Fernandina Beach – Carreau sur Place

Donnerstag, 9.  – Sonntag, 12. November       Fort Clinch State Park, Fernandina Beach, Amelia Island, Florida

Wir haben es geschafft. Die Grenze von Georgia nach Florida wird hiermit dokumentiert.

Der diesjährige Veterans Day, ein wegen unserer eigenen Geschichte für uns eher problematischer Feiertag, an dem die Überlebenden des Service, mit diesem Begriff wird die aktive Beteiligung der Menschen innerhalb der US-Streitkräfte an allen bisherigen kriegerischen Auseinandersetzungen der Vereinigten Staaten von Amerika gewürdigt, begegnet uns massenhaft flaggenwehenderweise auf dem Hwy 200 Richtung Amelia Island.

Man schließe die Augen, lehne sich zurück und spreche dann leise vor sich hin:
Fernandina Beach at Amelia Island!
Petanque at Fernandina Beach on Amelia Island!!!

Genauso, wie es sich spricht, empfinden wir es hier auch. Es ist von allem etwas da, herrlicher Sandstrand am Atlantik, ungefähr 20 km lang, Dünen, Palmen, Spanish Moss, wilder Wald im Hinterland, ein 200 Jahre altes Fort, wie so oft an der Atlantikküste Nordamerikas, ein kleines schnuckeliges, fast verträumtes Städtchen mit vielen gepflegten Häuschen zum „Gutleben“, zur Westseite der Insel hin, eine Industrieansiedlung, Papierfabrik, Schornsteine, aber auch Yachthafen und Hotels umrahmt von Eisenbahngleisen und Parkplätzen.

Obwohl Vero vor mehreren Monaten keine einzige verfügbare Campsite in Fort Clinch State Park im Internet finden konnte, hat sie vor kurzem bei der erneuten Suche nach freien Plätzen tatsächlich einen herrliche Site direkt am Atlantik buchen können. Wir dürfen sogar, anders als erwartet durch eine vom Ranger unterstützte Umbuchung bis Montag auf derselben herrlich offenen, von Palmen umrahmten Site 19 bleiben.
Sie erwartet uns von den Volunteers geharkt und ordentlichst für uns vorbereitet.

Der Beachside Campground im Fort Clinch State Park ist ein Musterbeispiel für die US-amerikanische National- und State Park Kultur mit ihren äußerst gepflegten Übernachtungsmöglichkeiten.
In ihm zeigt sich viel Positives des  Selbstverständnisses der hiesigen Dienstleistungshaltung. Toiletten und Duschen für alle Kundinnen und Kunden, egal ob mit oder ohne körperliche Beeinträchtigungen sind in ausgezeichnet gepflegtem Zustand. Die Firepits sind von Asche befreit, Elektro- und Wasseranschlüsse in bestem Zustand.

Bevor es dunkel wird, lass uns noch einmal einen kleinen Strandspaziergang machen.
Die vom Fahren sitzgeknickten Beine brauchen eine Streckung und unsere Augen und Ohren freuen sich über den von entspannender Stille und natürlicher Umgebung geprägtem Ausblick über die sandige Bucht und das herrlich blaue atlantische Meer.

Diese floridianisch novembergewöhnliche inselige Land- und Meerschaft, die geografische Lage lässt sich für Europäer am besten dadurch beschreiben, dass wir uns auf der Breitengradebene von Südmarokko befinden, mögen wir tagsüber sehr.
Bei Temperaturen zwischen 70 und 80º Fahrenheit (23-27º Celsius) lässt es sich sehr gut leben. Wenn es sich nachts entsprechend der schlaf-körperlichen Bedürfnisse doch auch wirklich abkühlen würde!
Macht es aber nicht!
Ohne A/C, die vielgeschmähte Klimaanlage nützt auch der beste Ventilator nicht viel.

Die heiß erwarteten und herbeigesehnten Tage deretwillen unsere jetzige Reise eigentlich zustande gekommen ist, nämlich meine Petanque-Leidenschaft auszuleben, sind da!

Jetzt ist Freitagvormittag und ich stehe nach letztjähriger Abwesenheit, erneut nämlich zum zweiten Mal, kurz vor meinem internationalen Debüt als Petanquespieler:

Ohne Probleme haben wir verabredungsgemäß Judy und Ed mit herzlicher Begrüßung am großen Zelt direkt neben dem Court wieder gefunden.

Wir Player sind sofort mit erhöhtem Puls im Turniermodus. Haben nur noch Kugeln und deren möglichst professionelle Ziellegung im Kopf, obwohl heute noch gar nichts passiert und einigen uns  darauf , dass meine Trainingsbemühungen, besser „schießen“ zu lernen belohnt werden sollen.

