Spätes Intermezzo…

Liebe Lilo, liebe Irmgard,

danke dafür, dass Ihr Euch gemeldet habt. Es war eine echte Überraschung und hat uns gut getan!
Ihr solltet Euch nicht grämen und Euch keine Sorgen machen.

Wir waren nach unserer Rückkehr von den vielen Begegnungen „zuhause“ sehr bewegt und schon nach kurzer Zeit nicht mehr in der Lage, Euch und viele Andere, die sich sicher auch gefragt haben, wo stecken die denn eigentlich, über unsere Ankunft in Deutschland zu informieren, geschweige denn Euch zu besuchen.

Nach so langer „Zweisamkeit“, nach Hause nur durch vereinzelte Telefon- und Internetkontakte hauptsächlich zu unseren Kindern und anderen Verwandten verbunden, konnten wir in den vergangenen Wochen nicht alle der vielen Liebes- und Freundschaftsbeziehungen, die uns in Deutschland erwarteten und die wir gern wahrnehmen wollten, in die Tat umsetzen.

Wir werden im Mai dieses Jahres wieder nach Herford kommen und dann alle, die wir im Herbst nicht treffen konnten, hoffentlich wiedersehen.

Vor lauter Aufregung und Terminen zur Vorbereitung unseres Lebens für die nächsten Monate kommen wir nicht dazu, unseren virtuellen Reisebericht durch USA und Canada einigermaßen zeitnah fortzuschreiben, finden aber, dass jetzt erst einmal ein aktuelles Lebenszeichen fällig ist…

Den Rest unserer Nordamerikareise beschreiben wir in den nächsten Wochen, auch um sie für uns immer wieder vollständig nachempfinden zu können.

Freitag, 08:15 am, 14. Oktober 2016, Frankfurt/Main (gelandet)

Unser Zug geht um 12:10 los Richtung Dormagen.
Für drei Tage finden wir dort erstes „Obdach“ bei Caro und Raphael.
Weitere vier verbringen wir bei Jan und Antje in Herford, schnuppern vorsichtig ostwestfälische Luft und genießen anschließend, bis wir Anfang November unser WoMo aus dem Hamburger Hafen holen können, in der Ferienwohnung von Annette und Udo für eine Woche geschenkterweise das Leben in einer lässig, liebevoll gestalteten Etage mit soooo viel Platz in Bad, Dusche und Wohnraum, dass wir unsere Utensilien noch schlechter wiederfinden als im Wohnmobil.

17. – 28. Oktober 2016

Mit Antjes Mercedes sind wir, weil unser WoMo noch auf dem Atlantik rumschippert, mobil ohne Ende.

Jan und sie schenken uns ihre Aufmerksamkeit und ihr niedliches Gästezimmer. Wir schlafen sooo gut.

Mit Britta und Hartmut, Schwägerin, Bruder und Schwager, liegen wir uns länger als gewöhnlich in den Armen und freuen uns sehr über unser persönliches und nicht nur „What’s App Wiedersehen“.
Wir haben uns in den letzten anderthalb Jahren zwar virtuell und überhaupt häufiger gesprochen als in all den Jahren des gemeinsamen Lebens in Ostwestfalen, allerdings sind wir auch noch nie so lange wirklich auseinander gewesen.

Caro und Raphael, Britta und Hartmut, Antje und Jan, Ragna und Benni, Annette und Udo. Sie sind in dieser Zeit unsere Anker.

Amerika, Du fehlst uns!
Wir bleiben im Reiserhythmus, eben wie die Kraniche…

Dienstag, 25.Oktober

Udo führt uns zu ihnen ins Rehdener Geestmoor.

Bis wir, wie die Kraniche, im Dezember gen Süden fahren, wechseln wir noch 32 mal den Stellplatz/ bzw. Gästezimmer!

Samstag, 29. Oktober

Familienfest!

Unsere Familie hat sich bereit erklärt, auf uns zu warten. Sie haben den eigentlichen Termin für’s jährliche Familienfest, das erste Septemberwochenende, verstreichen lassen und warten auf uns. Und nicht nur das!
Alfred und Theresa sind die Ausrichtenden, obwohl wir schon längst an der Reihe gewesen wären.

Es ist einfach herrlich, uns wiederzusehen…

Hmm, Kartoffelsalat, Nudelsalat, Würstchen, Frikadellen!

Mittwoch, 2. November 2016

Biggi und Wolfgang aus der Lüneburger Heide bieten uns die erste Aufnahme, nachdem wir unseren Robel aus dem Hamburger Hafen gefahren haben und ihn wieder zu unserem Zuhause machen können. Er ist heile über den Ozean gekommen. Besten Dank an die Reederei und an Fa. Seabridge. (Wenn jetzt die Autoversicherung für Nordamerika über Seabridge noch preiswerter würde, wären wir 100%ig zufrieden)

Freitag/ Samstag,  12./ 13. November

Ausflug über Warendorf nach Freckenhorst.

