Californische Tage

Freitag, 1. April 2016

Wir verlassen San Francisco über die gleichnamige Bay auf dem Hwy 101, dem kürzesten und besonders markanten Weg nach Norden.

Denn die Golden Gate Bridge trägt uns Richtung Sausolito. Auf Kleinststraßen, den Berg hinunter ans Wasser, den nächsten „Safeway“ zum Einkaufen finden. Die Clubkarte, Vero ist „Member of Safeway“, hilft uns die Waren zum günstigeren, aber immer noch happigen Preis zu bekommen.

Eigentlich wollen wir ins Nappa Valley, dem berühmten kalifornischen Weinanbaugebiet, nordöstlich von San Francisco.
Wir entscheiden uns dann aber für Sonoma Valley, gleich westlich von Nappa, nebenan.

Nicht ganz so bekannt, aber auch nicht so tourimäßig überlaufen und landschaftlich ein Traum, grün, grüner, am grünsten.

Hier schwingt auch ein Hauch von Toscana mit…

Wir haben einfach den richtigen Zeitpunkt erwischt: Der Wein kommt mit seinen Trieben kräftig der Sonne entgegen.

Die Bäume bemerken, dass es Zeit wird, den Saft der Blätter zu deren Wachstum zu nutzen, teilweise schon, wie die Kirschen, die Blüten an die frische Frühlingsluft zu lassen. Das Gras ruft geradezu danach, gemäht zu werden.

HIMMEL ist ein unzureichender Begriff für diese fantastische Erscheinung über uns und um uns herum.

Er zeigt sich als eine poetische Art von Streicheleinheit für unsere Seele und lässt uns nicht mehr los…

Unsere Einfahrt nach Sonoma ist eine angenehme Überraschung.
Wir haben nicht damit gerechnet, dass dieser kleine Ort uns mit einem ambitionierten Visitorcenter in einem zentral gelegenen Park begrüßen würde.

Wir beflügeln die nette ältere Dame dort, uns ihr „Café-Wissen“ zur Verfügung zu stellen, indem wir ihr unsere „so called“ Zauberfrage stellen: Wenn sie in angenehmer Atmosphäre hier in der Nähe einen Kaffee trinken und ein Stück Kuchen essen wollten, wo würden sie dann hingehen?“ That works!

Einmal quer durch den Park und schon sitzen wir im Garten des „Sunflower Caffee Espresso & Winebar“ und chillen mit Kaffee und Muffin unter einer zugewachsenen, schattenspendenden Pergola.

Ich wundere mich selbst gerade, wieso ein so simpler Cafébesuch uns in eine echt euphorische Stimmung versetzen kann.
Am späten Nachmittag begegnen wir den hohen Preisen auf kalifornischen RV Parks dadurch, dass wir in Santa Rosa den Fairground anfahren.

Jetzt weiß ich, dass es sich um Wohnmobilstellplätze auf dem städtischem Kirmesplatz handelt.
Gut geschlafen!

Samstag, 2. – Montag, 4. April 201

Wir packen die ersten Berge an…

und landen am frühen Nachmittag am Clear Lake in Nice CA.

Der Aurora RV Park hält einen Platz „lakeside“ für uns bereit

und wir entschließen uns spontan für mindestens 3 Tage hier zu bleiben.

Der Frühling meint es einfach saugut mit uns. Wir genießen das Draußensein, die Ruhe, die Wärme.

Viele Angler können sich nicht irren, zumindest was die Frage anbetrifft, ob es sich lohnt, den See für’s Abendessen zu nutzen.

Das Gefühl, zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle zu sein, hat unseres Erachtens erstens nichts mit Geld zu tun und zweiten nichts mit berühmten Sehenwürdigkeiten.

(Fast) alles richtig gemacht…
Wenn mir nicht beim Dumpen der Toilettencassettenverschluss in den Abfluss gefallen wäre!
Ne, Manfred? Is‘ blöd! Nur wir haben keine zweite Cassette dabei…

Wie bekomme ich ihn wieder raus? Nach vielen Mühen ist klar… Gar nicht!
Selbst der geschickte Mitarbeiter des Platzes, der grenzenlos optimistisch seinen Arm mit „Spüli“ einreibt, scheitert wegen seiner ausgeprägten Unterarmmuskulatur am zu engen Querschnitt des Rohres.
Also erst mal provisorisch mit Alufolie und Gummiring die Casette abgedichtet.
Na ja… nur eine kleine Anekdote.

Der Clear Lake hat seinen Namen offensichtlich schon vor längerer Zeit bekommen, denn als ich das Kanu zu Wasser lasse, um eine Runde auf ihm zu paddeln, kann ich an keiner Stelle, selbst nicht direkt am Ufer, den Grund des Wassers erkennen.

Zumindest die frischen Pollen der am Ufer stehenden Bäume bedecken das Wasser schon so dicht, dass die Oberfläche aus der Nähe betrachtet eher einen gelblichen Ton in filziger Struktur angenommen hat.

