…immer noch in Pope Haven!

Donnerstag/ Freitag, 23./ 24. Juni 2016

Wer ist wohl darauf gekommen, diesen Campground „Oase des Papstes“, Pope Haven Campground zu nennen?
Er liegt sommerlich friedlich, zum Entspannen bestens geeignet, am New York Amish Trail, einer werbewirksam beschriebenen Route zur Besichtigung der Amish Houses an der kaum befahrenen Pope Road im District Randolph, NY State und ist für uns eine wahre Quelle der Erholung und des „zur Ruhekommens“.

Wir bekommen ungefragt von den Mitcampern auf dem Platz gern die Umgebung erklärt und erfahren bei der Gelegenheit, wie wir das schon kennen und lieben, die wichtigsten Details zu Sehenswürdigkeiten der Umgebung.

Das Besondere sind, ganz klar, die Amish hier in der Gegend.
Dieser Campground inmitten Amishland, New York State ist ein beeindruckendes Beispiel für das friedliche Zusammenleben verschiedener Religionen und Kulturen.

Super Fast Satellite Internet und Pferdekutschen kommen gut miteinander aus.

Die meisten Menschen kennen sich zum Teil seit Jahrzehnten, helfen sich, profitieren voneinander, und seien sie weltanschaulich noch so unterschiedlich drauf. Die Seasonal-Camper lassen sich von den Tischlern der Amish ihre Veranden an die Fifth-wheeler bauen und die Angestellten des Platzes fahren die Amish z.B. mit ihrem Auto ins Krankenhaus, wenn’s schnell gehen muss.
Wir haben den Eindruck, dass sie sich dabei gegenseitig so lassen können wie sie sind.

Die Amish sind Menschen, die uns, wegen ihrer gelebten Distanziertheit zur Außenwelt, einerseits neugierig machen und uns aber auch verunsichern und uns empfinden lassen, wir dürften Sie in ihrer Welt nicht stören.
Letztendlich verzichten wir wohl aus diesen ambivalenten Empfindungen heraus darauf, näher an Sie heranzutreten, ihre kleinen Geschäfte auf den sehr privat erscheinenden Höfen, ihre Angebote von Backwaren, Gemüse, selbst gekochter Marmelade oder ihre aus Holz gearbeiteten Kleinmöbel in Augenschein zu nehmen.

Samstag/ Sonntag, 25./ 26. Juni 2016

Sie wurde uns angekündigt und sehnsüchtig erwartet, die Kutsche mit den Vitrinen hinten drauf.
Die Donuts, die der Amish-Bäcker jeden Samstag auf dem Campground verkauft, stehen den mitgebrachten Cakes, vor allem dem Cherrycake in nichts nach.

Der Picknicktisch in der Nähe des Office füllt sich bald mit seinen Köstlichkeiten.
Er hat die geilsten Donuts dabei, die ich bisher gegessen habe.

Sie schmecken so, als wenn ein vollendet saftiger Berliner gerade aus dem Fett der Pfanne gerollt wurde und mit von der Hitze geschmolzenem Puderzucker versteckt wird. Der Donut ist wirklich noch warm und löst sich nur mit einem guten Schluck Kaffee vom verwöhnten Gaumen. Deliziös!

Wir können auch hier nicht widerstehen:
Der saftig aus der Hülle lugende Cherrycake bleibt nicht lange unangerührt!


„Süß“ ist eben das Suchtelexier der aus religiösen Gründen dem Alkohol Entwöhnten.
Ich kann süß auch ohne religiös… and alcohol, too.

Ich erfahre, dass der „Bäcker“ fünf Kinder hat und mit seiner Frau und ihnen direkt hinter dem nächsten Berg lebt. Sie betreiben etwas Landwirtschaft für ihren eigenen Bedarf, aber nicht er, sondern seine Frau ist die Bäckerin.

