Maine, unsere Tage im Juli…

Freitag, 08. Juli 2016

Wenn die New England States häufiger als die „zurückgebliebenen“ Staaten angesehen werden, dann sind wir mit dieser Bewertung durchaus einverstanden! Will sagen, es gibt hier eine für unsere Augen wohltuende Harmonie der landschaftlichen Formen, der dazu passenden Farben, der traditionellen Gegenstände, der häufig schon älteren, aber noch sehr gut erhaltenen Häuser, der wilden gerade jetzt blühenden Blumen für die Sinne, die wir ansonsten nur von Cornwall, England kennen.
Und dort wie jetzt auch hier in NEW England sind wir sehr froh darüber, dass der „Fortschritt“ dieser Regionen eher in der „Pflege der Tradition“ besteht.

Alles ein Zeichen für den starken Wunsch der Menschen in dieser Ecke nach „Bewahrung“ des Bestehenden.
Es ist logisch, dass sich diese Haltung auch in ihren politischen Ansichten widerspiegelt…

Hier, kurz vor South Tamworth NH, irgendwo im Nirgendwo ist Schluss für heute.
Das Office ist an diesem diesigen, leicht schaurigen Tag geschlossen.
Wir sollen telefonieren! Geht aber auch ohne.

Denn die Besitzerin kommt uns aus dem dahinterliegenden Haus entgegen und findet es gerechtfertigt für ihren seelenlosen Platz $ 35 kassieren zu müssen. Vero schafft es irgendwie, sie davon zu überzeugen, dass $ 30 ausreichend sind.
…sie bleibt ganz nett, spielt mit mir eine Runde Horseshoe auf der neu erstellten Spielanlage. Das sei gut für ihre Muskeln!

Samstag, 09. Juli  2016

Maine als nordöstlichster Staat der USA mit einer langen Grenze zu Canada begrüßt uns, sagen wir mal, im positiven Sinn, hinterwäldlerisch mit regnerischen Ambiente.

Gedanklicher Rückblick:
In Harpers Ferry, West Virginia kaufte ich mir seinerzeit, das ist auch schon wieder knapp ein Jahr her, eine Wanderkarte für die Appalachian Mountains durch Maine. Eigentlich wollte ich ungefähr hier in den White Mountains, einem Teil der Appalachian Mountains in den Trail einsteigen und ihn dann „vielleicht“ bis zu seinem Ende in Maine laufen. Aber jetzt sieht alles ganz anders aus:

Das ist uns eindeutig zu viel!
Eine mehrtägige Wanderung quer durch relativ wilde Berge und Wälder mit im Verhältnis zu Europa schlechter Infrastruktur, was bedeuten würde, im Zelt zu schlafen und auf kleinem Kocher eine Dose aufzuziehen, können wir uns im Moment nicht vorstellen. Dafür sind die Veränderungen, die uns schon so Tag für Tag in unserem Reiseleben widerfahren und wir verarbeiten müssen, genug.

Seit Monaten erleben wir jetzt erstmals wieder etwas längere Regenschauer und kühlere Temperaturen.

Trotzdem macht es Spaß in Cornish, ME auf dem kostenlosen Hinterhofparkplatz unser obligatorisch „spätes Frühstück“ einzunehmen und anschließend neugierig mit Kamera durchs Städtchen zu schlendern.

Die Menschen haben sich ganz offensichtlich, wie wir es schon häufiger in dieser Ecke erlebt haben, auf Trödel und Antiques spezialisiert.
Den in den gesamten USA beliebte Yard Sale, also der private Trödelmarkt ohne besondere Genehmigung, hat im Geschäft von Beatrice & Richard eine professionelle Prägung gefunden. Die Mischung aus ganz alten Werkzeugen, wirklich alten Kleidern, Gegenständen, Möbeln, Fenstern, herrlich blühenden Tigerlillies und selbst angebauten Tomaten finden wir irgendwie besonders einladend.
Samstags und Sonntags von 10 bis 5 bei Sonne oder Regen, egal…

Ach ja, Hirschgeweih, Golfschläger und Paddel gehören auch neben alten Büchern zur Verkaufsmasse.