Er macht morgen und übermorgen den Pointer und ich den Shooter. Mit dieser Rollenverteilung spielen wir uns having some practice ein und versichern uns, dass wir während des Turnieres auf alle Fälle darauf achten werden,

  1. uns immer taktisch abzusprechen,
  2. uns gegenseitig positiv zu unterstützen und last but not least
  3. immer Spaß zu haben!

Eine neue Cap der PA (Petanque America) muss sein und für heute abend noch ein Pfund herrlich frischer Shrimps als Hauptbestandteil unserer Spaghetti con ajo am Strand von Fernandina Beach.

11. – 12. November     „Amelia Open“

Es geht los!

Nach der US-Nationalhymne, einiger Ansprachen der „Offiziellen“, Vorstellung diverser WeltmeisterInnen und dem obligatorischen Gruppenfoto, diesmal ein zusätzliches mit Kugel vor dem Auge als Werbung für Petanque als potentieller Sportart bei den Olympischen Spielen 2024 in PARIS, steht der Beginn des Turniers unmittelbar bevor:

Ich freue mich auf die Leute zum Beispiel aus: Madagaskar, Slowakei, Neuseeland, Marokko, Vietnam, Belgien, Luxemburg, Algerien, Kambodscha, Mexico, Frankreich und Deutschland zu finden. Genau hingucken, dann ist der Deutsche auch zu entdecken.
Vero hat gut draufgehalten: Hab mich jedenfalls schnell gefunden…

Video:

Neun Uhr und die Nervosität steigert sich: Auf einem sehr schwierigen Gelände (alle trösten sich damit: Ist ja für alle Spieler das gleiche…) macht sich unsere geringe gemeinsame Spielpraxis doch bemerkbar.
Die Gegner hätten wir eigentlich gut packen können. Aber so…

Das nächste Spiel auf neuem Terrain. Diese beiden „National“helden kommen aus Sonoma County in Kalifornien (sind von hier nur 4600 km). Obwohl sie gegen uns verloren haben, sind und bleiben sie gut drauf. So ist das hier!

Verdientermaßen ein mit gutem Appetit eingenommenes Lunch im „Sabbia Mediterranean Street Food Restaurant“ – schnell bedient, gute Qualität und angenehme Atmosphäre. Wir haben nur eine Stunde Zeit – dann geht das Turnier schon weiter, jedes Spiel ist zeitlich auf eine Stunde und eine letzte Kugelaufnahme begrenzt…

Ehe wir uns versehen ist Sonntagabend, das Turniererlebnis soo schnell zu Ende.
Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand sind Ed und ich auf Rang 66 von 174 Teams gelandet. Vier Spiele gewonnen und vier verloren, bis ins Quarterfinal vorgedrungen, kaputt, glücklich und zufrieden:

Montag, 13. November

Judy und Ed sind Richtung Boynton Beach, ihrem Appartment als Winterdomizil weggefahren und auch wir, in etwas anderem Rythmus, wir brauchen 5 Tage bis in ihre Nähe, packen unsere Sachen in gewohnter Aufgabenverteilung.

Little Talbot Island State Park,

cirka 35 km weiter südlich, hört sich erstens total schnuckelig an und ist uns zweitens als sehr schöner State Park oft empfohlen worden. Wir lassen uns überraschen.

Unterwegs biegen wir vom Hwy A1A, der bedeutendsten Ost-Küsten-Straße Floridas ab, um etwas mehr davon mitzubekommen, wie Menschen hier in einer auf den ersten Blick fantastisch anmutenden Siedlung leben, fast hinterläßt sie bei näherem Hinschauen allerdings den Eindruck eines komfortablen Kasernengeländes.

Die Fassaden erscheinen ohne jeden Makel zu sein.
Sie sorgen dafür, dass wir den Mund nicht wieder zu kriegen.

Der zweite Blick bringt uns übereinstimmend auf den Gedanken, das viele der Details in mehr oder weniger künstlicher, retortenhafter, katalogbestellter Art, Hauptsache „stylish-vorzeigbar“ zusammengekauft   worden sind. Unterm Strich sehen wir hier die in die Realität umgesetzten Hochglanzkunstfotografien von toskanischer über provoncalischer bis englischer Türmchen-, Erker-, Schieferdach- und ionischer Säulenkunst in „wer hat das schönste Haus-Manier“. Wo sind die Menschen?

