Zuggesang

Zuggesang, rädernd und laut…

Sonntag, 16. August 2015

Das Züge solche Geräusche machen können:

Sie kommen die ganze Nacht hindurch unvorbereitet direkt auf uns zu, zuerst das Brummen und das niedrigtaktige langgezogene BRRRRRRRRRrrrrrrrrrrrrrr der Lokomotiven und dann…

Dieses Hupen zwanzig Meter vor unserem Fenster unheimlich und unverschämt dreiklangig laut und vom Bett aus unberechenbar so lange, bis der Bahnübergang nebenan, schrankenbewehrt, auch wirklich, wirklich von keiner Schnecke mehr versperrt wird.
Es dauert, bis er nicht mehr zu hören ist, geschlagene sechs Minuten, er ist anderthalb Meilen lang, das sind mehr als 2,4 km.

Ich habe sie gezählt, die Waggons: einhundertzwanzig Stück hintereinander, dazu diese insgesamt vier Zug- und Schubkolosse, zwei am Anfang, zwei am Ende…

Das „Schönste“: Die Räder tönen die ganze Zeit unablässig basstief stöhnend, dazwischen hochtfrequenzig quiiiietschend, wie wenn Metall in kurzen Intervallen geschliffen wird, in unterschiedlichen Schwingungen, die ganze Vorüberfahrt dauernd, extrem gelangweilt vor sich hin.

Bis ihr Gesang zum Schluss durch die von hinten schiebenden Diesellokomotiven brummend und röhrend, langsam abnehmend, durch wieder ansteigende Ruhe abgelöst wird.

So und jetzt am Morgen bin ich schon Experte für die unterschiedlichen Geräusche voller oder leerer Züge. (Natürlich auch für die Antwort auf die Frage, ob sie von links oder von rechts kommen):
Ich kann unterscheiden, ob sich in die oben beschriebenen Geräusche das zuverlässig wiederkehrende Klack, Klack,…. Klack, Klack,…. Klack, Klack… der Metallräder mischt oder nicht.
Wenn nicht, dann ist eben keine Kohle drin.
Solche Gedanken kommen einem nach geräderter Nacht…

Hier sind wir gelandet, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, und genau hier hat uns die Eisenbahn erwischt, auf dem „Chuck Wagon RV Park“, Fort Laramie, Wyoming.

Zu spät haben wir auf der Homepage dieses Platzes gelesen: „Ein RV Park für die Freunde der Eisenbahn…“:
Ist nichts mit „Planwagen“ (Übersetzung für Chuck wagon)…

Unsere gestrige Fahrt hierher ist eine Geschichte für sich:
Als wir South Dakota nach Süden verlassen, um nach Fort Laramie zu gelangen, dreht uns unser Navi irgendwann in östliche Richtung auf Nebraska zu. Es könnte gut sein, dass es uns die schnellste Route zeigen wollte.

Dazu müssen wir aber in dieser verfluchten, heißen Einsamkeit den richtigen, das heißt, geteerten Weg finden. Denn inzwischen ist ohne Hinweis unseres Navi’s aus dem Hwy eine Gravel Road geworden

und so richtig heimelig sieht es am Straßenrand auch nicht aus.

Weil wir nicht wissen, wieviele Kilometer/Meilen das so weiter geht, entschließen wir uns, wieder zurückzufahren, dass sind dann mal eben 50 Kilometer zusätzlich.

Umsonst oder doch nicht?

Und jetzt sind wir hier.

Ich erinnere mich daran, dass ich als Kind oder Jugendlicher manchen „Schmöcker“ oder Film gesehen habe, in denen Fort Laramie als Ort kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen der Kavellerie der Amerikaner und den Indianern eine wichtige Rolle spielte.

Diese verlassen wirkende Realitat hat so gar nichts von dem Erinnerten: Zwanzig Häuser, anderthalb Straßen, ein Bahnübergang und siehe oben…Da muss doch noch mehr sein und richtig:

Bevor meine Enttäuschung vollständig um sich greift, weiß Vero schon längst, wo sich das eigentliche Fort Laramie befindet.

Sie dirigiert mich 3 Meilen weiter südwestlich und dort finden wir dann die Historic Site, die sich, als wir auf dem Gelände angekommen sind, als äußerst interessanter Ort mit vielen verschiedenen Aspekten seiner in der Vergangenheit unterschiedlichen Zwecken, zeigt.

Offiziers- und Mannschaftsunterkünfte, Appellplatz, und Visitorcenter…

wo es unter anderem einen informativen Film gibt, der zeigt und beschreibt, wie unterschiedlich dieser Ort in der vergangenen Realität ge- und missbraucht worden ist.

Wir fahren am Mittag weiter, bleiben (nahezu) auf dem Oregon Trail, dem Weg, den die „Westwärtsauswanderer“ vor mehr als 150 Jahren genommen haben.

Hier bei Guernsey finden sich die berühmten Planwagenräderspuren im Gestein, ja wirklich:

Jetzt aber ist unsere Fahrt Richtung Westen erst einmal vorbei.
Ab sofort fahren wir den Auswanderern auf dem Oregon Trail entgegen, also gen Osten…

Chattanooga Choo Choo!

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