Die Donuts entstehen in einer großen Bratpfanne, die im Keller betrieben wird. Alle übrigen Backwaren werden im Backofen in der Küche hergestellt…

Und sonst? Er übernimmt das Fragen. Wie mir das so oft in diesen Monaten passiert…
Wie ihm das so vorkommt, was ich ihm erzähle, weiß ich nicht, denn ich bekomme dazu kaum eine Antwort, sondern eher die nächsten Fragen…
Wir wünschen uns gegenseitig alles Gute.

Über das Wochenende lassen wir es ruhig angehen. Das campgroundeigene Karaoke-Angebot lehnen wir dankend ab.

Montag, 27. Juni 2016

Natürlich ist uns die anstehende Reparatur unseres Bremslichtschalters, hoffentlich bestätigt die Werkstatt unsere Diagnose, nicht gänzlich aus dem Kopf gegangen.

Wir befinden uns jedenfalls gerade im vorgeplanten Zeitkorridor, um pünktlich die 80 km Richtung Norden nach Bowmansville kurz hinter Buffalo zu Schmitt’s Audi Volkswagen Service bis 10:30 am zu erreichen.

Typische VW Werkstatt, könnte auch in Deutschland sein:
Alles läuft hyper organisiert ab. Wir dürfen den Schlüssel abgeben und es uns in der Customer-Lounge bequem machen, Wifi, Kaffee, Kekse, eisgekühltes Wasser, bequeme Sessel, verkaufsorientiert mit ungestörtem Blick auf Neuwagen platziert, warten wir auf das, was da kommt.

Ich kann nicht umhin mir auszumalen, was die Reparatur wohl kosten wird. Der Kaffee schmeckt und die Kekse auch. Aufregen können wir uns später immer noch…

Nach einer Stunde dürfen wir wieder weiter fahren:
Die Diagnose passt zwar, jetzt muss aber erst noch das Ersatzteil besorgt werden.
Wir sollen morgen früh wieder kommen, dann sei es da.
Moment mal…
Die Vorglühanlage blinkt ja gar nicht mehr!
Echt, die Bremslichter leuchten wieder. Also nach kurzer Strecke wieder zurück zur Werkstatt:
„Ja, ja, wir konnten das notdürftig reparieren, aber besser ist es, einen neuen Bremslichtschalter einzubauen“ ?!

Unser Zwischen-Übernachtungsplatz „Sleepy Hollow Campground“, Akron NY liegt nur 30 km entfernt und ein Badesee oder sowas ähnliches ist auch da…
Die Site 57 liegt mitten im Wald, wunderschön ruhig hier und es wäre ein Frevel, wenn wir hier nicht baden würden und anschließend kein campfire hätten…

Also los, Fahrräder runter, ein erfrischendes abendliches Bad nehmen, anschließend Holz klein machen, Zeitungspapier knüllen, Anmachholz ausrichten und mit ein bisschen Charcoal-lighter nachhelfen und schon wird’s „trappermäßig“.

Dienstag, 28. Juni 2016

Nächste Werkstattszene:
„OK und was wird das dann wohl so kosten?“ – „We think about 200 $“ –
„what for ?“ Genau – Volkswagen Service!

Lange Rede kurzer Sinn: Der Schalter kostet unabänderlich 35 $, aber der Rest soll Arbeitslohn und Steuer sein! – Die Erklärung wird dadurch komplett, dass mir Jerry auf Nachfrage zu verstehen gibt, der Stundensatz betrage 110 $ und ich ironisch nachfrage, ob er mir alles Ernstes (seriously) weismachen wolle, dass es anderthalb Stunden dauere, den Schalter einzubauen?
(Ganz davon abgesehen, dass wir eigentlich von diesem Stundensatz nicht überrascht sein dürften: VW Werkstatt halt!)

