Provinzschönheiten

Freitag, 8. April / Samstag, 9. April 2016

Wir verlassen die Redwoods, wenden uns bis auf weiteres kleineren Schönheiten zu

und suchen uns am Ufer des Eel River einen netten Frühstücksplatz.

Unsere Entscheidung steht, den nördlichsten Punkt unserer Reise in California auf der Höhe von Eureka an der Pazifikküste zu finden.

Auf dem Weg dorthin machen wir einen Abstecher für eine Fotosession nach Ferndale.

Wir lieben diese ungebrochen historischen Silhouetten der kleinen Städte…

Meistens, wie hier, ist die jeweilige Main St. das traditionelle Aushängeschild.

Anschließend nehmen wir uns zwei Tage Auszeit auf dem „Redwood Acres Fairground RV Park“ in Eureka CA.

…und lernen die verschiedenen Kleinode dieses Städtchens in der 2nd St. kennen, zum Beispiel den Pizzabäcker an dessen Backofen wir nicht ohne Speichelfluss vorüber kommen.

Ein Viertel kostet 3 $. Wir lassen es zugunsten unserer Figur noch einmal durchschneiden…

Beeindruckend, dieser wunderschöne Buchladen, der eher einer vielleicht hundertjährigen präsentablen Bibliothek gleicht, entsprechend ruhig geht es hier tatsächlich zu.

Aber letztendlich stellen wir übereinstimmend fest, ist Eureka im Grunde genommen, bis auf die 2nd und 3rd Street, völlig austauschbar, quadratisch, praktisch,…

Der lange Riverwalk an der Wasserkante entlang, den wir nach einem ausgiebigen Frühstück im (durch unsere Zauberfrage gefundenen) „The Greene Lily“ entlang spazieren, beendet unseren ’na ja‘ Schnupperkurs durch die Stadt.

Das war’s denn auch schon..

Sonntag, 10. April 2016

Natürlich haben die großen Geschäfte alle geöffnet und wir bekommen damit die Chance auf einen Ersatz für den fehlenden Toilettencasettendeckel.
Kaum zu glauben, auf dem Weg raus aus der Stadt finden wir nach dem Besuch des riesigen Baumarktes, durch den Tip eines dortigen Mitarbeiters, einen gut sortierten RV-Part-Dealer um die Ecke.

Er schraubt von seinen im Angebot befindlichen Porta Potti von Thedford einen für uns passenden Deckel ab.
Das ist großer Service, er wird sich für seine jetzt geplünderte Cassette einen neuen Deckel besorgen.
So einfach kann das sein!

Um von hier aus hin zur Wärme in die Wüsten, Canyons und Berge zurückzukehren, müssen wir das Küstengebirge, ist ja von West nach Ost nur 180 km breit, durchqueren…

Dazu wählen wir den Hwy 36, was aber nicht bedeutet, 4-spurig und immer gerade aus, sondern im Schnitt mit 30-40 km/h am Lenkrad kurbelnd, rauf und runter, also ehrlich gesagt, für heute ungefähr 40 km bis zum Riverside State Park eher immer rauf…

Weil wir aber offensichtlich noch vor der Saison sind, ist dort „tote Hose“, hier übernachten nur völlig ungestört: Bäume und Tiere.
Wir müssen uns entscheiden, es ist so gegen 2 pm: die nächsten 180 km weiter durch die Berge oder die letzten 30 km noch einmal zurück und morgen früh das Ganze noch mal.

Keinen Stress…

Also auf dem jetzt überschaubaren und für uns schon bekannten Weg zurück.
Nach einer Stunde stehen wir in Fortuna auf dem Riverwalk RV Park, für 45 $ die Nacht ein putzsauberer Platz.

Kannste nicht meckern…

Montag, 11. April – scheinbar unendlich

Früh am Morgen lässt es sich eigentlich gut durch die „windy roads“ des Küstengebirges fahren,

wenn uns nicht zunehmend ein nerviges Geräusch von der Vorderachse immer mal wieder aufhorchen ließe.
Besonders bei kurvigen Bergabfahrten ist das gar nicht mehr komisch…

Schaffen wir es noch bis Red Bluff, unserem Ziel für die nächsten Tage?

Verrückt, manchmal ist nichts zu hören und dann wird’s wieder bubbeliger…
Scheiß Gefühl, dann muss es eben noch langsamer gehen.

Sind bis zum Red Bluff RV Park gekommen, der uns rosenblühend begrüßt…

Und pfiffig, wie sie ist, findet Vero unter „Red Bluff VW“ bei Google die Nummer und Adresse einer sich seriös darstellenden freien Werkstatt, die sich auch einen Volkswagen zutraut.