Die Boulegemeinde hat mich wieder aufgenommen. Ich spiele das 24 Stunden Turnier mit meinen Boulefreundinnen und -freunden aus Lemgo-Lüerdissen…

…mehr schlecht als recht, aber mit viel Spaß!

Wir übernachten bei Benni und Ragna. Sie laden uns in Bielefeld zum Essen ein, der Winterspeck beginnt sich um unsere Hüften zu formieren.

Sonntag, 20. November

Johannes, der Sohn von Carolin und Raphael hat seine Geburt als Sonntagskind einerseits und unser Enkelkind andererseits um 11:43 pm gesund hinter sich gebracht. Er wiegt zu diesem Zeitpunkt 3418 g, ist 53 cm groß und wir sind stolz wie „Bolle“!

Großelternglück!
Immer wieder schweben wir auf Wolke sieben, wenn wir 5 Tage hintereinander nach Neuss ins Lukas-Krankenhaus fahren, um leise an der Tür zu Zimmer 157 auf der Neugeborenenstation mit dem Schild „rooming in“ zu klopfen.
Sofort stellen wir ohne darüber nachzudenken unsere Kommunikationslautstärke auf „do not disturb“, unser Grinsen schiebt sich ins Gesicht und friedlich schaut uns Johannes, unser Enkel, in tiefen Kissentälern dicht an seine Mutter gekuschelt, entgegen. Was seine Augen wohl wahrnehmen?

Nach einer Woche lassen wir das frischgebackene Elternpaar allein und nehmen in Herford unsere eigenen Termine bei Hals-, Nasen-, Ohrenarzt, Hautarzt, Zahnarzt und Hausarzt wahr.
Unsere Gesundheit ist im grünen Bereich!
Wir sind mit dem „Leihwagen“ unterwegs, unser WoMo macht Pause für TÜV, Gasprüfung, Inspektion, Windschutzscheibenwechsel und Lackierarbeiten in unserer „Heim“werkstatt. Es dauert eben.

Bei einer anderen Werkstatt haben wir einen Termin verabredet, um diverse kleine Reparaturen am Auto erledigen zu lassen: Alkovenfenster überprüfen lassen, großes Heki Fenster mit neuem Verdunklungsrollo und Mückenschutz ausstatten, Aufbautürschloss gängig machen, Pilzlüfter für’s Badezimmer erneuern lassen…
Unsere eigenen ärztlichen „Check“termine nähern sich auch allmählich dem Ende zu.

Die Weihnachtsbeleuchtung fehlt noch!

Wir fühlen uns am
15. Dezember morgens, mitten drin in unserem nächsten Reisefieber.

Die DB will uns mit dem preiswerten IC von Bielefeld nach Berlin zu Matze und Jasmin bringen.
Vero schwört auf den bequemen Restaurantwagen als Sitzplatzreservierungsalternative.

Ich bin, wie immer vor solchen Ereignissen, aufgeregt und meine Schnappatmung verhindert ruhiges Denken.
Das ist jetzt aber unbedingt erforderlich:

Unser Zug hat wegen „technischer Probleme“ mehr als dreißig Minuten Verspätung. Das wird für uns zum Vorteil:
Die Alternative ist der ICE nach Berlin, der schon in fünf Minuten aus dem Bielefelder Hbf abfährt. Dafür benötigen wir aber eine schriftliche Bestätigung mit offiziellem Stempel.
Vero hat sie!

Jooo! Wir sitzen bei Cappuccino, Crêpe mit Marmelade und Free Wifi im Speisewagen und lassen Matze wissen, dass wir schon um halb eins im Hauptbahnhof Berlin ankommen werden.

Wir werden chauffiert! Jasmine und er sind für uns da!
Ein bisschen wie America light… Die komfortable Kaffeemaschine verteilt ihren „Frischeduft“ im großen Wohnraum in Berlin-Mitte und das Gästezimmer, extra für uns mit zwei Matratzen ausgelegt lässt vergessen, dass wir, geografisch gesehen, in der dritten Etage über dem ehemaligen Todesstreifen links und rechts der Berliner Mauer schlafen.

Allein diese Tage verdienen einen eigenen Reisebericht:
Ich sehe Gerhard Schröder mit Bodyguards bei Peek & Cloppenburg: Mensch, sieht der fertig aus (mein subjektiver Eindruck im Vorübergehen). Meinen vergessenen Rucksack haben die Servicemitarbeiter an der Bar des Café „Einstein“ bei P&C hinter dem Tresen sichergestellt.