Er lässt sich dann doch relativ schnell auf eine Rechnungssumme von „about 150 $“ ein und wir sitzen zufrieden wieder in der Lounge. Jetzt ist wenigstens klar, wieviel der Kaffee kostet!
Ich trinke ihn genussvoll und die Kekse schmecken auch besonders gut!

Nach einer knappen Stunde steht unser Robel fahrbereit vor der Tür, die Mastercard für 149 $ zücken, Bremslichter kontrollieren – und leider vergessen, den alten Schalter mitzunehmen. So kann ich erst in Deutschland überprüfen lassen, ob wir wirklich einen neuen Bremslichtschalter im Auto haben.
– Vero meint: „Keine Verschwörungstheorie, Reiner!“

Egal, alles ist gut und die Niagara Falls liegen vor der Tür!

Wir parken am Niagara Gorge Discovery Center kostenlos und erwischen den preisgünstigen Trolleybus, den wir im „Auf und ab-Verfahren“ an verschiedenen Haltestellen rings um die drei Wasserfälle benutzen können.

Nachdem ich anfänglich über diese Sehenswürdigkeit noch gelästert habe nach dem Motto: „Will diese Kirmes nicht sehen, bin ich jetzt doch sehr glücklich darüber, diesen Zauber der Wasserwelt unserer Erde im Original zu sehen und versuche den Hype ringsherum, bestehend aus den vielen Menschen und die städtische Umgebung so gut es geht zu ignorieren.
Habe ich nicht mit gerechnet, dass so viel Wasser so beeindruckend ungebremst über solche Breiten so tief fällt. Einfach so…

Welche Kräfte hier wirksam werden, ist atemberaubend! Die sich aus dem frei fliegenden und aufprallenden Wasser ergebende Luftfeuchtigkeit wirkt wohl weit intensiver als ein Wohnungsbelüfter.
Diese Halbbrücke hilft die Eindrücke noch luftiger wirken zu lassen.

Damit die Menschen auf den da unten in der Gischt fahrenden Schiffen unterschieden werden können, wahrscheinlich für den Fall, dass sie ins Wasser fallen sollten, müssen die Helfer wissen, wen sie denn nun zu retten haben: Gäste der canadischen Seite: rote Regencapes, die der USA-Seite: blaue.
In Wirklichkeit wissen wir den Grund natürlich nicht, können nur feststellen, dass die jeweils so verkleidet werden…

Welches Naturschauspiel ist aufregender: die unterschiedlichsten Menschensorten, die es hier zu bestaunen gibt, (es sieht so aus, als kämen sie aus aus allen Ländern dieser Erde hierher) oder dieses andere, Niagara Falls genannt, zu bewundern?

Wieso müssen wir das eigentlich entscheiden? Es lohnt sich in jedem Fall, sich für beide nachdrücklichen Empfindungen Zeit zu nehmen, sie genauer zu betrachten. Was in der Hektik dieser Ferienzeit-Hochsaison nicht so einfach ist.

Well! Was die anderen wohl über uns denken?

Jedenfalls rollen wir nachmittags ziemlich gemächlich auf dem grenznahen (Schlummer-) Hwy 31 ostwärts Richtung Massachusetts.

Wer denkt sich schon etwas dabei, im Rückspiegel plötzlich die „Irrlichter“ eines Polizeiwagens in rot und blau, in typisch blitzartiger Schnelligkeit aufblinken zu sehen. Ich jedenfalls nicht, bis es mir dämmert: Der meint uns!
Das scheine ich aber immer noch in ziemlich kurzer Zeit bemerkt zu haben:
Er hat das Horn in der uns inzwischen gut bekannten „Heulbojen“-Art gar nicht betätigt, so schnell fahre ich direkt nachdem wir eine Ampelkreuzung (bei grün) hinter uns gebracht haben, rechts ran.