Es trifft sich, dass wir genau zu diesem Zeitpunkt einige Häuser in noch unvollendetem Zustand sehen können:

Sprachlos ob dieser „Pappehäuschen“ bleiben wir zurück, geben aber zu bedenken, dass das Klima nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen ist.
Fairnisshalber lassen wir es nicht unerwähnt, dass Isoliermaterial anschließend auf die Pressspanplatten aufgebracht wird…

35 Kilometer sind nicht wirklich weit: Herford – Minden zum Vergleich…

Aber nur, was die Entfernung anbetrifft. Für alle anderen wie hingeschmissen wirkenden Eigenschaften und Begeisterung auslösenden Fantasien märchenhafter Art reichen meine sprachlichen Fähigkeiten nicht aus, um zu beschreiben, wie glücklich uns diese nordwindgescheuchten Bilder, die wir nie wieder aus unseren Köpfen verlieren werden, machen.

Am Ende unserer Fahrradrundfahrt lassen wir noch ein Bundle Firewood auf dem Gepäckträger mitgehen…
„Fahr noch mal zurück, ich mach noch ein Foto…“

Kurz vor Sonnenuntergang drehen wir unser Abendessen um:

2 Tacos mit pizzaähnlichen Belag aus Ketchup, Schinken, Käse, Tomaten und Zwiebeln, die unter der Pfanne liegen und quasi BBQ-mäßig im behelfsmäßen Backofen vor sich hingaren.

Enjoy your meal!

6 Gedanken zu “Fernandina Beach – Carreau sur Place

  1. Glückwunsch zum erfolgreichen Turnier. Mit vier Spielen gewonnen und vier nicht, habt Ihr das Ergebnis des letzten Bundesligaspieltags vorweggenommen, das hier in Deutschland die Gemüter bewegt hat (Dortmund hat 4:0 gegen Schalke geführt um dann noch 4:4 zu „verlieren“).
    Wir haben Euch die Daumen gedrückt, dass Ihr es rechtzeitig zum Turnier schafft und mit so einer schönen Plazierung ist es natürlich noch besser.
    Werden jetzt, während der Blick nach draußen in eine tiefverschneite Taunuslandschaft wandert, nochmal durch die Strandbilder klicken und träumen. Was gibt es schöneres als bei diesen Bildern zu vergessen, dass hier die Heizung seit drei Tagen ausgefallen ist :-).
    Genießt Eure Tour und habt viel Spaß
    Sonja und Klaus

    • Liebe Sonja, lieber Klaus,
      Danke für die Glückwünsche. Dortmund musste gewinnen, wir durften…
      Wir sind dankbar für unser Reiseglück und wissen die Gastfreundschaft unserer Freunde Judy und Ed, die wir in Lake Worth/West Palm Beach noch einmal getroffen haben, sehr zu schätzen.
      Aktuell ruhen wir uns vom Turnierstress in Punta Gorda an der Westküste Floridas aus. Aber ohne Spielen geht’s hier auch nicht: Shuffleboard, I like it!
      Eine schöne Adventszeit und besorgt Euch einen zuverlässigen Heizungsmonteur 😅
      Vero und Reiner

  2. Hello dear friends and:

    Good job, man, really good job!
    66 von fast 200: das ist gesichertes oberes Mittelfed, da kann man nicht meckern…….
    …….und tolle Photos wieder. Die Amies lassen es sich offenbar gut gehen in Florida.
    Und ihr natürlich auch, wie sich das gehört!

    Weiter so!!

    Anja und Dietrich

    • Hi guys, how‘re you doing today?
      Wir machen es den Amis nach… Haben eine herrliche Zeit in privilegierter Umgebung. Danke für Eure Komplimente zu unseren Fotos. Sie sind das liebste Dokument unserer Erinnerung.
      Life is unbelievable…
      Eure Vero und Reiner

  3. Hammermäßig . Dass euch das verzückt , kann ich sehr wohl nachvollziehen. Herzlichen Glückwunsch zu deinem und Ed`s Erfolg beim Petanque -Turnier – sicher ein besonderes Erlebnis. Haben Judy und Vero euch denn auch gebührend gefeiert? Das kann man bei einer solchen Platzierung ja wohl erwarten. Interessant auch die Bauweise der z.T. villenartigen Häuser. Ich frage mich , welche Chemikalien da wohl alle enthalten sind. Aber na , ihr braucht ja nicht darin zu wohnen ; ihr habt ja euer eigenes Domizil. Jedesmal schön euer Womo mit Herforder Kennzeichen auf den camp-sides zu
    ehen. Genießt die Zeit und bleibt gesund.
    LG euer Alfred.

    • Lieber Alfred, wir haben unser Spiel bei einem sonntäglichen Turnier im South Florida Petanque Club fortgesetzt. Konnte ein Preisgeld von immerhin eight bucks, bei einem Startgeld von $ 3 immerhin ein Gewinn von $ 5 einsacken.
      Danke für die Glückwünsche und eine schöne Adventszeit nach Ummeln und in den Westerwald.
      Deine Vero und Reiner

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