Die etwas gediegeneren Antiqueshops und einige besondere Blickfänge, wir betrachten sie mit Muße , lassen die Main Street von Cornish auf ungefähr 500 Meter Länge als „einzigartig“ erscheinen. Nicht wirklich, aber immerhin, uns erscheint sie originell zu sein…

Diese Gegend raubt uns den Atem!
Nachdem wir Cornish hinter uns gelassen haben, erkennen wir die Besonderheiten dieser Ecke New Englands an immer mehr und mehr Stellen…
Schon macht uns der Regen in den Wäldern und kleinen Ortschaften, die wir durchqueren, nichts mehr aus. Sitzen ja im Trockenen und können sogar das besonders intensive Grün der vom Regen „geputzten“ Blätter auf den Bäumen wahrnehmen.

Manchmal geht es nicht anders, dann müssen wir einfach anhalten. Das Tempo von 70-75 km/h durch diese einmalige Landschaft ist für die Wahrnehmung des Straßenrandes viel zu schnell.

Wir lassen uns von der Vielfalt der sommerlichen Prachtentfaltung hinreißen und sind glücklich darüber, dass es in solchen Momenten nicht wichtig ist, ob wir diese herrlichen Pflanzen in Maine, USA oder Bielefeld-Schildesche, Deutschland sehen.

Wir halten einfach zwischendurch immer mal wieder an!

Hauptsache, wir sind in der Lage, solche prächtigen Kleinigkeiten wahrzunehmen.

Wo sind wir hier eigentlich, USA kann das doch nicht sein? Eher England…

nee, doch nicht…

Wir kommen nach Vero’s Planung unserer Route zum Non plus ultra, zu einem absoluten Muss des Tages: „Alewifes Fabrics“ in Nobleboro, ME
Stoffe, Stoffe, Stoffe…

und für mich, es könnte nicht passender sein, ein starkes Wifi, um live in die Fußball-Europameisterschaft hineinzuschauen. Gutes Timing!

Wir lassen uns (nach Spielende) ungefähr 5 Miles zurückfallen und finden unseren heutigen Übernachtungsplatz auf Range Pond Campground, Poland, ME. Wie ist das gleich noch mit den wirtschaftlichen Quellen in dieser Region?
Genau, eine Site am äußeren Ende des Platzes ohne Wasser und Elektrik (wie gut, dass wir die Solarpanele auf dem Dach haben) kostet $ 36. Ganz schön happig…

Sonntag, 10. Juli 2016

Wir wollen endlich den Atlantik sehen!
Nichts leichter als das. Nach ungefähr 25 km riechen wir schon das Meer…
New Harbor (hier wurde übrigens ein Teil von „Message in a Bottle“ mit Kevin Costner gedreht) ist ein kleiner, durch seine Lage in einer fjordähnlichen Bucht, geschützter Hafen mit frischem Lobster, Shrimps und Fish.
Das Wasser läuft uns im Munde zusammen…

Wir entschließen uns für…
one time Codfish with cole slaw and second Kalamaris with fried potatoes, please

Der Fisch liegt unter den Fritten…

 

Einmal quer über die Halbinsel und Vero hat mich zu einem der märchenhaftesten Campground -we ever had- geleitet.
Sherwood Forest Campground, Maine empfängt uns bei strahlendem Sonnenschein mit einer gut gelaunten Runde am Office. Die Frau am Empfang hat noch einen Platz für 2 Nächte frei: „Take 23, it’s a wonderful silent site“.

…und sie hat recht, wir fühlen uns (mal wieder) sofort zuhause

By the way…
Ich schicke Ed, mit dem ich in Florida im letzten November das Petanque All American Open spielte eine Mail:

++stop++Whats with Sunday?++stop++

an Ed

Hi dear friend,
now we arrived in Maine. On Sunday there will be an open doublette tournament of the Maine Boules Club in Blue Hill.
Don’t know if you think I’m crazy to ask you: What’s on next Sunday? Do you want to be my partner?
Don’t worry, if you have other ideas for that weekend, it’s ok.
But perhaps, you’re crazy, too 😜
With love

Reiner

…and here lives Merlin, for sure!

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