Was heißt hier schon Grenzen?

02. Februar    Henderson Beach State Park

Wir schaffen es (fast) einfach nicht, Florida hinter uns zu lassen und nisten uns deshalb gern noch einmal, auch in Erinnerung an Weihnachten 2015, auf Henderson Beach State Park bei Destin FL, diesmal auf #15, für einen Tag und eine Nacht ein. Auch wenn der Hwy 98 um die Ecke dieses Mal mehr Krach zu machen scheint als damals, fühlen wir uns in dieser ausgesprochen gepflegten Umgebung sehr wohl. Ein kleines Campfire in unserer „Höhle“ bringt uns auf Gedanken an Zuhause, an unseren Garten, den Blick aus unserer Terassentür…

Aber genau solche Momente, in denen uns zum Beispiel der Bussard oder ähnliches Getier „Hello, how’re you doin today?“ zuzurufen scheint, machen uns klar, dass wir mitten im Winter bei Temperaturen zwischen 15 und 20ºC wirklich gut bedient sind.

Unsere „Reise“-Gene, die auch aus dem Wunsch gespeist werden, bis Oktober noch mehr von diesem so mannigfaltigen Kontinent sehen und verstehen zu wollen, vertreiben uns letztlich weg von der fantastischen Emerald Coast, Florida in Richtung Alabama.
Dazu nutzen wir den Hwy 98, in Golfküstennähe alternativlos, bringt er uns unablässig straight Richtung Westen. Wir umkurven Pensacola südlich bleibend, ignorieren dann wegen der uns weiterhin begleitenden Strände anschließend bestens gelaunt die Stadt Mobile am nördlichen Ende der Mobile Bay und weitere im „Inland“ liegende Gemeinden und Städte.

03. – 04. Februar      Gulf State Park, Alabama

Es wird für Florida-Verhältnisse an der Alabamacoast richtig eng. Die Sonnen-, Strand- und Wasserhungrigen aus den nördlichen US-Staaten und den südlichen canadischen Provinzen mögen die im Verhältnis zu Florida preisgünstigen Plätze oder Häuser an diesem Teil der Golfküste. Mehr oder weniger nordsee-, ostsee- und mittelmeer-ähnlich stehen hier die Unterkünfte beieinander.
Innerhalb eines Tages, wir kennen uns schließlich hier aus, erreichen wir unser nächstes Ziel an der Gulfküste: Orange Beach, Alabama.

Eine Handy-Nachricht von Kati und Gerd aus Münster besagt, dass der mehr als 400! Sites große Gulf State Park auf Wochen ausgebucht sein soll. Entsprechend beinahe ehrfürchtig nähern wir uns schon im Laufe des frühen Nachmittags dem office. Was machen wir, wenn nichts mehr frei ist?

Wir möchten doch so gern Joanne und Ted aus Paisley Ontario, Canada, oder Hanni und Eduard, wie sie in ihrem früheren Leben in der Schweiz und in Bad Essen am Mittellandkanal geheißen haben, sie verbringen hier den Winter bis Ende März, wiedersehen.

Kaum zu glauben, wir sind früh genug!
Für zwei schlappe Nächte gibt es noch eine Site pull through für uns, $45 pro Nacht. Das, wenn auch teure, Glück ist uns mal wieder hold.

Wir sehen nicht nur Joanne und Ted, sondern auch noch den Cardinal, diesen besonders hübschen „Draufsitzer“, bestimmt ein Macho und hören die selten werdenden Kojoten schon am hellichten Tag heulen.

Ein besonderes Vergnügen, Vero spielt mit, das Hämmerli-Spiel zu viert!
Ich verliere gnadenlos, will wahrscheinlich zu viel.
Das kaufen wir uns für zuhause.

Die Einladung von Joanne und Ted zum wichtigsten Sportereignis des Jahres steht!
Der Super Bowl fasziniert auf diesem Kontinent fast alle Menschen, lässt Familien, Freunde und Kumpel vor den Flachbildschirmen immer am ersten Samstag im Februar zusammen kommen.

Meatballs in Sweet Baby Ray’s Barbeque Sauce , der auf leckeren Baguettes servierte Lachs mit wohlschmeckendem Dip und der sehr leckere Rote begleiten unsere Unterhaltung. Sie bestimmt unser Zusammensein. Vielleicht gibt es deshalb vom Spiel auf dem trailereigenen Fernseher kein Foto.

