür uns nicht anzustecken ernst nehmen und uns dabei von allen Menschen ringsherum unterstützt fühlen.

6 ft social distance…

Unsere intensiven Diskussionen bringen auch Klarheit bezüglich der irgendwann anstehenden Rückkehr nach Herford:

Für die nächsten Jahre brauchen wir (mit dem Wohnmobil vor der Tür) einen Ort, an den wir immer zurückkehren können: Deshalb werden wir am 01. Oktober dieses Jahres wieder in unser Haus zurückgehen.

Unsere Entscheidung erstmal hier zu bleiben, verschafft uns unverhofft Zeit, uns ohne Druck mit den letzten Wochen unserer ungetrübten Reise durch Louisiana, Texas, New Mexico und Arizona zu befassen und sie in Form von Blogposts zu veröffentlichen:

Wir fangen gleich damit an!

Montag, 17. Februar 2020       South Toledo Bend State Park, Anacoco LA

Nachmittags Richtung Grenze zwischen Louisiana und Texas fahrend, wissen wir in strömendem Regen um einen sehr angenehmen Übernachtungsplatz… Auch, weil wir ihn 2018 schon einmal sehr schön fanden.

Holzfeuer und abendliche Draußen-Gemütlichkeit muss diesmal allerdings ausfallen. Es regnet anhaltend. Noch nicht einmal der gleich nebenan liegende Stausee kann uns uns zu einem Spaziergang anlocken. Die anschließende Nacht verbringen wir, wie immer in „unseren“ State Parks, besonders ungestört.

Dienstag, 18. Februar 2020     Rock´n E RV Park, Coldspring TX

Wir durchqueren in großer Ruhe, auch wegen der Verlassenheit und Einsamkeit ausstrahlenden Straßen und der Leere der dahin dämmernden Orte mit so klangvollen Namen wie Burkeville, Jasper, Science Hall, Woodville, Livingstone,

um nach vier Stunden in Coldspring im tiefen Texas anzukommen.

Wir werden ausgesprochen herzlich von den Besitzern des bewaldeten Familien Campings in Empfang genommen und erfahren schon kurz nach unserer Ankunft auf unsere Frage, wo es das beste Frühstück in der Stadt gebe, natürlich im The Paradise Grille!

Hier gibt es an manchen Stellen sichtbar noch den Stolz über eine ruhmreiche Vergangenheit.
Die „falschen“ Giebel verklären die Fassaden einfacher Holzbauten mit den Schaufenstern vieler kleiner, meistens vor sich hindämmernder Stores.

Krimskrams, überflüssige Geschenkartikel, ein Quiltladen mit durchaus sehenswerter Stoffauswahl: das sind wohl die Einnahmequellen der Kaufleute, die sich überfreundlich um jede Kund*in kümmern…

Wir kommen wohl irgendwie zwischen den Zeiten:
fast zu spät zum Frühstück und zu früh zum Lunch. Trotzdem bekommen wir noch alles, was uns seit gestern Abend schon das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ:
Perfekte Hash Browns, fried Eggs (over easy), wheat Toast, Bacon und jede Menge American Coffee, refilled bis zum Abwinken…

Wir müssen ein solch reichhaltiges und fettes Frühstück nicht jeden Morgen haben und fahren weiter – ein festes Ziel vor Augen!  Die Hauptstadt von Texas: Austin!

20. – 23. Februar 2020       Lost Pines RV Park, in Barstop TX,

Unsere Reservierung für diesen Campinglatz hält uns während der Nächte aus der Stadt heraus.

Hier unser Ziel für Freitag, den 21. März 2020:

Es gibt für Vero unendlich viel Schönes zu sehen und zu kaufen… Handgequiltetes, wunderbare Farben, perfekte Designs, sehr nette Händler*innen mit ihrer jeweiligen riesigen Auswahl an Stoffen, Zubehör, Anleitungen, Zeitschriften, Longarm-Nähmaschinen mit perfekten Quiltvorführungen.