Trotz Aufregung Prozedur bekannt und abgespult:
Warnblinker an,
Seitenfenster runter,
Motor aus,
Hände aufs Lenkrad,
warten……..
Wenn du denkst, es …. passiert gar nichts mehr,
steigt der Officer, auch „Sir“ genannt aus,
schlendert mit aller Zeit der Welt auf die Fahrertür zu grüßt und
bittet um „Drivers Licence and ID-Card“
Es ist natürlich aufregend, zum ersten Mal in den USA und nach mehr als insgesamt 22.000 Miles.
„What happens, Sir?“
„Oh, I saw your international Licenceplate and so I stopped you“

Mit unseren Reisepässen inklusive Visum verschwindet er in seinem Wagen, kommt nach fünf Minuten zurück und wünscht uns eine gute und sichere Fahrt… That’s it!

Nach zweistündiger ungestörter und entspannter Weiterfahrt kommen wir auf „Ridge Campground“ in Le Roy, NY an und genießen den erstklassigen Pool auf diesem für uns ersten typischen Ganzjahres-Campground dieser Region.

Das Besondere ist der etwas veraltete Ski-Lift vor den Abfahrtshängen und die herrlich großzügige Konzertbühne, die zeigt, dass es hier u.a. auch große Musikkonzerte gibt.

Wir freuen uns nicht sofort weiter zu müssen, buchen den Platz gleich für zwei Nächte…

Donnerstag, 30. Juni 2016

Die Strecke Richtung Atlantik zieht sich nahe an der Stadt Syracus vorbei, immer irgendwie parallel der Interstate 90, über den Hwy 20 gen Osten durch die Berge. Wir genießen diese „unschuldig“ erscheinenden Gegenden, gemessen an der prallen Hektik und konsequent auf „moneymaking“ ausgerichteten Atmosphäre der großen Städte. Es ist klar, dass auch hier Geld verdient werden will, aber die Resourcen sind für uns viel angenehmer anzuschauen, wenn sich zum Beispiel ein ganzes Dorf dem Antiquehandel verschrieben hat.

Ob das wohl ein für diese Gegend typischer Baustil ist? Wir wissen es nicht, aber es gefällt uns, dieses fast toskanesk wirkende Turmzimmer…

So finden wir auch Bouckville, NY und dort wiederum den Campground mit dem vielversprechenden Namen „Ciderhouse“. Er verdient sich mit seiner Unaufdringlichkeit, Einfachheit und Sauberkeit drei Tage Aufenthalt!

An amerikanische Fastfood-Soßen, z.B. Ranch– oder Honey Mustard Dressing, Sweet Baby Ray’s Honey BBQ Sauce und natürlich Heinz Ketchup haben wir uns inzwischen so gewöhnt, lecker zu Salat, Chickenwürstchen und Knobibrot.

„Komm mir ja nicht damit, wir müssten uns die Soßen wieder abgewöhnen!“

Sometimes we love it easy…

2 Gedanken zu “…immer noch in Pope Haven!

  1. Lieber Alfred,
    danke für Deine Komplimente. Wir freuen uns sehr darüber und auch, dass Du wieder „elektronisch“ erreichbar bist. Hoffen, dass es Dir gut geht.
    Wir machen im Moment „Urlaub vom Reisen“ und haben eine fantastische Zeit am Saint Lawrence River. Wir umarmen Dich.
    Vero und Reiner

  2. Hallo , ihr Beiden , bin mal wieder total begeistert von eueren Beschreibungen. Reiner deine Texte sind super und die Bilder dazu , einfach Spitze.. Vor allem freut es mich , dass ihr offensichtlich
    weiterhin bei guter Gesundheit seid und trotz mancher kleiner oder auch etwas größerer Vorkommnisse die Tour mit allen Sinnen total genießt . Inzwischen habt ihr ja aktuell die USA schon
    wieder verlassen und das Ende eueres Abenteuers kommt schon bald in Sicht. Genießt die restliche
    Zeit und freut euch eueres Lebens . Das wünscht euch von Herzen
    Euer Alfred.

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