Ich finde, Ted hat recht:
Beim Super Bowl reicht es, das letzte Quarter zu sehen. Wir haben uns so viel zu erzählen…
Wobei ich glaube, eishockeyverrückte Kanadier verzichten (m.E. aus ganz anderen Gründen) sogar auf die ersten fünfundfünfzig Minuten des Spiels (reine Spielzeit 60 Minuten) und sehen die letzten fünf Minuten des Finals, die inklusive Commercials und videobeweisunterstützten Spielunterbrechungen durchaus noch einmal eine Viertelstunde lang werden können, vielleicht um mitreden zu können.

Es hat uns so gut getan mit Euch zusammen gewesen zu sein. Danke für Eure Einladung zu Euch nach Hause. We’ll see.

05. Februar 2018

Jetzt liegt uns schon wieder die Straße zu Füßen oder besser unter den Rädern… Wir bleiben so weit südlich am Golf wie es nur irgend geht.

Schon nach einer Stunde erreichen wir die Mobile Bay Ferry. Wir müssen kaum warten. Ein Foto noch, dann können wir uns schon nach 5 Minuten über die Rampe auf die Fähre von Fort Morgan Richtung Dauphin Island einordnen. Handbremse anziehen, Gang rein, mit Kamera aussteigen und den Golf bei wolkenlosem Himmel genießen. Manchmal könnte es ruhig etwas langsamer gehen.

„Neeee! ne…“ Eine von Vero’s Lieblingsstraßen:

…doch nicht runtergefallen!
Ich schätze mal, es war eine Brücke von insgesamt 6-7 Kilometern.

Apropos Grenzen. Wir sind auf dem Weg nach Mississippi, MS (the Magnolia State)

05. Februar     Campgrounds of the South, Gulfport, Mississippi

Jesus und die Soldaten gehören für manche Menschen, das diskutieren wir jetzt mal nicht, offensichtlich zusammen.
Dieser Campground ist heute für uns die letzte Möglichkeit, unsere Köpfe in Ruhe auf die Kissen zu legen, weil der eigentlich von uns anvisierte Platz erster Wahl uns nicht mehr unterbringen kann.

Insbesondere dann, wenn der Campground wie heute schon nicht besonders schön ist, bekommt die Frage: „Was essen wir heute Abend?“ eine besondere Bedeutung.
Wenn aber dann Vero auch noch sagt: „Heute gibt’s Schnitzel-„All you can eat“, dann hat das eher etwas damit zu tun, dass sie gestern abend vergessen hat, den Kühlschrank von 12 auf 220 V umzustellen. Das ehemals tiefgefrorene Fleisch muss weg!

…und die Frage hat sich erledigt….aber lecker!

06. Februar 2018

Louisiana wollen wir diesmal auf einer ganz anderen Route durchqueren als 2016.
Fast ständen wir ohne Grenzschildfoto da.

Washington Parish: Es macht ganz den Eindruck, als wenn wir hier noch nie durchgekommen wären, obwohl unsere Karte der Staaten an der Seite unseres Wohnmobils besagt, wir seien schon einmal in Louisiana gewesen.

Louisiana ist eben nicht gleich Louisiana, logisch – Dass wir ganz bewusst ungefähr zweihundert Kilometer weiter nördlich als während unserer ersten Reise durch Louisiana reisen, hat seine Folgen:

Wir werden uns später sicher daran erinnern, welche unterschiedlichen Gesichter dieses Land zeigt.

Von einer Minute auf die andere hat uns die ganze Spannungsbreite hiesiger gesellschaftlicher Verhältnisse in den Vereinigten Staaten erwischt.
Wir haben’s so gewollt!
Die drastische Ambivalenz des Erfolges und des Scheitern der sehr auf persönliche Freiheit bedachten Lebensentwürfe des American Dreams of Life kommt uns plötzlich und unvermittelt, unverhohlen und nicht zu übersehen, sehr nahe. Die nächsten Bilder zeigen etwas von der Unsicherheit, die sie bei uns hinterlässt. Sie sorgen auch dafür, dass wir den Glanz der Golfküste sehr schnell vergessen.

Zum ersten Mal begegnen wir Menschen, die mit offen getragener Waffe ihre Verteidungsbereitschaft sogar beim Einkaufen bekunden und andere, die bettelnd auf dem großen Parkplatz des Walmart in Bogalusa, LA. ihre Armut glaubhaft zeigen und denen gegenüber wir nicht unberührt bleiben.