„Car to go“ ist einfach spitze – die unterschiedlichen Mercedesmodelle stehen in ganz Berlin herum und warten nur darauf, mittels der entsprechenden Smartphone-App aufgerufen, reserviert und benutzt zu werden…

In unseren Fällen, wir benutzen sie mit mindestens 3 Insassen, ist nicht nur der Preis günstiger als wenn wir mit Bus, U-Bahn oder S-Bahn fahren würden, sondern es geht mit entsprechend aktuellem Navi auch noch schneller.

Der Circus Roncalli, danke für die Einladung, ist einsame Spitze

– das Weihnachtsprogramm fasziniert in der dunklen Adventsnacht besonders durch den „Kaputt“-Pausenclown, die atemberaubenden Artisten am Hochseil, wirkliche Jonglagekünstler und eine von Tausenden Lichtern herrührende, besonders festliche Atmosphäre im und am „Tempodrom“.

Wenn wir wegen Überfüllung auch nicht die Lichtnacht im Botanischen Garten anschauen können, so ist doch das gemeinsame Essen im Tapasrestaurant, beim Portugiesen einsame Klasse.

„PowerPoint-Caraoke“ im Club 39 an der Oranienstraße, die verrückteste Improvisations-Meisterschaft, die wir je gesehen haben, erinnert uns wegen der punkigen Atmosphäre irgendwie an die 80iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Die Kiewiese in Herford, der fast neue Wohnmobilstellplatz gegenüber dem H2O-Freizeitbad wird immer wieder zu unserem nächtlichen Rückzugsort und Domizil, wobei er uns als geniale Ausgangsbasis für Ausflüge in die Herforder Fußgängerwelt erweist:

z.B. – mit Anja und Didi zu „Föge“. Danke für Eure Einladung.
– Samstagmorgen zum Bummeln durch die langen Innenstadtstraßen.
– mit Annette und Udo zum „Italiener“ in die Sachsenstraße. Hat super geschmeckt!
– zur Krankengymnastik in die Mindener Str.

Die Treffen auf dem Weihnachtsmarkt in Herford sind sehr berührend und gleichzeitig auch fremd. Unsere Art des Lebens in Form des Reisens trifft auf das „normale“ Leben der Anderen und mit den Unterschieden füllt sich die Kommunikation.

Wir sind weder hier noch in Amerika zuhause, sondern fühlen uns immer wieder fremd und „neu“…

Obwohl wir manchmal auch dableiben wollen. Aber wo?

Das alles ist nur „die Spitze des Eisberges“ unserer übervollen, uns hin- und herreißenden, „Erlebniswelt“!
Britta und Hartmut sind einfach wunderbar und wir lieben es, von ihnen umsorgt zu werden!
Alfred hat inzwischen mit Hartmuts Hilfe verstanden, dass sein Mobiltelefon auch im Westerwald internetfähig ist. Jetzt können wir öfter miteinander kommunizieren und er nutzt sein Datenkontingent richtig aus!

Am 22. Dezember morgens fahren wir nach Dormagen, um uns von Carolin, Raphael und Johannes für die nächsten vier Monate zu verabschieden. Immer diese Abschiede…
Auch bei ihnen spüren wir unsere Ambivalenz…
Und Tschüss, wir müssen weg, Weihnachten ist uns ohne eigenes Zuhause, in dem wir mit unseren Liebsten feiern könnten, unter diesen Voraussetzungen unheimlich.

Es ist aus unserer eigenen Tradition, der familiären Nähe, ein besonderes Fest, fehlt uns aber vor allem dann, wenn wir, „die Eltern“, unseren Kindern nicht mehr in unserem angestammten Zuhause das Ritual von Heiligabend „Kartoffelsalat mit Würstchen und Schnitzel“ und das uns allen wohltuende Frühstück und Zusammensein am nächsten Weihnachtstag anbieten können, sagen wir mal, wie Hulle!

Es sind am 23. Dezember kaum noch LKW’s unterwegs und Freiburg im Breisgau ist nicht mehr weit. Viva Espania!

…our Christmas Star is shining out of the window!

2 Gedanken zu “Spätes Intermezzo…

  1. Hallo Ihr Lieben,Aus Vlotho senden wir Euch liebe Ostergrüsse. Wir hoffen, Ihr seid Beide wohlauf und genießt die Sonne in Spanien. Wir denken oft an Euch und würden uns freuen Euch mal wiederzusehen. Lilo und Irmgard —–Ursprüngliche Nachricht—-

  2. Gott sei Dank, Ihr seit wohlauf……. und schon wieder unterwegs nach Spanien. Glückwunsch zum 1. Enkelkind. Wenn Ihr wieder in Old Germany seit, bitte meldet Euch doch mal. Wir würden uns sehr freuen. Erholsame und erlebnisreiche Reise wünschen wir Euch.
    Lilo und Irmgard

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