Auf dieser Messe bin ich eher als „Bodyguard“ für ihre Sicherheit zuständig…

Wenn sie sich zum Beispiel mit einer Ihrer Favoritinnen: Edyta Sitar aus Kalifornien – Laundry Basket Quilts – zum gemeinsamen Foto aufstellt, bin ich in ihrer Nähe, fotografiere
…und komme mit ihrem Mann ins Gespräch, der sich für unsere Reise interessiert – wohl auch, weil seine Frau aus Polen kommt und ab ihrem 13. Lebensjahr in Köln gelebt hat, bevor sie dann in USA gelandet ist und ihren Mann kennenlernte.
Jedenfalls holt er sie dazu und prompt sind wir beide am Ende dieses sehr angenehmen Gesprächs zu einem gemeinsamen Sushi-Essen zu Ihnen nach Ventura, CA eingeladen.

Nach vier Stunden Stoffe, Farben, Muster, Staunen, Kaufen, Reden sind wir durch: Ein besonderer Tag voller amerikanischer Frauen-Kultur und -Tradition: Tausende sind aus allen möglichen Ecken der Nation hierher gekommen und fast alle fahren oder gehen mit derselben meistens prall gefüllten Einkaufstasche wieder nach Haus
Der Bus der Linie 20 bringt uns, wie schon heute vormittag in umgekehrter Richtung, innerhalb einer halben Stunde für $2,50 zu unserem Wohnmobil am Morris Williams Golf Course an der Manor Road zurück. Jetzt nur noch weitere 30 Minuten „selbst fahren“ und wir stehen wieder sicher…

Sonntag, 23.02.2020         Mc Kinney Falls State Park, Austin TX

Dieser State Park ist uns aus 2018 noch in bester Erinnerung. Ich freue mich auf mein für heute geplantes und durch eine E-mail an Jim Schwobel vom Hearts of Texas Petanque Club abgesichertes Boule-Spiel unter dem schattigen Dach des Browning Hangar, diesem einmaligen Ort, um in aller Ruhe und geschützt vor allen Wettern dem Spiel nach dem Farmer’s Market ab 3pm frönen zu können.

Ich habe mal wieder wunderbar unterhaltsame Stunden zusammen mit der „Gang“ vom Hearts of Texas Petanque Club, Austin TX und Jim, dem wunderbaren Gastgeber. (Ich hoffe Dich in Frankreich wiedersehen zu können: Auf ein schönes Spiel „Allez les boules!“)

Hier noch ein paar Impressionen der McKinney Falls, von Abstandhaltern und von einem verständlichen Wunsch: „2020 bitte irgendein anderer!“ – Sowas gibt es auch in Texas

24. – 26.02.       Riverway RV Park, Llano TX

Wir brauchen wieder Ruhe nach der großen Stadt…, fahren unverdrossen weiter Richtung Westen und landen auf dem gepflegten Platz mit vielen „Snowbirds“ am Ufer des Llano Rivers.

Wer es nicht von sich aus bemerkt: Unsere guten Campingsessel, die wir aus Deutschland mitgebracht haben, sind mitsamt eines Hockers und einer passenden kleinen Tischplatte weg!
Sie sind uns im McKinney State Park geklaut worden. Definitiv! Die eingeschaltete State Park Polizei und die Ranger konnten uns vor unserer Abfahrt nur noch ihr Bedauern über unseren Verlust ausdrücken.

Am nächsten Tag weiter Richtung Westen mussten wir nicht all zulange suchen und fanden zwei chinesische à $16! Schick oder?