Oder ist das gar nicht einerseits und andererseits, sondern die zwei Seiten ein und derselben Medaille?
Jedenfalls ist das für uns nicht mehr attraktiv, sondern ungewohnt, beängstigend, auch bedrohlich.

06. – 07. Februar

Wir biegen (unbeschadet) nach endlos scheinender schlüpfriger BackroadFahrt, das nieselige Wetter passt perfekt dazu, durch traurig-tristes Land von der sehr schmalen Cooper Rd scharf links ab auf die riesige Fläche der Sweetwater RV Ranch, Loranger, LA.
Es tut jetzt doch irgendwie gut, Private Property erreicht zu haben. Der nachgewiesenermaßen  gezahlte Übernachtungspreis und die uns daraufhin zugewiesene site auf der, offensichtlich überzeugten Christen gehörenden Ranch mit dem Angebot der horseriding classes und den von Menschlichkeit sprechenden Bibelzitaten, lassen uns ruhig werden und runter kommen. Hier gibt es das GUTE, zumindest den Wunsch danach…

Jedenfalls irgendwie gut, angekommen zu sein. Draußen ist es nicht schön, hier fühlen wir uns sicher.

‚Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu‘. Wusste gar nicht, dass dieser Spruch auch im Mätthäus Evangelium, Kapitel 7 Vers 12 steht.
Hier jedenfalls hängt er im Badezimmer.

Louisiana ist noch nicht vorbei: Da müssen wir auch noch drüber… Ist ja nicht die höhere, links, sondern nur die rechte…

08. – 13. Februar     Porche’s RV Park & Fish-N-Camp, Breaux Bridge, Louisiana

Der Besuch dieses RV Parks ist die Folge meiner Leidenschaft Boule zu spielen: Er liegt ungefähr 12 km süd-westlich von Lafayette. Zum dortigen Petanque-Club habe ich schon im Vorfeld meine Fühler ausgestreckt:
Sie spielen jeden zweiten und vierten Sonntag ab 2:30 pm (wenn das Wetter mitspielt)

  • Heute ist zwar Sonntag, der 11. Februar 2018, der zweite im Monat
  • das Wetter ist aber scheußlich,
  • sie spielen normalerweise im Girard Park in der Nähe der Universität von Lafayette,
  • aber heute kommt von den offiziellen Mitgliedern niemand,
  • nur Jeff: er bringt zwei Kugeln mit und hat erst dreimal in seinem ganzen Leben gespielt
  • und ich…

Vero wartet tapfer drei Stunden nebenan im WoMo auf dem Parkstreifen und fotografiert uns durch die „Planche“ der Hobbyfechter hindurch, die sich ebenfalls sonntags nachmittags zum Training treffen.
Sie sind wenigstens gekommen…

PS. Die SMS von Kevin am Samstag (einen Tag vorher) war sehr freundlich: Der Präsident des Clubs hat wegen der Wettervorhersage das sonntägliche Spiel abgesagt, aber ich hatte die Textnachricht nicht gelesen!
Es hat erstens nicht geregnet und zweitens auch noch Spaß gemacht. Danke Jeff!

Langsam kommt sowas wie die Sonne wieder…

On the way to Nachitoches. (Es spricht sich N∧ki:t0sch) Wir sind immer noch in Louisiana!

und das gehört offensichtlich auch hierher: Es war einmal ein Rind…

Reisfelder…

Anschließend genießen wir Wasser grenzenlos auch von oben, ganz ohne Reisfelder.

Denn unser nächster Platz, nördlich von Evergreen und Bunkie LA in der Pampa gelegen, zeigt sich bei diesem Wetter eher als Verlustzuweisungs-Steuersparmodell:
Wir haben den Riesenplatz mit Animationsmusik, das Wasserpark-Hallenschwimmbad mit Sportbecken, in dem über das gespannte Netz Wasser-Volleyball gespielt werden kann, ein Schwimm- und Planschbecken und einen Hot Tub bis auf eine Familie für uns allein, aber schätzungsweise 10 Angestellte wuseln um uns herum.
Es fehlen nur noch die Geburtstagskinder, deren Eltern in der schwimmhalleneigenen Küche das Festessen für die Kleinen zubereiten können, während sie im Wasserbecken den Fontänen aus der gegnerischen Wasserpistole auszuweichen versuchen.

Nicht zu vergessen, der einsame, rutschige Kletterpark im Nirgendwo zwischen den Bäumen…

There are not only sunsets…

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