…das Beste: wir können gleich morgen früh mit unseren Wünschen dort auflaufen und es wird diagnostiziert.

Der erste Reparaturtag: Dienstag, 12. April 2016

Ab geht’s in die „Red Bluff Auto Clinic“.
Inspektion…
Ölwechsel
Kühlflüssigkeit auffüllen lassen
Radlager kaputt?

Wir lassen die Leute arbeiten und gehen erst mal um die Ecke, Frühstück einpfeifen…

Und bin echt stinkig, als Joe, der Manager, uns anschließend erklärt, die Radlager seien in Ordnung, die Wasserpumpe aber sei undicht.

Stinkig deshalb, weil das mit diesem Auto innerhalb von 5 Jahren inzwischen die dritte kaputte Wasserpumpe ist. Was sagt unsere Werkstatt in Herford dazu? Nicht viel, vielleicht bekämen wir etwas erstattet…
Wir werden diese Reparatur jedenfalls genauestens dokumentieren und uns als Reklamation bezahlen lassen.

Aber diese Stadt soll für uns mehr als ein Reparaturaufenthalt werden.

Deshalb in Kürze: Es gibt viele Wasserpumpen auf der Welt… Sie müssen nur nach Red Bluff, CA!
Die Dritte aus New York passt, nachdem zwei WaPu’s, eine aus Los Angeles und die zweite aus Las Vegas nicht passen…
Das bedeutet, es dauert, denn sie müssen ja nacheinander hierher.

Vero und ich arbeiten zwischendurch auch:
Im hiesigen Quiltshop dürfen wir während der „free Lesson time“ unter fachlicher Aufsicht der örtlichen Quiltgruppe meinen Bett-Quilt bügeln und zusammenlegen.

Front, Back and Batting wollen übereinander gelegt und und mit vielen, vielen Sicherheitsnadeln zusammengefasst werden.

Jetzt ist erst einmal leckeres Essen angesagt, wird schon alles gut gehen?

Was braut sich denn da zusammen?

Freitag, 15. April 2016

Heute ab 10 am gibt es die „große“ Parade zum „Red Bluff Round up“, dem 95. historischen Rodeo dieser Stadt, bekannt und beliebt bei Menschen aus dem ganzen Westen…

Unsere Vorfreude soll um halb neun beginnen bei einem leicht „angespeckten“ Frühstück im Cafe Tremont an der Main Street, um dann von einem Logen-Platz aus, direkt am Straßenrand, das Spektakel verfolgen zu können.

Letzte WhatsApp Telefonate, bevor die sich schlafen legen, mit den Lieben daheim.

Zweite Reihe ist angesagt, die Bürgersteigkante ist schon kilometerlang mit Camping- und Gartenstühlen belegt. „Mallorcamania“, also Handtücher ab sechs Uhr morgens auf den Liegen am Pool lassen grüßen!

Die Mainstreet ist für jeglichen Verkehr großräumig gesperrt.
Kurz vor zehn. Die Spannung steigt…
Eine erste Kapelle mit Paraden-Musik und im Gleichschritt vorbeiziehender Nationalflagge haben wir hinter uns.

Ungefähr ein geschätztes Viertel der Bevölkerung Red Bluffs sitzt in SUV’s, auf Mottowagen, Truckanhängern, Pferden, Zweirädern oder läuft zu Fuß nebenher, Prospekte und „Karamelle“ für die zahlreichen am Rand sitzenden Kinder verteilend.

Es kommt uns vor wie eine gemischte Veranstaltung von Karnevals-, Schützen-, Turn-, Senioren- und Veteranenverein. Dazwischen Polizei, Feuerwehr, Army und gelegentlich kommerzielle Werbung der privaten Wirtschaft.

Der ganze Ort ist auf den Beinen bzw. in der gemütlichen Campingstuhlperspektive.
Vor uns laufen Tand-, Spielzeug- und Seifenblasenverkäufer mit rollenden Verkaufsregalen die Paradenmeile auf und ab und machen, wir können es kaum fassen, richtig cash.

Es folgen in den nächsten zwei Stunden im Abstand von jeweils bestimmt dreihundert Metern nackter Straße Aufsitzrasenmäher, dicke Menschen, Highway-Patrol, Cowgirls, Reklame für’s Rodeo in Reno demnächst, Versicherungsreklame, viele singende und kreischende Schulkinder und Jugendliche, Rollerblader, Mexicans, Veteranen aus dem Vietnam- und Koreakrieg, Frauengruppen, Königinnen für was auch immer, Chearleader, Reiter auf stolz trippelnden Pferden, der sich zur Wahl stellende Sheriff-Kandidat und wieder zu „Jungs“ mutierte Siebziger im Mini-Buggie Korso…

Let’s go Rodeo!

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