Wir finden, dass wir uns dieses herrliche Abendessen verdient haben:

– Kichererbsen-Spaghetti,
– 1 lbs Shrimps
– mit reichlich frischem Knoblauch in heißem Olivenöl gebraten
– dazu die fertigen Spaghetti
– mit Old Bay gut gewürzt,
– und daneben geschnittene Salatherzen mit verschiedenen Dips,

Baguette und einen Roten bzw. Weißen dazu…

…and a mild evening by the Llano River

 

6 Gedanken zu “Unsere Leichtigkeit des Seins…

  1. Liebe Biggi, lieber Wolfgang,
    was für eine verrückte Zeit: Wir haben das Gefühl, sie steht still…
    Is natürlich Quatsch, aber wir sind schon viel stärker aufgefordert, immer wieder etwas „aus uns selbst heraus“ zu tun. Ist richtig gut!
    Danke für die Streaming Tipps! Einen zurück: „Unorthodox“ auf Netflix.
    Wir sehen uns im Herbst und freuen uns schon auf Euch.
    Liebe Grüße in den Frühling
    Vero & Reiner

  2. Ihr wisst es ja schon längst, dass wir uns über Eure sichere Heimkehr freuen.
    Wir stehen safe und freuen uns über jeden Sonnenstrahl. Haben für 12 Tage eingekauft und haben eine gute Zeit vor uns. Liebe Grüße 😘😘

  3. hallo,
    endlich, corona sei dank, gelegenheit zum schreiben und lesen von blogbeiträgen. ich nun während der selbstverordneten quarantäne in dinslaken, ihr im reizenden tucson, bei sonnenschein, wein und müßiggang… wir freuen uns auf ein wiedersehen in good old germany!
    lg manfred (und natürlich sabine)

  4. Hallo Vero, hallo Reiner,
    ja, Corona bringt (fast) alles durcheinander, bei Euch allerdings anders als bei uns.
    Ich glaube, Ihr tut recht daran, cool zu bleiben und nichts zu übereilen. Vielleicht könnt Uhr ja von Eurem jetzigen Standort aus etwas darüber in Erfahrung bringen, wie die kanadísche Einwanderungs-
    behörde mit deutschen WOMO- Reisenden umgeht.
    Viel Hoffnung auf eine Einreise dort würde ich mir allerdings auch nicht machen, eher lassen Euch die Amis raus und die deutschen rein. Aber wem schreibe ich das……
    Nochmal: Wenns Euch gut geht, wo Ihr seid…..abwarten.
    Bei Anja und mir bedeutet Corona: ‚home office‘, bei Anja ‚immer mal zwischendurch‘, was, glaube ich, ziemlich blödsinnig ist! Bei mir: 14 Tage lang (mit Unterbrechungen z.B. für Vorstellungsgespräche) ab morgen, 6.4.20. Letzte Woche hatte ich Urlaubssperre, jetzt soll ich bis Ende Mai unbedingt Resturlaub nehmen.
    Drumherum ist bundesweit ‚Kontaktsperre‘.
    Man kann trotzdem raus: Heute haben wir z.B. bei phantastischem Wetter eine Radtour gemacht. Überall waren die Leute unterwegs, aber mit Abstand.

    Ich hatte den Fotoapparat mitgenommen, jetzt weiß auch warum: Ich hätte einige Fotos aus der Heimat für Euch machen können. Was ich nicht weiß: Warum ich keine gemacht habe!! Hole ich aber nach!
    Versprochen.

    Lasst es Euch trotz allem gut gehen und: Immer schön negativ bleiben!!

    Ganz lieben Gruß

    Anja und Dietrich

  5. Liebe Veronika, lieber Reiner, ein besonderer Beitrag eurer Reise!
    Biggi und ich haben schon mehrfach an euch gedacht, wie ihr mit dieser Herausforderung umgeht. Zumal unter dem Aspekt, dass nach unseren Eindruck, die USA, allen voran Herr Trump, die Dinge etwas entspannter sehen. Wir denken mit eurer Entscheidung „stay home“ zu bleiben, die richtige getroffen habt, geniesst die Zeit. An dieser Stelle 2 Miniserien, die eure Zeit vielleicht etwas verkürzt: homecoming auf Prime und unbelievable auf netflix. Neben fantastischen Schauspielern, fesselnde Spannung!
    Wir hoffen, dass sich die Situation bald etwas entspannt und das „Leben „ wieder anläuft! Bei uns ist alles Ok, bleibt gesund und bis bald!
    Biggi&Wolfg

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