Ansonsten stellt sich die Frage, was könnte denn auf diesem riesigen See ein interessantes Ziel sein, dass ich von Land aus nicht entdecken kann?
Erst mal raus aufs Wasser-einen neuen Blickwinkel bekommen-und dann warten.

Es braucht nicht lange, dann ist es klar: Dahinten ertönt mein Ziel, ungefähr 1 Meile nach Norden, stampfender Beat… aus einem BBQ am Ufer, viele Menschen lassen es sich richtig gut gehen – genau es ist Wochenende.

Dienstag, 5. – Donnerstag, 7.April 2016

Jetzt kommt es wirklich richtig „dicke“.

Wir nähern uns den größten, stärksten und ältesten Bäumen, die wir jemals gesehen haben.

Wir übernachten auf dem gemütlichen Richardson Grove Campground And RV Park bei Garberville,

lernen die liebenswerten Pat und Rod beim Wein kennen und erfahren viel über das unerschütterliche Selbstverständnis eines typischen Selfmademan des kalifornischen Nordens. In den letzten fünfzig Jahren Geld mit Computern bei IBM gemacht und heute Verkäufer von Firewood aus eigenen Wäldern.

Das A-Class Motorhome und der Stolz darüber sagen alles…
Die deutschen Wurzeln stellen eine Verbindung zu uns her und sie lassen uns zum Abschied mit einer guten Flasche kalifornischem Weißwein weiterfahren.

Dazu biegen wir vom Redwood Hwy ab, hinein in die Avenue of the Giants.

Zum x-ten Mal, wahrscheinlich nicht zum letzten Mal, können wir „kleinen Menschen“ uns nicht satt sehen.

Diesmal sind es diese Superlativ-Geschöpfe, Küsten-Redwoods oder Mammutbäume genannt.

Wir stehen vor, auf und in diesen bis zu mehr als 100 Meter hohen und um die zweitausend Jahre alten Geschöpfen, stellen mit unseren winzigen „Patschehändchen“, die ihren Zenit mit 60 bis 70 Jahren ja schon überschritten haben, eine energetische Verbindung her und wünschen uns etwas von ihrer fast unerschöpflichen Kraft in uns hinein.

Es wirkt als ein unbeschreiblicher Fluss von Gefühlen und Gedanken, die uns diese Riesen in der mittäglichen Dunkelheit unter ihrem fast alles Sonnenlicht absorbierenden immergrünen Dach schenken.

Es ist gut, dass in diesen Wäldern der Holzeinschlag nicht weiter fortgesetzt wird.
Die letzten 150 Jahre wurden die meisten Holzhäuser an der nordamerikanischen Westküste aus Ihrem so unverwüstlichen Material gebaut und lassen sich genau deshalb auch heute noch, zum Beispiel in Haight Ashbury in San Francicso, so kunstvoll gebaut und bestens erhalten, finden.

Freitag, 8. April 2016

Wir müssen unbedingt, auch wenn die Preise unverschämt sind, eine Nacht unter diesen Bäumen nächtigen.

Die Riesen im Burlington Campground des Humboldt-Redwood State Park bewachen uns im tiefsten Dunkel ohne jegliches Sternenlicht…

Good vibrations to you all…

5 Gedanken zu “Californische Tage

  1. Hallo , ihr Beiden ,
    schön wieder so viel Interessantes und Berauschendes von euch zu hören und zu sehen.
    Da ich gut drei Wochen abwesend war , habe ich die letzten Berichte jetzt alle nacheinander
    gelesen und bin wieder total begeistert. Natürlich auch darüber , dass es euch offensichtlich
    weiterhin richtig gut geht. Ich wünsche euch von Herzen weiterhin alles Gute und freue mich
    schon wieder auf eure nächsten Abenteuer.
    Liebe Grüße
    euer Alfred.

    • Lieber Alfred,
      Es ist schön von Dir zu hören und dass Du wieder gut zuhause angekommen bist.
      Uns geht es gut und unserem Auto auch wieder…
      Familientreffen „mit uns“ finden wir natürlich wunderbar und freuen uns schon sehr auf Euch.
      Liebe Grüße
      Reiner mit Vero

  2. Hallo Vero, hallo Reiner,

    vielen Dank für Eure Berichte! Immer wieder schwer beeindruckend!

    Wir haben heute die traditionelle Pfingstveranstaltung auf dem Plan.
    Wenn das Wetter es zulässt radeln wir nach Lemgo und lassen uns dort
    die alte Hansestadt von einem Stadtführer zeigen. Dann gehen wir zusammen essen.

    Wie gesagt, radfahren, wenn das Wetter es zulässt, sonst eben ohne Radtour, man darf gespannt sein……

    Regen scheint es ja in USA nicht zu geben……..komisch……

    Lieben Gruß

    Anja und Dietrich

    • Hallo Anja & Didi,
      wie gerne wären wir mit Euch nach Lemgo geradelt.
      …im Übrigen schafft es meine Reiseplanerin immer wieder, uns so zu dirigieren, dass es für uns keinen Winter, sondern nur ganz viel Frühling, Sommer und Herbst gibt. 😎😎
      Liebe Grüße

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