Vero Finn und Reiner Saywer

Donnerstag, 27. und Freitag, 28. August 2015

Cuivre River State Park Campground, Troy, Missouri

Der „Ankomm-Kaffee“ schmeckt total lecker, genauso mein schon obligatorischer Blaubeermuffin

und 5:30 nachmittags ist überhaupt eine gute Ankunftszeit:

Wir können uns einrichten:
Sitecard zum Checkin Schalter, bezahlen, Card am Auto und an der Site befestigen
Vero macht die Fensterabdeckung zu, ich verriegele die vorderen Türen,
Im Kalender und im Tageskilometerbuch die Anzahl der gefahrenen Kilometer und den Campground notieren

Es riecht schon gut nach Essen…

…und abhängen.

Heute Morgen jedoch sind wir im Pershing Statepark, Missouri abgefahren nach Hannibal, der Geburtsstadt von Mark Twain.
Ob wir im Laufe unserer Reise wohl noch nach Chicago kommen?

Kurz vor der Abfahrt heute morgen ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir es tun werden, größer geworden.
Denn gestern abend trafen wir, wie schon das eine oder andere Mal, auf sehr freundliche US-Camper, diesmal Ellen und Tim aus Illinois, sehr in der Nähe von Chicago lebend. Sie sind im Rahmen ihres „2nd Honeymoon“ auf dem Weg zum Grand Canon.

Auf einem Zettel, den Tim am nächsten Morgen eigentlich unter den Scheibenwischer unseres Autos klemmen wollte, aber ihn mir, da wir uns doch noch persönlich treffen, in die Hand drückt, steht wie sie heißen, wo sie wohnen, ihre Telefonnummern, ihre E-Mail Adressen und die Einladung: ‚PARK IN OUR DRIVEWAY and take the train to Chicago‘!

Und? Sollen wir so ein Angebot nicht annehmen?

Aber jetzt zu Hannibal:
Der nächste abenteuerumwobene Fluss liegt direkt vor uns und als wenn er uns begrüßen wollte, trötet ein am Kai liegender kleiner Mississippidampfer uns ohrenbetäubend etwas vor. (Er kündigt allerdings nur seine Abfahrt an)

Der Anblick wird getoppt durch einen riesigen Raddampfer, die „American Queen“ , ein Flusskreuzfahrtschiff für die ältere und reichere Bevölkerungsgruppe des mittleren Westens, der hier seine Tagespause macht.

Er liegt „vielbalkonig“ vor uns und lässt die Passagiere per Bus dreihundert Meter in die Mainroad, Downtown Hannibal bringen…

Wenn diese wirklich ansehnliche, auf die Kreuzfahrtkunden ausgerichtete Einkaufshalbmeile nicht wäre, kann man vermuten, dass es ohne „Tages-Stop“ dieses Schiffes schon lange kein „Mark Twain Museum“, nicht so viele nette Restaurants, keine Art-Galeries, keine Cafés und keine frisch gestrichenen Fassaden mehr geben würde.

So, Chapeau, ist diese Straße das „Filetstück“ dieses Städtchens.

Aber gestern war auch noch ein Tag und der begann mit einer kurzen Strecke von 15 km; los geht’s am Basswood CG in Platte City zur Harley-Davidson Produktion in Kansas-City.

Dort erwartet uns eine einstündige Factory Tour. Zu deutsch „Betriebsbesichtigung“.
Datenkarte ausfüllen, eine Stunde warten, Probesitzen auf verschiedenen Modellen der Harley, Fotos geschossen,

dann ein Film über die unvergleichliche Geschichte dieses Motorrades und anschließend Schutzbrille auf, Audioempfänger mit Kopfhörer an den Mann bzw. die Frau und rein in den ohrenbetäubenden Fabrikkrach der Roboter, Pressen, Laserschneider, Pressluftschrauber und Lackierpistolen.

Sich ca. einen Kilometer immer schön auf dem schmalen Weg zwischen den gelben Markierungen für Visitors bewegen und vor allem ohne auch nur ein einziges Wort der Erzählerin in ihrem im Harley-Davidson Tempo dahingeschlunzten Amerikanisch zu verstehen, trotz dieses ewig im gleichen Tonfall dahinblubbernden Sch(w)alls aus dem Kopfhörer etwas von dem zu begreifen, was sich hier in diesen riesigen  Hallen alles bewegt, war schon richtige Arbeit, ich würde sagen, eines Stummen, der zwar alles hört, nichts versteht und trotzdem versucht zu begreifen.

Hier entsteht also, wirklich beeindruckend, das Hilfsprodukt für „Freiheitssüchtige“, Individualität Suchende, wie Klaus Duhm vor fünfzig Jahren im Rausch der 68iger sinngemäß schrieb, ein Produkt, das den „Wa(h)rencharakter der zwischenmenschlichen Beziehungen“ im wa(h)rsten Sinne zum Auspuff bringt.

…und dann fällt mir anschließend, ausgerechnet mir, dem der letzte Satz aus der Feder in das Ipad gesprungen ist, während der Fahrt auch noch ein, Vero darauf aufmerksam zu machen, dass am Highwayrand darauf hingewiesen wurde,

dass fünf Kilometer vor uns die Hauptstadt des missourischen Quilthandwerks, Hamilton, mit „The World greatest Quiltshop“ Missouri-Star, auf uns wartet.

Ich hätte es besser wissen müssen, der „Star“ wartete auf Vero und ich auf sie.

Diese Fotos sind dabei entstanden.

Let’s quilt together!

2 Gedanken zu “Vero Finn und Reiner Saywer

  1. Hallo HW,
    danke, Du triffst unsere Empfindung mit Deinem Kommentar sehr schön. Viel „vergangenes“ Europa gehört für die Menschen hier zur bewahrten Tradition und zum Ursprung Vieler. Daraus erwächst hier Kraft und Mut für Gegenwart und Zukunft.
    Liebe Grüße
    Vero und Reiner
    PS. Es sind nur gute 6000 km oder 7 Stunden. Nach Stockholm brauchst Du manchmal länger und ’ne Harley kannste hier auch mieten…

  2. Guten Morgen Reiner und natürlich auch guten Morgen Veronika,
    euer Bericht mit der Motorradproduktion von Harley Davidson ist zwar noch von Ende August, aber beim Lesen heute Morgen habe ich euch sooooooooooooooo beneidet. Auch als „nur“ BMW-Biker wäre ich als „Mann der Fertigung“ gerne dabei gewesen. – Und anschliessend auf einem Mississippi-Dampfer ins Casino?
    Auf dem Weg nach Chicago einen Abstecher nach Moline und den „Rosty Palace“ vom finnischen Architekten Saarinen besuchen? – Danke für die vielen tollen Fotos aus der „neuen Welt“. Beim Betrachten von so manchem Motiv spürt man das Flair aus der Zeit der Besiedlung durch die damaligen „Ossies“ – da liegt doch Europa von euch aus gesehen – und erinnert sich an die Zeiten, als wir Jugendbücher über Amerika gelesen haben. Wann geht es weiter … ? Freue mich schon auf den nächsten Bericht!

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